Verkehrsberufe im Wandel

Übersicht

Die beschleunigten Entwicklungen in der Berufs- und Arbeitswelt verändern die Kerntätigkeiten und -kompetenzen im öffentlichen Verkehr rasant. Ganze Berufsbilder stehen vor tiefgreifenden Veränderun­gen, und der Fach­kräfte-mangel stellt die Branche vor grosse Heraus­forderungen.

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(Bild: Adobe Stock)

Rund 60 000 Personen arbeiten heute in den unterschiedlichsten Berufen und Funktionen im öffentlichen Verkehr (ÖV). Die Tätigkeiten verändern sich mit der zunehmenden Digitalisierung. Aber der ÖV bleibt ein Wirtschaftszweig, der Erwerbstätigen gute Arbeitsmöglichkeiten bietet. «Aufgrund der demografischen Entwicklung und der aktuellen Altersstruktur der Transportunternehmen werden in den kommenden Jahren viele Mitarbeitende pensioniert», erklärt Roger Baumann, Kommunikations­verantwortlicher des Verbandes öffentlicher Verkehr. «Zudem steigt mit dem Ausbau von Angeboten im Fern- oder im Regionalverkehr grundsätzlich der Bedarf an Personal im Fahrdienst und in der Kunden­begleitung und -betreuung.»

Herausforderung Digitalisierung

Berufe im öffentlichen Verkehr – da denkt man zuerst an Lokführer, Bus- und Tramchauffeure. Doch nur rund 50 Prozent des Personals im ÖV arbeiten im Fahrdienst. Auch Logistiker, Netzelektrikerinnen, Gleisbauer, Detailhandelsfachleute ÖV, Kaufleute ÖV und Fachleute ÖV finden eine Beschäftigung. Zudem braucht es Personen mit akademischen Abschlüssen in Management, Ingenieurwissenschaften, Eisenbahntechnik, Mobilitätsentwicklung und Tourismus. «Der Erfolg des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz beruht auf dem Zusammenspiel aller ÖV-Transport­unternehmen auf Schiene und Strasse, die über die ganze Transportkette hinweg gute Anschlüsse und einen guten Service bieten», so Baumann. «Die Digitalisierung verändert die Planung und Organisation des Betriebs und die Information und Beratung der Fahrgäste. Für die Mitarbeitenden bedeutet dies, sich im Berufsalltag mit sich ständig ändernden digitalen Instrumenten auseinandersetzen zu müssen.» Die Zunahme der Automation geschieht schrittweise. Die Vision von autonom fahrenden Fahrzeugen ist nicht utopisch, aber auch dann wird es qualifiziertes Personal brauchen, das auf Zügen oder in Bahnhöfen und an Haltestellen für Beratung und Sicherheit der Fahrgäste sorgt und im Störungs- oder im Notfall kompetent agieren kann. «Die Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs wie Gleise und Fahrleitungen wird auch in Zukunft physisch vorhanden sein. Berufe wie Netzelektriker Schwerpunkt Fahrleitungen oder Gleisbauer werden für Bau und Unterhalt der Infrastruktur gebraucht werden. Mechanisierung und Digitalisierung der Arbeitsmittel werden voranschreiten. Die Arbeitsweise wird Flexibilität verlangen und sich noch stärker an Prozessen orientieren. Der Einsatz von Muskelkraft wird abnehmen, der Einsatz von Maschinen und IT wird zunehmen», führt Baumann aus.

Branche mit wachsendem Frauenanteil

Im früher männerdominierten Berufsfeld öffentlicher Verkehr holen die Frauen auf. Längst sind sie an Führerständen keine Seltenheit mehr. Reto Schärli von der SBB erklärt: «Die SBB stellt bei den Bahnberufen Lokpersonal, Zugverkehrsleitende und Zugpersonal eine leicht steigende Tendenz fest.» Baumann vermutet: «Der Frauenanteil dürfte eher steigen, da ein Nachholbedarf besteht.» Bei der SBB bestehen keine direkten Massnahmen zur Frauenförderung. Man kommuniziert aber SBB-Berufe explizit der Zielgruppe Frauen. Der stufenweise Quereinstieg zur Kundenbegleiterin ist beispielsweise eine attraktive Möglichkeit der Teilzeitarbeit für Familienfrauen. Weiter führt Schärli aus: «Bei der SBB gibt es generell spezielle Gefässe, die Frauen gezielt bei der Vernetzung und der Laufbahnplanung unterstützen. Beispiele dafür sind Veranstaltungen, in denen Frauen aus dem Topkader über ihre persönliche Laufbahngestaltung berichten, das Mentoringprogramm für Frauen oder auch das Kaderfrauen-Netzwerk. Zudem fördert die SBB geschlechterunabhängig die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben sowie die Teilzeitarbeit.»

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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