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Bevölkerungsentwicklung der SchweizWelche Kantone bis 2050 am stärksten wachsen – und welche schrumpfen

Bald ist die 10-Millionen-Schweiz Tatsache. Aber die Menschen werden sich sehr unterschiedlich auf das Land verteilen, wie eine neue Auswertung zeigt.

In Zukunft wird es in der Schweiz noch enger: Dichtes Gedränge in der Zürcher Bahnhofstrasse.
In Zukunft wird es in der Schweiz noch enger: Dichtes Gedränge in der Zürcher Bahnhofstrasse.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Knapp 8,7 Millionen Menschen leben heute in der Schweiz. In 30 Jahren werden es fast 10,5 Millionen sein, also über 20 Prozent mehr. Das zeigt eine neue Auswertung des Bundesamtes für Statistik (BFS) zur Entwicklung der Bevölkerung. Bei der genannten Zahl handelt es sich um das Referenzszenario. Das BFS hat auch noch ein tiefes und ein hohes Szenario berechnet. Gemäss Letzterem würden im Jahr 2050 sogar 11,4 Millionen hier leben.

Das hohe Szenario rechnet mit einem überdurchschnittlichen Wanderungssaldo und einem Geburtenüberschuss. Beim tiefen Szenario wird von einer negativen Entwicklung bei diesen Faktoren ausgegangen. Am wahrscheinlichsten tritt das Referenzszenario ein, weil es auf der Fortsetzung der Entwicklungen der letzten Jahre beruht.

Diesem zufolge wird die ständige Wohnbevölkerung bis 2030 auf 9,4 Millionen wachsen (9 Prozent mehr als heute), bis 2040 auf 10 Millionen (6 Prozent mehr als 2030) und bis 2050 auf 10,4 Millionen (4 Prozent mehr als 2040). Das Wachstum schwächt sich also ab, da einerseits der Geburtenüberschuss immer geringer ausfällt und andererseits der Wanderungssaldo nach anfänglicher Zunahme ebenfalls deutlich zurückgeht.

Sicher ist laut dem BFS, dass die Bevölkerung der Schweiz in den nächsten 30 Jahren hauptsächlich infolge der Zuwanderung wachsen wird. Nicht überall ist diese allerdings gleich starkzwischen den Kantonen gibt es grosse Unterschiede. So wird die internationale Zuwanderung in Genf, Zug und der Waadt viel höher ausfallen als beispielsweise in den beiden Appenzell. Und auch interkantonale Wanderungen beeinflussen die Entwicklung.

Aus diesem Grund fällt das Wachstum in den Kantonen bis 2050 höchst unterschiedlich aus. Die Bevölkerung von Zürich, Aargau, Zug, Schaffhausen und St. Gallen sowie Genf und Waadt nimmt um mehr als 25 Prozent zu. Das Jura, Glarus und vor allem Neuenburg wachsen hingegen nur wenig. In den Kantonen Graubünden und Tessin wird die Bevölkerung sogar schrumpfen.

Die Menschen werden sich zunehmend auf das Einzugsgebiet der grossen Agglomerationen Zürich und Genf konzentrieren. Dort und in anderen städtischen Kantonen altert die Bevölkerung weniger rasch, da viele Junge zu- und Ältere abwandern. Dies führt zu einer gewissen Erneuerung der Generationen, von der auch angrenzende Kantone wie der Aargau, Schaffhausen und St. Gallen profitieren.

In ländlichen Gebieten, wo die Zuwanderung schwächer und die Geburtenhäufigkeit tiefer sind, passiert genau das Gegenteil. Im Tessin und in Graubünden altert die Bevölkerung zwischen 2020 und 2050 deshalb am stärksten.

Allgemein schreitet die Alterung der Schweiz voran und beschleunigt sich. Das Medianalter wird von aktuell 42,7 auf 45,9 steigen. Während der Anteil der unter 15-Jährigen an der Gesamtbevölkerung leicht abnimmt, steigt derjenige der über 65-Jährigen und Älteren stark an. In 30 Jahren wird es doppelt so viele Seniorinnen und Senioren über 80 Jahre geben wie heute.

Mit einer positiven Entwicklung rechnet das BFS bei der Bildung, unabhängig vom Wachstum. Der Anteil der Personen mit Tertiärabschluss (höhere Berufsbildung und Hochschulen) wird von aktuell 44 Prozent auf über 55 Prozent steigen. Das Qualifikationsniveau der Bevölkerung wird sich also stark verbessern.

Zudem werden Frauen in zehn Jahren höher qualifiziert sein als Männer. Schon heute schneiden sie in der Schule besser ab und erwerben häufiger Bildungsabschlüsse. Gemäss den Berechnungen wird der Anteil Frauen mit Tertiärabschluss in rund zehn Jahren mit jenem der Männer gleichziehen und ihn anschliessend übertreffen.

Das BFS hat die Szenarien zur Bevölkerungsentwicklung bis 2050 vor der Corona-Pandemie erstellt und berechnet. Die Auswirkungen von Covid-19 auf die zukünftige Entwicklung der Bevölkerung der Schweiz sind laut der Behörde derzeit noch schwer abzuschätzen.

157 Kommentare
    M. Sutter

    Wer in der Schweiz von Dichtestress redet, war wohl noch nie in grossen Städten im Ausland. Ich sehe es am besten an Freunden, die uns aus solchen Städten besuchen und immer das Gefühl haben, bei uns sei dauernd Sonntag. Dichtestress gibt es nur an einigen neuralgischen Orten wie Bahnhöfen, wo sich notgedrungen viele Leute befinden oder an Weihnachts-Verkaufstagen. Am Abend hat es selbst in den Städten kaum Menschen auf der Strasse, ein bisschen mehr Leben könnte wirklich nicht schaden. Das Gefühl von Dichtestress, sofern vorhanden, ist zudem weitaus mehr der hohen Mobilität von uns allen zuzuschreiben als der Anzahl Menschen. Früher gab es in jeder dritten Familie ein Auto, heute hat es in jeder Familie bald einmal drei. Das hat logischerweise Folgen.