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Statistiken zur ZuwanderungWie die Migration die Schweiz verändert

Die Schweiz gehört zu den Ländern mit der anteilsmässig grössten Einwanderung. Zahlen und Fakten zu einem politischen Dauerbrenner.

Wann die Leute ins Land kamen

Mit der Eröffnung des Gotthardtunnels 1882 und der fortschreitenden Industrialisierung erlebte die Schweiz um die Jahrhundertwende den ersten Einwanderungsschub. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Nachfrage nach Arbeitskräften rasant.

Als die Zuwanderung 1970 einen Höhepunkt erreichte, kam mit der Schwarzenbach-Initiative das erste Volksbegehren zur Begrenzung der Einwanderung zur Abstimmung. Es wurde knapp abgelehnt. Aufgrund der Ölkrise und der anschliessenden Rezession sank der Ausländeranteil danach trotzdem.

In den 1980er-Jahren setzte der Zustrom wieder ein. Durch den Krieg in Jugoslawien kamen ab 1991 viele Menschen aus dem Balkan in die Schweiz. 2002, mit der Einführung der Personenfreizügigkeit, zog die Einwanderung noch einmal stark an. Vor allem Deutsche, Italiener und Portugiesen nutzten die Gelegenheit, hier arbeiten zu können.

Die Schweiz auf einem Spitzenplatz

Den Ausländeranteil verschiedener Länder zu vergleichen, ist wenig sinnvoll, da sich die Einbürgerungskriterien zum Teil stark unterscheiden. Statistiken von internationalen Organisationen führen deshalb meistens eine andere Kennzahl auf: den Anteil der Personen, die nicht im entsprechenden Land geboren sind. Manchmal ist auch der Migrationshintergrund wichtig, was bedeutet, dass Mutter und/oder Vater zugezogen sind.

Gemäss OECD sind 29 Prozent der in der Schweiz lebenden Menschen nicht hier geboren, also knapp ein Drittel. Mit Ausnahme des Kleinstaats Luxemburg mit nur 600’000 Einwohnern kommt kein europäisches Land an diesen Wert heran. Von den westlichen Staaten ist nur Australien auf gleicher Höhe.

Einen deutlich grösseren Anteil haben einige Ölstaaten. In Katar zum Beispiel besteht die Bevölkerung zu 88 Prozent aus ausländischen Arbeitern. Allerdings haben diese keinerlei Kontakt zu Einheimischen, sind meist ohne Familie im Land und verlassen es nach dem Arbeitseinsatz wieder.

Von Genf bis Appenzell

Das Bundesamt für Statistik zählt zur «Bevölkerung mit Migrationshintergrund» gebürtige Schweizer, bei denen beide Eltern im Ausland geboren wurden, sowie Ausländer und Eingebürgerte mit mindestens einem im Ausland geborenen Elternteil. Insgesamt gehören 37,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung zu dieser Kategorie.

Im Kanton Genf als Spitzenreiter haben über 60 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Am anderen Ende der Skala befinden sich drei Zentralschweizer Kantone sowie Appenzell Innerrhoden.

Zuzug in die Agglomeration

Die Vororte von Lausanne (Renens, Ecublens) und Zürich (Spreitenbach, Schlieren, Dietikon, Opfikon) dominieren die Top-Ten-Liste der Schweizer Städte mit dem höchsten Ausländeranteil. Durch die steigenden Mieten in den Zentren sind in den letzten zwanzig Jahren die Niedrigverdiener zunehmend in die Agglomeration verdrängt worden.

Von den grösseren Städten schafft es nur Genf auf einen vorderen Platz. Die Stadt Bern hat sogar einen leicht tieferen Ausländeranteil als der Schweizer Durchschnitt, der letztes Jahr 25,3 Prozent betrug.

Die erstplatzierte Gemeinde, Kreuzlingen im Kanton Thurgau, fällt als Grenzstadt aus dem Rahmen: Sie bildet mit Konstanz (D) quasi eine Einheit, was sich auch in der Bevölkerungsstruktur niederschlägt.

Die Familien kommen mit

Gemäss der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung 2017 gibt nur ein Drittel der Ausländer zwischen 15 und 74 Jahren an, wegen des Berufs in die Schweiz gekommen zu sein. Der häufigste Grund ist die Familie. Das ist für die Migrationspolitik von grosser Bedeutung, denn nur die Einwanderung in den Arbeitsmarkt und in begrenztem Umfang der Asylbereich können einigermassen gesteuert werden.

Durchmischte Schulen

Die Schulen sind der wichtigste Integrationsmotor einer Gesellschaft – aber auch fragile Gebilde: Sind zu viele fremdsprachige Schülerinnen und Schüler in einer Klasse, kann die Qualität des Unterrichts leiden. Die OECD hat im Rahmen der Pisa-Studie den Anteil Schüler mit Migrationshintergrund in den verschiedenen Ländern untersucht. In der Schweiz liegt dieser bei über 50 Prozent. Nur das bedeutend kleinere Luxemburg verzeichnet in Europa einen noch höheren Wert.

In Schweizer Schulstatistiken ist in der Regel nicht der Migrationshintergrund aufgeführt, sondern der Anteil an Schülern, die zu Hause nicht die Ortssprache sprechen. In gewissen Vorortsgemeinden von Zürich beträgt dieser über 80 Prozent. Zum Beispiel in Opfikon, wo 86 Prozent zu Hause nicht Deutsch sprechen, in Schlieren 84 Prozent, in Dietikon 81. Zum Vergleich: In Basel beträgt der Anteil 50 Prozent, in der Stadt Zürich 47. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 33 Prozent.

Die Situation ganz oben… und ganz unten

Der Ausländeranteil ist in den untersten und in den obersten sozialen Schichten überproportional hoch. Das schlägt sich in zahlreichen Statistiken nieder.

Erstaunlich hoch ist der Ausländeranteil zum Beispiel in den Geschäftsleitungen der SMI-kotierten Unternehmungen mit 67 Prozent. Auch auf der «Bilanz»-Liste der 300 reichsten in der Schweiz wohnhaften Personen sind auf den Top-Plätzen die Einheimischen deutlich in der Minderheit.

Auf der anderen Seite des sozialen Spektrums sticht immer wieder der hohe Ausländeranteil in den Gefängnissen ins Auge. Dieser beträgt rund 70 Prozent. Allerdings handelt es sich bei einem beträchtlichen Teil von ihnen um Ausländer ohne Wohnsitz in der Schweiz, also um Kriminaltouristen.

Bei den Sozialhilfeempfängern ist der Ausländeranteil mehr als doppelt so hoch wie im Schweizer Durchschnitt. Dies liegt auch am Asylbereich: Über 80 Prozent der arbeitsfähigen Asylsuchenden beziehen Sozialhilfe.

Wer verdient mehr?

Überdurchschnittlich viele Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz arbeiten im Niedriglohnsektor. Beim Einkommen können sie mit ihren einheimischen Kollegen nicht mithalten, wie die Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2018 aufzeigt: In tiefen beruflichen Stellungen verdienen Zugezogene weniger als Schweizer in derselben Position. Bei oberen Kaderstufen allerdings ist es genau umgekehrt, dort verdienen Ausländer mehr.