Wie der Mensch auf den Hund kam

Der Wolf gilt als das erste Haustier. Sein Sozialverhalten hat ihn zum Zusammenleben mit dem Menschen prädestiniert.

Der Hund war schon früh ein Freund des Menschen: Er stammt vom Wolf ab. Foto: Getty Images

Der Hund war schon früh ein Freund des Menschen: Er stammt vom Wolf ab. Foto: Getty Images

Haustiere hält sich der Mensch, seit er sesshaft wurde und sich eine landwirtschaftliche Wirtschaftsweise herausbildete. Es gibt aber eine Ausnahme: Mit Wölfen lebte der Mensch schon zusammen, als er noch Jäger und Sammler war. Funde lassen darauf schliessen, dass Wölfe bereits vor 40 000 Jahren gezähmt wurden. Der Übergang zum Hund durch gezielte Selektion bei der Zucht vollzog sich dann in den folgenden 20 000 Jahren. Nachhaltig war die Zucht anscheinend aber nur in den wenigsten Fällen: DNA-Untersuchungen zeigen, dass alle heutigen Hunde von höchstens zwei Dutzend männlichen Wölfen abstammen.

Warum aber wurde gerade der Wolf zum ersten Haustier des Menschen? Über die Gründe, die unsere Vorfahren zu einem bestimmten Verhalten veranlassten, kann nur spekuliert werden. Die Forschung geht aber davon aus, dass die Menschen schon früher Jungtiere liebten und diese in ihnen einen Pflegetrieb auslösten. So gelangten vermutlich verwaiste Rehkitze oder Hasenbabys in die Lager der Menschen – und wohl auch Wolfswelpen. Am Anfang der Domestikation von Wölfen müssen auf jeden Fall Jungtiere gestanden haben, denn ältere Wölfe lassen sich nicht zähmen.

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Die meisten der liebevoll aufgezogenen Wildtiere wurden wohl verspeist, wenn sie ausgewachsen waren. Mit Wölfen scheint das hingegen nicht immer passiert zu sein, sie wurden auch als erwachsene Tiere von der Menschengemeinschaft geduldet. Das hat vermutlich damit zu tun, dass Mensch und Wolf einfach zueinander passten, denn ihr Sozial- und Rudelverhalten ist sehr ähnlich. Weil sie aufgrund körperlicher Limitierungen zur Kollektivjagd gezwungen waren, entwickelten sich bei den Wölfen und Menschen ähnliche Formen der Kommunikation, der Aufgabenteilung oder der Für-sorge. Das Zusammenleben beider Arten funktionierte – und wurde wohl von beiden als Bereicherung empfunden.

Durch Witterung von Wildtieren unterstützte der Wolf den Menschen bei der Jagd.

Die Nutzung des Wolfs durch den Menschen war immer vielfältig. Höhlenmalereien, aber auch Vergleiche mit heutigen Jäger-Sammler-Gemeinschaften lassen darauf schliessen, dass der Wolf den Menschen bei der Jagd unterstützte – etwa, indem er die Witterung von Wildtieren aufnahm. Der Wolf diente zudem auch als Lasttier und als Wächter des Lagers in der Nacht. Er war zudem ein wichtiger Pelzlieferant. Und, was Hundefreunde wohl nicht gern hören: Der Wolf stellte auch eine Art Notvorrat dar, der in harten Zeiten verspeist werden konnte.

Vor allem aber war der Hund schon früh ein Freund des Menschen. Verschiedene Grabfunde belegen, dass Mensch und Hund eine innige emotionale Beziehung verband: In einem 12 000 Jahre alten Grab in Israel umarmt der tote Mensch das tote Tier. Die meisten Funde von Hundeknochen aus der Frühzeit stammen denn auch aus menschlichen Gräbern.



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