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Kolumne Krogerus&TschäppelerWie gut ist das Krisenmanagement des Bundesrats?

Es heisst, der Bundesrat höre zu wenig auf die Taskforce. Befolgt er wenigstens die Regeln eines gutes Krisenmanagements? Nun…

Foto: Roman Tschäppeler

Zurzeit beobachten wir einen weltweiten Wettbewerb der Strategien: Alle Länder der Welt haben mit dem Virus zu kämpfen. Alle haben den gleichen Wissensstand. Aber jedes Land ergreift andere Massnahmen – deren Wirksamkeit man live mitverfolgen kann. Die Schweiz hat einen vergleichsweise unentschlossenen Weg eingeschlagen, mit dem Ergebnis, dass sie bei den Infektions- und Todesfallzahlen unrühmlich Höchstwerte erreicht.

Die tieferen Ursachen, warum sich die politische Führung der Schweiz mit der Pandemiebekämpfung so schwer tut, sind komplex und vielfältig. Einer der Gründe scheint zu sein: ein gewisser Unwille, dem Rat von Expert*innen zu folgen. Auf Appelle der Virologie und Epidemiologie reagierte man verspätet oder zögernd. Die Erklärung für das Zögern – die Schweiz könne sich mit Rücksicht auf die Wirtschaft keine härteren Massnahmen leisten – kam aber interessanterweise auch nicht aus der Forschung. Im Gegenteil: Sechzig Ökonom*innen argumentierten in einem offenen Brief für härtere Massnahmen. Aus vermeintlicher Rücksicht auf die Wirtschaft, auf den Föderalismus, auf die Harmonie entschied man sich für einen Kompromiss, der sich aber bisher nicht als win-win, sondern lose-lose herausstellte.

Im Rahmen dieser Kolumne fragen wir nun, ob wenigstens das Handling der Krise durch den Bundesrat den wesentlichen Erkenntnissen der Krisenmanagement-Forschung entspricht. In ihrem wegweisenden Paper «Public Leadership in Times of Crisis: Mission Impossible?» haben Arjen Boin und Paul 't Hart die sechs zentralen Erwartungen der Öffentlichkeit an die politische Führung in Krisenzeiten herausgearbeitet. Politische Entscheidungsträger*innen sollen:

(1) die öffentliche Sicherheit bei allen Entscheiden priorisieren (und sich nicht aus ökonomischen Überlegungen mit suboptimalen Sicherheitsniveaus zufriedengeben),

(2) Vorkehrungen für die schlimmsten Szenarien treffen (Vorkehrungen werden in der Regel nur von Führungspersonen getroffen, fanden die Forscher heraus, die bereits Krisen durchgemacht haben; die Schweiz hat naturgemäss kaum Krisenerfahrungen),


(3) auf Frühwarnungen hören, um einer möglichen Verschlimmerung der Krise vorzubeugen (die allermeisten Krisen haben eine lange Vorlaufzeit und sind Expert*innen in den jeweiligen Fachgebieten oft bekannt),

(4) klare Richtlinien vorgeben (der oft vorgebrachte Wunsch nach einer zentralisierten Führung allerdings ist überschätzt; wichtig ist, dass die dezentralisierten Entscheidungseinheiten sich an die hier vorgebrachten Punkte halten),

(5) Empathie gegenüber Opfern zeigen (in Worten und Handlungen),

(6) aus der Krise lernen (Fehler eingestehen ist wichtig, aber man muss sie auch korrigieren, und sollte sich nicht rausreden oder andere beschuldigen).

Welchen dieser sechs Punkte hat der Bundesrat eigentlich perfekt umgesetzt?

Mikael Krogerus ist «Magazin»-Redaktor, Roman Tschäppeler ist Kreativproduzent. hallo@guzo.ch

14 Kommentare
    Franz Süss

    Der Kanton ZH hat jedenfalls auf der gesamten Linie versagt. Vor allem bei den Punkten 1 bis 6.