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Auf dem Weg zum ProfiWenn das wichtige Jahr unwichtig wird

2020 hätte für Dominic Stricker (17) eine Schlüsselsaison werden sollen. Nun finden aufgrund des Coronavirus bis mindestens zum 12. Juli keine Tennisturniere mehr statt. Was bedeutet dies für das Berner Ausnahmetalent?

Dominic Stricker verliert sein Ziel trotz Corona-Pause nicht aus den Augen.
Dominic Stricker verliert sein Ziel trotz Corona-Pause nicht aus den Augen.
Bild: Jürgen Hasenkopf (Freshfocus)

2020 hätte das bislang wichtigste Jahr in der Karriere von Dominic Stricker werden sollen. Das Berner Tennistalent wollte die vier Junioren-Grand-Slams bestreiten, wo es zum erweiterten Favoritenkreis gezählt hätte. Der 17-Jährige wollte erste Turniere auf der Tour der Erwachsenen absolvieren, Punkte sammeln und damit seinem Traum – ein ATP-Profi zu werden – einen Schritt näherkommen.

Doch das Coronavirus macht auch Stricker einen Strich durch die Rechnung. Seit Anfang März und bis mindestens zum 12. Juli steht die Tenniswelt still. Und damit auch Strickers Entwicklung.

Dabei wäre dem Grosshöchstetter der Start in die Schlüsselsaison geglückt: Viertelfinal beim Australian Open, Runde zwei an einem ITF-Turnier in Deutschland. Dank guten Resultaten hat er sich in den Klassementen verbessert; Stricker ist die Nummer 14 in der Schweiz, im internationalen Juniorenranking belegt er Platz 10.

Trotz Ferien gönnt er sich keine Erholung

Nun wurde aber das Turnier in Wimbledon abgesagt, das French Open in den Herbst verschoben, auch die Durchführung des US Open ist alles andere als sicher. Stricker hofft – und bleibt den Umständen entsprechend gelassen. Er sagt, dass es schade sei, die Pause für ihn persönlich zu einem «blöden» Zeitpunkt komme.

Er sagt aber auch, dass es für alle gleich sei und er immerhin letztes Jahr an jedem Grand Slam habe teilnehmen dürfen. In Paris erreichte er damals den Final im Doppel, in New York schaffte er im Einzel den Einzug in den Viertelfinal. Die Krönung aber, der Sieg an einem Junioren-Grand-Slam, blieb ihm bislang verwehrt. Und es ist gut möglich, dass dies so bleiben wird – denn nach dieser Saison darf er nicht mehr bei den Junioren antreten. «Aber was soll ich machen? Ich schaue nach vorne und fokussiere das nächste Ziel.» Und dieses lautet: bei den Erwachsenen Fuss fassen.

Ein anderes, mittelfristiges Ziel Strickers ist der Abschluss des Sport-KV. Zurzeit hat er drei Wochen Ferien. Doch Erholung gönnt sich der Grosshöchstetter nicht. Bereits vor dem Frühstück geht er eine Runde joggen, später springt er aufs Velo oder schlüpft in die Inline Skates. Nach dem Mittagessen liegt der Fokus der Einheiten dann auf Kraft und Beweglichkeit. Ein paar Bälle schlagen auf dem Tennisplatz? Unmöglich. Bis auf Weiteres sind alle Anlagen geschlossen.

Die Zeit mit der Familie geniessen

Immerhin: Finanziell hinterlässt die spielfreie Zeit bei Stricker keinen Schaden. Bei den Juniorenturnieren gäbe es ohnehin kein Preisgeld. Zudem bat er Anfang Jahr auf der Plattform «I believe in you» um Unterstützung und sammelte einen tiefen fünfstelligen Betrag. Das Geld war für Trainingskosten und Turniere eingeplant – er hebt es sich nun für später auf. «Irgendwann werde ich das Geld dann für das Tennis einsetzen können.»

Stricker denkt stets positiv, ist ein Optimist – und ein Familienmensch. Er erzählt, wie er die Zeit zu Hause geniesst. «Wir spielen Gesellschaftsspiele, schauen Filme, gehen angeln – solche Dinge habe ich vermisst.» Der Grosshöchstetter lebt sonst im Leistungszentrum von Swiss Tennis in Biel, das aufgrund der aktuellen Situation geschlossen bleibt. An den Wochenenden nimmt er normalerweise an einem nationalen oder internationalen Turnier teil, fernab der Familie. «Das Leben hier in Grosshöchstetten ist ein komplett anderes», sagt Stricker. «Es ist auch schön. Aber ich kann es kaum erwarten, bald wieder auf dem Tennisplatz zu stehen.»