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Nobelpreis für MedizinWie die drei Preisträger helfen, das Hepatitis-C-Virus auszurotten

Zwei US-Amerikaner und ein Brite werden für ihre Entdeckung des Hepatitis-C-Virus geehrt. Warum ihre Forschungen so wertvoll sind.

Das Hepatitis-C-Virus wird durch Blut übertragen und befällt vor allem die Leber.
Das Hepatitis-C-Virus wird durch Blut übertragen und befällt vor allem die Leber.
Illustration: Mattias Karlén

Wer wurde ausgezeichnet?

Der diesjährige Nobelpreis geht an drei Wissenschaftler für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus: Harvey J. Alter (USA, geboren 1935 in New York), Michael Houghton (Grossbritannien, geboren 1949) und Charles M. Rice (USA, geboren 1952 in Sacramento). Sie teilen sich den Preis zu je einem Drittel.

Was haben die Preisträger herausgefunden?

Mit ihrer Forschung hätten die drei Wissenschaftler einen entscheidenden Beitrag zum Kampf gegen die durch Blut übertragene Hepatitis geleistet – ein globales Gesundheitsproblem, schreibt das Nobelkomitee. Hepatitis ist eine Leberentzündung, die bei chronischem Verlauf zu einer Vernarbung der Leber (Leberzirrhose) und schliesslich Leberkrebs führen kann.

Vor ihrer Arbeit war die Entdeckung der Hepatitis-A- und -B-Viren ein entscheidender Schritt nach vorn gewesen, aber die Mehrheit der durch Blut übertragenen Hepatitis-Fälle blieb ungeklärt. Die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus enthüllte die Ursache für die verbleibenden Fälle chronischer Hepatitis und ermöglichte Bluttests und neue Medikamente, die Millionen von Menschenleben gerettet haben.

Wie haben sie das geschafft?

Harvey J. Alter erforschte an den US National Institutes of Health das Auftreten von Hepatitis bei Patienten, die Bluttransfusionen erhalten hatten. Dabei entdeckte er, dass es eine neue, eigenständige Form der chronischen Hepatitis gibt, die durch Viren übertragen werden kann. Michael Houghton, der für das Pharmaunternehmen Chiron arbeitete, wandte eine ungetestete Strategie an, um das Genom des neuen Virus mit dem Namen Hepatitis-C-Virus zu isolieren. Charles M. Rice, Forscher an der Washington University in St. Louis, lieferte in den 1990ern den Beweis dafür, dass das Hepatitis-C-Virus allein die chronischen Leberentzündungen verursachen kann.

Warum ist die Entdeckung wichtig?

Hepatitis C ist eine Hauptursache für Leberkrebs und einer der wichtigsten Gründe für Lebertransplantationen. Das Virus wird meist durch Blut übertragen. Dies geschieht durch Drogenkonsum, unsichere Injektionspraktiken, unsichere Gesundheitsfürsorge, Transfusionen von nicht geprüften Blut- und Blutprodukten sowie Sexualpraktiken, die zu einer Exposition gegenüber Blut führen.

Dank den preisgekrönten Forschungen stehen nun hochempfindliche Bluttests für das Virus zur Verfügung, mit denen die Hepatitis nach der Bluttransfusion in vielen Teilen der Welt im Wesentlichen eliminiert werden konnte. Die Entdeckung der drei Wissenschaftler ermöglichte auch die rasche Entwicklung antiviraler Medikamente gegen Hepatitis C. Zum ersten Mal in der Geschichte kann die Krankheit nun geheilt werden, was Hoffnungen weckt, das Virus auszurotten.

Weltweit sind schätzungsweise 71 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-C-Virus chronisch infiziert. In der Schweiz leben etwa 40’000 Personen mit einer Hepatitis-C-Infektion. Damit gehört Hepatitis C zusammen mit Hepatitis B (ebenfalls rund 40’000 Betroffene) zu den häufigsten Formen von viraler Hepatitis in der Schweiz.

Eine beträchtliche Anzahl der chronisch Infizierten erkrankt an Leberzirrhose oder Leberkrebs. Die WHO geht von weltweit jährlich etwa 400’000 Todesfällen wegen Hepatitis C aus – wobei die Dunkelziffer hoch ist. Neue antivirale Medikamente können mehr als 95 Prozent der Personen mit einer Hepatitis-C-Infektion heilen und damit das Sterberisiko an Leberzirrhose und Leberkrebs senken, aber der Zugang zu Diagnose und Behandlung ist gering. Derzeit gibt es keinen wirksamen Impfstoff gegen Hepatitis C.

2 Kommentare
    Ralf Schrader

    'Warum ihre Forschungen so wertvoll sind.'

    Wertvoll sicher, aber wieder nicht Medizin. Es wäre nach über 70 Jahren an der Zeit, mal wieder einen Arzt für eine medizinische, nicht für eine medizinwissenschaftliche Vorfeldleistung auszuzeichnen. Man braucht schon ein wissenschaftliches Vor- und Umfeld, aber das ist noch nicht die Medizin und 70 Jahre sind eine lange Zeit.