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Warum die Handballer nicht trainierenWer pausiert, profitiert

Obwohl sie wieder Übungseinheiten durchführen dürften, befinden sich die meisten Clubs unverändert im Corona-Modus. Teils könnten sie sich die Rückkehr in den Alltag schlicht nicht leisten.

Auszeit: Reto Friedli und die meisten andern Schweizer Spitzenhandballer trainieren bis auf weiteres nicht in der Halle.
Auszeit: Reto Friedli und die meisten andern Schweizer Spitzenhandballer trainieren bis auf weiteres nicht in der Halle.
Foto: Christian Pfander

Es war der Tag, auf den sie gewartet hatten. Am 11. Mai durften etliche Sportler hierzulande das Training aufnehmen, das tun, was Corona vorübergehend verunmöglicht hatte. Auch die Handballer könnten wieder aktiv werden. Aber zumindest das Gros davon verzichtet. Nicht zuletzt aus finanziellen Überlegungen.

Clubs, welche Übungseinheiten veranstalten, drohen den Anspruch auf Kurzarbeit zu verlieren. Und viele können oder wollen das nicht riskieren. Die Spieler bleiben bis auf weiteres im «Homeoffice», haben sich individuell fitzuhalten.

Die meisten Nationalliga-A-Vereine trainieren nach aktuellem Stand erst im Juli wieder. Die Auszeit – sie würde demnach vier Monate betragen. Wackers Vizecaptain Reto Friedli (31), der Feldspieler mit den meisten Einsätzen in der höchsten Klasse, sagt, so lange sei er der Halle zuletzt vor zwanzig Jahren ferngeblieben.

BSV nimmt Kredit auf

Die Thuner pausieren genauso wie der BSV Bern. Vertreter beider Clubs erzählen, sie hätten vernünftig gewirtschaftet, die finanzielle Lage des Vereins sei grundsätzlich stabil. Aber sie befürchten Mindererträge in der bevorstehenden Saison; in Schwierigkeiten geratene Sponsoren könnten ihr Engagement nicht verlängern, Zuschauer ausbleiben. Achim Dähler, Geschäftsführer beim BSV, sagt: «Wir befinden uns in einer komplizierten Situation, sehr vieles ist ungewiss.» Wegen der fehlenden Einnahmen ab März haben die Stadtberner einen Covid-19-Kredit aufgenommen, um die Liquidität zu gewährleisten.

Auf die Rückkehr in den ordentlichen Trainingsbetrieb wird auch deswegen verzichtet, weil für eine seriöse Vorbereitung in jedem Fall genügend Zeit bleiben wird. Die Meisterschaft beginnt nicht vor September. Exponenten der Berner Vereine verweisen überdies darauf, dass in der Vollkontaktsportart Handball nach der langen Pause ein dosierter Wiedereinstieg nötig sei.

Wer auf Kurzarbeit ist, kriegt 80 Prozent des eigentlichen Gehalts. Den Lohneinbussen hätten er und seine Teamkollegen auf der Stelle und aus Überzeugung zugestimmt, sagt Wacker-Kreisläufer Friedli, «wir wollen schliesslich das Beste für den Club».

Die Einnahmen im Handball sind grossteils niedrig, sie dienen etwa dazu, die Wohnungsmiete zu bezahlen. Insofern sei es auf Dauer unter Umständen unangenehm, auf einen nicht unwesentlichen Teil des Salärs zu verzichten, erzählt Friedli, ein gelernter Kaufmann, der sein Studium bald abschliessen wird. «Ich glaube aber nicht, dass jemand in ernsthafte finanzielle Nöte gerät.»