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Meine FreiheitWenn die Freiheit neu abgesteckt wird

Nichts ist so selbstverständlich wie unsere Freiheit. Krankheiten wie Influenza und Tuberkulose lösten schon in der Vergangenheit Debatten über den Begriff aus.

Eine Leserin hat dieses Zeitdokument aus der Zeit des Abstimmungskampfs von 1949 gefunden.
Eine Leserin hat dieses Zeitdokument aus der Zeit des Abstimmungskampfs von 1949 gefunden.
Foto: Regina Suter

«Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten», sagte der französische Philosoph Albert Camus an einer Ansprache im Jahr 1953.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat die Freiheit der Menschen neu abgesteckt. Läden und Restaurants waren geschlossen, Termine für Theater- und Konzertbesuche stehen keine mehr auf der Agenda. Unsere Pflicht war: Hände waschen und zu Hause bleiben.

Kranke sollen «geselligen Anlässen» fernbleiben

Leserinnen und Leser haben uns in den letzten Wochen davon berichtet, wie die Corona-Krise ihren Alltag verändert hat. Jakob und Erika Rentsch aus Utzenstorf haben beim Aufräumen eineAusgabe des Anzeigers vom 8. März 1924 gefunden. Darin werden Massnahmen während der Influenza-Epidemie besprochen. Sie schreiben dazu: «Seither hat sich nicht viel verändert. Wir kämpfen immer noch mit den gleichen Problemen.»

Auf der Titelseite findet sich dort eine Mitteilung der kantonalen Sanitätsdirektion. Es sei unbedingt nötig, eine Ausbreitung derEpidemie zu verhindern. Und die beste Lösung dafür sei «die möglichste Verhütung der Infektion».

Der Anzeiger aus dem Jahr 1924 beschäftig sich mit ähnlichen Massnahmen, aber mit einer anderen Krankheit.
Der Anzeiger aus dem Jahr 1924 beschäftig sich mit ähnlichen Massnahmen, aber mit einer anderen Krankheit.
Scan: Erika und Jakob Rentsch

Damals sahen die Gesundheitsbehörden davon ab, ein Versammlungsverbot einzuführen. Doch sie rieten, dass die Gefahr der Übertragung bei Menschenansammlungen am grössten sei. Kinder mit Husten sollten nicht mehr in die Schule geschickt werden, hustende Erwachsene sollten allen Versammlungen fernbleiben. «Das ist eine Disziplin, die wir von unserem Publikum verlangen dürfen.»

Das Tuberkulose-Gesetz

Die Leserin Regina Suter aus Münchringen hatte in den letzten Wochen ebenfalls Zeit zum Ausmisten. Dabei stiess sie in einer Kiste mit alten Postkarten auf ein Schreiben aus dem Jahr 1949. Darin sind Punkte aufgelistet, welche für eine Annahme des Tuberkulosegesetzes sprechen. Zuvor starben Jahr für Jahr Tausende Menschen an der Krankheit, die hauptsächlich die Lunge angreift.

Nach einem heftigen Abstimmungskampf hat das Schweizervolk das Ergänzungsgesetz jedoch verworfen. Die Vorlage sah in erster Linie die periodische Untersuchung der Bevölkerung auf der Basis der damals modernen Schirmbildtechnik vor. In dem Schreiben finden sich Gedanken, die auch in die Zeit von Corona passen würden: «Kann man eine Beeinträchtigung der persönlichen Freiheit aber darin erblicken, dass der unschuldig Erkrankte verhalten wird, sich behandeln zu lassen?»

Auch Regina Suter findet, dass eine gewisse Ähnlichkeit zur heutigen Situation besteht. Könne man solche Krankheiten eindämmen und sogar ausrotten, müsse man doch alles Mögliche unternehmen. Deshalb versteht die Leserin auch nicht, weshalb jetzt einige schon gegen eine Impfung auf die Strasse gehen. Dabei ist ein Impfstoff gegen Covid-19 noch gar nicht in Griffnähe.

Aufruf: Meine Freiheit

Was machen Sie sich für Gedanken rund um die Freiheit in dieser Zeit? Wo haben Sie die Freiheit während des Lockdowns gefunden? Was bedeutet Ihnen die Freiheit? Schreiben Sie uns Ihre Gedanken in einer Mail an: redaktion@bernerzeitung.ch oder melden Sie sich auf dem Postweg an: BZ Berner Zeitung, «Forum», Dammweg 9, 3001 Bern. Vergessen Sie nicht Ihren Namen, Ihren Vornamen, Ihre Adresse und den Vermerk «Freiheit» anzugeben.