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Leserdebatte über KampfjetsWichtiger Schutz oder Geldverschwendung?

Am 27. September stimmen wir über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge ab. Ob und – wenn ja – wie die Schweiz ihre Flotte erneuern soll, beschäftigt viele Leserinnen und Leser.

Sollen in den nächsten Jahren ausrangiert werden: Maschinen des Typs F-5 Tiger.
Sollen in den nächsten Jahren ausrangiert werden: Maschinen des Typs F-5 Tiger.
Keystone

Zur Abstimmung über neue Kampfflugzeuge

Grundsatzentscheid muss jetzt getroffen werden

Die Schweizer Armee ist daran, den Luftpolizeidienst während 7 Tagen und über 24 Stunden aufzubauen. Die derzeit im Einsatz stehenden F/A-18- Flugzeuge, mit denen das geschieht, haben das Ablaufdatum 2030, danach braucht es einen Ersatz, sonst muss die Schweiz ihren Luftpolizeidienst ganz einstellen und sich gegen Bezahlung von anderen Staaten schützen lassen. Gerade bei einer erhöhten allgemeinen Terrorgefahr in Europa wäre es aber nicht garantiert, dass eine fremde Luftwaffe, welche zuerst den eigenen Luftraum schützen muss, noch die Kapazitäten hätte, sich darüber hinaus um die Schweiz zu kümmern. Kurz, damit die alten Kampfflugzeuge bei ihrem Wegfall wieder durch neue ersetzt werden können, muss der Grundsatzentscheid jetzt getroffen werden. Alles andere ist Selbstbetrug auf Kosten der Sicherheit von Staat und Bevölkerung sowie Aushöhlung der Schweizer Neutralität. Bernhard Wigger, Jegenstorf

Die 30 Milliarden könnte man sinnvoller einsetzen

Nach der Abstimmung dürften dann die Steuererhöhungen bei Bund und Kantonen folgen. Steigende Arbeitslosigkeit und Konkurse, sinkende Steuereinnahmen und sinkende Alimentierung der Sozialwerke, vor allem AHV und ALV, werden uns die nächsten Jahre grosse finanzielle Sorgen bereiten. Es ist klar, der Druck auf die Sozialwerke wird riesig werden. Die bürgerlichen Parteien machen wenig Vorschläge, um die Coronakosten aufzufangen und die finanzielle Lage von Bund, Kantonen und Gemeinden zu verbessern. Die 30 Milliarden könnte man sinnvoller ausgeben, zum Beispiel für die Schaffung eines Hilfsfonds für Städte und Gemeinden in finanzieller Not, für die Alimentierung der Sozialwerke, für die Investitionen in Bildungsprojekte oder für die Lancierung der dringend notwendigen Klimaprojekte. Auch die Abkehr von Öl und Gas wird Milliarden verschlingen. Da braucht es eine Anstossfinanzierung. Erwin Roos, Ostermundigen

Vaterschaftsurlaub statt Kampfjets

Mit dem Geld für neue Kampfjets könnte man 100 Jahre lang den Vaterschaftsurlaub finanzieren. Thomas Müller, Thun

Realistisch sein und Armee zeitgemäss ausrüsten

In der Schweiz gibt es nur zwei Militärflugplätze, auf denen Kampfjets ständig stationiert sind: Meiringen und Payerne. Bereits heute werden in Kriegsgebieten solche Objekte mittels Drohnen zielgenau angegriffen und zerstört. Kampfjets, die nur von zwei Flugplätzen aus operieren können, sind in einem Ernstfall deshalb wohl rasch nicht mehr einsetzbar. Seien wir doch realistisch: Rüsten wir unsere Armee zeitgemäss und gut für die wirklich aktuellen Bedrohungen aus – damit sie zum Beispiel auch bei Naturgefahren und anderen zivilen Krisen in der Lage ist, die Bevölkerung zu beschützen und zu unterstützen. Aber ein leistungsfähiger Helikopter ist halt offenbar weniger prestigeträchtig als ein milliardenteurer Kampfjet. Claudia Groh-Ineichen, Meiringen

Kampfflugzeuge müssen jetzt beschaffen werden

Das Zalando-Denken: «Heute bestellen, morgen im Briefkasten», funktioniert beim Kampfflugzeug nicht. Diese müssen jetzt beschafft werden. Denn sie tragen einen wesentlichen Teil zu unserer Landessicherheit der kommenden 30 Jahre bei. Der Soldat mit seiner persönlichen Ausrüstung ist in einem Bedrohungsfall nicht in der Lage, unsere landesweite Infrastruktur der Energieversorgung, sowie das Bahn- und Strassennetz zu schützen. Patrick Richard, Spiez

Friedenssicherung fängt im Kopf an

Ich habe mich gefragt, wo denn ein Gewinn für die Gesellschaft und was der Nutzen für uns ist, wenn die Schweiz neue Kampfjets kauft. Ist es Zwecks Friedenssicherung? Doch, Friedenssicherung fängt im Kopf an. Statt für Frieden aufzurufen, werden wir für Krieg instrumentalisiert. Es sei unverzichtbar, dass wir uns für die Friedenssicherung Kriegsmaterial leisten müssen. Das ist irr und unethisch. Und weil es auch emotional ist, machen die Befürworter für den Kauf von Kampfjets die gleichen Überlegungen, wie sie Trump für den Waffenbesitz macht: Jedem sein Schiesseisen, dann bist du sicher, aber du musst schneller sein als der Gegner. Doch: Wer sind unsere Gegner, gegen die wir Kampfjets einsetzen – und erst noch, bevor sie es tun? Sind Kampfjets eine glaubhafte Option für den Erhalt des Friedens? Dieses Geld kann sinnvoller für die Sicherheit unserer Bevölkerung und unseres Landes eingesetzt werden. Christoph Zoll, Thun

Verbrauch von Ressourcen ist schlicht inakzeptabel

Den Luftraum schützen – ja, aber nicht mit milliardenschweren, unser Land verlärmenden und derart schnellen Kampfjets, die nach fünf Minuten bereits die Landesgrenzen überflogen haben. Für die Luftpolizeiaufgabe wären leichte, spritzige Jets der Kategorie Tiger F-5 wahrscheinlich mindestens so geeignet wie die zur Auswahl stehenden Höllenmaschinen. Schliesslich kontrolliert die Polizei die Autobahnen auch nicht mit Fomel-1-Autos. Ausserdem: Der Verbrauch eines Kampfjets (F/A-18) beträgt 5’000 Liter Kerosin pro Stunde. Damit kann ein Auto zweieinhalb Mal um die Erde fahren oder ein Einfamilienhaus vier Winter lang beheizt werden. Die Bürger um Sparmassnahmen zu bemühen und dann im ganz grossen Stil Energie zu verschwenden, kommt schlecht an. Dieser Verbrauch von Ressourcen und diese Erzeugung von Immissionen (CO2, Höllenlärm) sind heute schlicht inakzeptabel. Und überhaupt: Was konnten die Kampfjets gegen das Coronavirus ausrichten? Franziska Leuthard, Brienzwiler

Aussagen entlarven Unkenntnis der Gegner

Die Gegner der Beschaffung neuer Kampfflugzeuge bestreiten die Aufgabe an die Luftwaffe betreffend Luftpolizei ausdrücklich nicht, meinen aber, dass dafür ein leichteres Flugzeug wie der Leonardo oder ein koreanisches genüge. Diese Aussagen entlarven die Unkenntnis der Gegnerinnen und Gegner: Denn die polizeiliche Aufgabe der Überwachung erfordert, dass die Überwachenden besser ausgerüstet sind als die zu Überwachenden. Patrouillenfahrzeuge der Polizei sind nicht VW Golf, sondern gut motorisierte Autos aus Bayern, die auch entsprechend ausgerüstet werden. Aus dem Gesagten folgt, dass ein Leonardo oder ein koreanisches Leichtflugzeug nicht ausreicht zur Überwachung der Lufthoheit im Sinne der Luftpolizei. Es müssen gerade auch für diese Aufgabe Kampfflugzeuge beschafft werden. Ulrich Linsi, Schüpfen

Das Steckenpferd einiger weniger ist viel zu teuer

Manche Argumente für die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge sind direkt abenteuerlich und erinnern uns Ältere an den heftigen Widerstand gegen die Abschaffung der Kavallerie vor bald fünfzig Jahren; damals wehrten sich Traditionalisten dagegen, dass keine Schlacht zu Pferde mehr geführt werden solle, heute wehren sich Technik-, Kampfjetfans und Piloten gegen die Erkenntnis, dass die Luftwaffe ein völlig untaugliches Mittel gegen derzeitige und künftig zu erwartende Bedrohungen ist. Ausserdem ist das Steckenpferd einiger weniger viel zu teuer, macht grauenhaften Lärm und verschleudert fossile Energie. Und schliesslich: Falls die Wahl der Schweiz auf ein amerikanisches Flugzeug fallen sollte, würden die USA bestimmen, ob und wann geflogen und geschossen wird – das nähmen die Verteidiger der Neutralität einfach so hin? Katharina von Steiger, Meiringen

Zu «Amherds Offensive»

Verhalten ist verwerflich und elitär

Das VBS erweckt mit seinen populistischen Erklärungen den Anschein, die Wahrheit gepachtet zu haben und nimmt dabei in Anspruch, das Volk zu veranlassen, was es abzustimmen hat. Dieses Verhalten ist verwerflich und ausgesprochen elitär. Die Schweiz hat in der Zukunft andere wichtige Ausgaben zu bestreiten als sich diese unnötigen Kampfjets zu kaufen. Doch im VBS wird nichts dem Zufall überlassen. Mit einer grossen Kampagne wird eine Angstmacherei für diese Kampfjets hochgeschaukelt, nur damit wir jungen Wählerinnen und Wähler helfen sollen, den Steuerknüppel auf die Ja-Seite zu ziehen. Selbst die erste Kampfjetpilotin wird vor diese Kampagne gestellt, in der Hoffnung, dass die Jungen ebenfalls auf diesen mit Schmutz bedeckten Karren hüpfen werden. Amanda Flückiger, Bern

Brauchen eine bescheidene Modernisierung der Flotte

Technische und militärstrategische Diskussionen interessieren nur eine kleine Gruppe von Spezialisten und Spezialistinnen. Für die ganz grosse Mehrheit geht es bei der Kampfjet-Abstimmung um die einfache Frage: Brauchen wir das und wozu? Eine militärische Bedrohung der Schweiz ist nicht in Sicht und auch nicht absehbar. Es gibt viel konkretere Bedrohungen, allen voran der Klimawandel. Warum sollten wir in dieser Situation viele Milliarden für nutzlose Prestigeflugzeuge ausgeben? Das leuchtet einem grossen Teil der Bevölkerung nicht ein. Frauen brauchen jetzt und in Zukunft volle Gleichberechtigung statt peinliche Inszenierungen mit einer Kampfjetpilotin, und Junge brauchen Zukunftsaussichten statt rückwärtsgewandte Träume von Luftschlachten. Die Schweiz als Kleinstaat mitten in Europa braucht eine sachgerechte, bescheidene Modernisierung der Flotte, damit kann die Politik Mehrheiten gewinnen, auch weil das ein Eingeständnis wäre, dass die Schweiz ihre überzogenen Ambitionen dreissig Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges endlich aufgibt. Johannes Grossniklaus, Brienz

Zum Leitartikel von Redaktor Beni Gafner: «Ja zu den Jets im zweiten Anlauf»

Ohne ernstzunehmende Luftwaffe keine Armee

Der Beitrag von Beni Gafner brachte es auf den Punkt. Als Kadi einer Infanterieeinheit (Armee 61) hätte ich meinen Soldaten kaum einen Auftrag in einem nicht von der eigenen Luftwaffe behaupteten Luftraum erteilt. Der Gedanke, fremde Flugzeuge über unseren Köpfen – unvorstellbar. Von Konflikten oder Kriegen wurden diese, seit es Luftwaffen gibt, noch nie in der Luft «gewonnen». Entschieden wurden alle noch immer am Boden. Eine Armee ohne ernstzunehmende Luftwaffe gibt es für uns nicht. Und Sicherheit – vom Fussgängerstreifen über Brandmeldeanlagen bis hin zu Schwimmwesten – kostet halt etwas. Peter Aeschlimann, Burgdorf

red