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LeserreaktionenRentner sind auf Dividenden angewiesen

Meinungen von Leserinnen und Lesern zu aktuellen Themen.

Auszahlungen von Dividenden beschäftigen die Leserschaft. Hier die Aktionärsversammlung der ABB im Jahr 2015, als es noch keine Corona-Krise gab.
Auszahlungen von Dividenden beschäftigen die Leserschaft. Hier die Aktionärsversammlung der ABB im Jahr 2015, als es noch keine Corona-Krise gab.
Foto: Keystone

Zu: «Machtkampf um ein Dividendenverbot»

Keine geldgierigen Kapitalisten

Es dürfte unbestritten sein, dass Dividenden Entschädigungen für Risikokapital sind. Läuft das Geschäft gut, gibt es Dividenden. Geht es schlecht, kann dies zu einem teilweisen oder gar zum Totalverlust führen. In den Augen von vielen sind Dividendenbezüger Kapitalisten, die sich an der Allgemeinheit bereichern. Die Wirklichkeit sieht wesentlich anders aus: Pensionskassen, der AHV-Fonds, wohltätige Stiftungen und selbst die Nationalbank können wohl kaum als geldgierige Kapitalisten bezeichnet werden. Zudem haben Abertausende von Rentnern mindestens einen Teil ihrer Kapitalbezüge in Aktien angelegt und sind auf Dividendenerträge angewiesen. Eine vernünftige Alternative gibt es wegen der Obligationenzinsen von nahezu null nicht. Damit die überschuldeten Staaten weiterhin ihre Schulden bedienen können, sind die Nationalbanken gezwungen, die Zinsen künstlich tief zu halten. Eine Änderung dieser Praxis kann in Anbetracht der Corona-Defizite nicht erwartet werden. In der bisherigen Diskussion wurde nie hinterfragt, wer eigentlich die Dividendenbezüger sind. Nämlich wir alle, direkt oder indirekt.

Viktor Näf, Melchnau

«Zudem haben Abertausende von Rentnern mindestens einen Teil ihrer Kapitalbezüge in Aktien angelegt und sind auf Dividendenerträge angewiesen.»

Viktof Näf, Melchnau

Da war Corona noch nicht im Spiel

In letzter Zeit werden die Löhne, Boni und Dividenden angegriffen. Hier gilt es zu unterscheiden: Um welches Geschäftsjahr handelt es sich, und um was für eine Unternehmung geht es? Um ein privates oder um ein halb- oder ganz staatliches Unternehmen? Die Dividenden, die reklamiert werden, betreffen das Geschäftsjahr 2019. Hier ist es richtig, wenn die Löhne, Boni und Dividenden ausbezahlt werden. Da war Corona noch nicht im Spiel. Für die Zahlungen für das Geschäftsjahr 2020 ist es richtig, wenn diese nur ausbezahlt werden können, wenn allfällig bezogene Überbrückungskredite wieder zurückbezahlt werden. Nun zu den einzelnen Protagonisten: Nick Hayek leitet eine private Unternehmung. Hier haben derStaat und Privatpersonen nichts zu sagen, solange keine Unregelmässigkeiten auftauchen. Oder sind die Reklamierer bereit, eventuelle Defizite mitzutragen? Die BKW hingegen gehört mehrheitlich dem Kanton Bern. Hier muss das Parlament eingreifen.

Lucien Burri, Kappelen

Zu: «Herzogenbuchsee: Der ‹Schandfleck› ist verschwunden»

Einen anderen Nachruf verdient

Der Kernaussage, beim Stöckli an der Bernstrasse 32 habe es sich um ein einsturzgefährdetes Haus gehandelt, kann ich nicht zustimmen. Einmal mehr wurde ein wertvolles Bauwerk entsorgt und im Anschluss durch diesen Zeitungsbericht entwürdigt. Das massive Erdgeschoss bestand aus einem sorgfältig aufgemauerten Sandsteinmauerwerk. Für den Ständerbau darüber wurden mächtige Eichenbalken verbaut. Beides war in tadellosem Zustand und erfüllte nach wie vor ihren statischen Zweck. Dasvermutlich sekundär eingebaute Fachwerk mit Steinausfachungen und die Dachstuhlkonstruktion waren ebenso wenig einsturzgefährdet. Und dies nach jahrzehntelangem Leerstand ohne Unterhalt. Diese Bauqualität des Kernbaus wird in der Überbauung vergeblich zu suchen sein. Das Stöckli verdiente einen anderen Nachruf. Für mich stellt sich die Frage, inwiefern ausgewiesenen Fachleuten Vertrauen entgegengebracht werden kann, wenn ein Gebäude nur laienhaft aufgrund seiner äusseren Erscheinung beurteilt wird.

Leta Büchi, Herzogenbuchsee