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Atelierbesuch mit Hans Ulrich ObristWie findet ein Maler die Titel für seine Werke?

Am Beispiel von Gerhard Richter.

Gerhard Richter in seinem Atelier im Jahr 1992.
Gerhard Richter in seinem Atelier im Jahr 1992.
Foto: Marc Asnin/Redux/Laif

Mein letzter richtiger Atelierbesuch, bei dem ich noch Farbe roch, war im letzten Spätherbst, beim grossen Maler Gerhard Richter. Seit Mitte der Achtzigerjahre besuche ich ihn jährlich zwei- bis dreimal in Köln, mittlerweile sind wohl fast hundert Visiten zusammengekommen. Jedes Mal unterhalten wir uns erst ein bisschen, und dann zeigt mir Richter, woran er gerade arbeitet oder was er soeben fertiggestellt hat.

Derzeit ist er in einer Zeichnungsphase. Vor gut drei Jahren hat er sich der Grafik zugewandt, bei der er, ebenso wie in der Malerei, den Zufall in einem eng gesteckten Rahmen spielen lässt. Bei den Ölbildern gelingt ihm das durch den Rakel, eine Art Brett, das er über die frische Farbe zieht, um so einen jedes Mal anderen Schmier-Effekt zu erzeugen; bei den Zeichnungen durch die Tinte, die er durch das Papier sickern lässt, und den Radiergummi, der zuvor Gezeichnetes halb auflöst, halb verwischt. Die Zeichnungen tragen keine Titel.

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