Digitale Senioren

Kommunikationskurse

Der Alltag von Herr und Frau Schweizer wird immer digitaler. Auch bei älteren Semestern. Die Nachfrage nach Kursen in diesem Bereich ist laut Pro Senectute seit Jahren hoch.

Bei den Kursen von Pro Senectute steht im digitalen Bereich der praktische Nutzen im Vordergrund.

Bei den Kursen von Pro Senectute steht im digitalen Bereich der praktische Nutzen im Vordergrund.

(Bild: ZVG)

«Entschuldigung, können Sie mir sagen, wo ich die Predigergasse finde», frage ich die ältere Dame vor dem Bahnhofsgebäude. Sie sei nicht aus der Stadt und kenne sich kaum aus, bedauert sie. Bestimmt könne aber ihr Handy aushelfen. Die Seniorin gräbt ihr Gerät aus der Handtasche, noch bevor ich selbst überhaupt auf die Idee gekommen wäre, meines zu zücken. Und siehe da, nur wenige Sekunden später ist das Rätsel gelöst und die Frau verabschiedet sich. Wer weiss, vielleicht muss sie auf den Zug, zu einem Treffen mit Freundinnen. Verabredet über Whatsapp. Das Billett bereits mit dem Smartphone gekauft. Diese Begegnung hat zwar nie stattgefunden, könnte sich aber jederzeit so oder ähnlich zutragen. Immer mehr Seniorinnen und Senioren sind nämlich bestens mit der digitalen Welt vertraut, sind täglich online.

Inhalte verändern sich laufend

Ein grosses Interesse von Senioren an digitalen Themen belegt beispielsweise das Kursangebot von Pro Senectute. Rund 9000 Kurse für den Umgang mit Tablets, Computern und anderen Geräten organisiert die Organisation pro Jahr in der Schweiz. «Die Nachfrage bleibt seit gut fünf Jahren konstant hoch», erklärt Peter Burri Follath, Kommunikationsverantwortlicher bei Pro Senectute Schweiz. Vor allem Kurse, bei denen Anwendungen geübt werden, seien ein Renner. Darüber hinaus stehen auch laufend Treffen auf dem Programm, beispielsweise im Rahmen von Vorträgen oder sogenannten «Computerias». Dabei beantworten Freiwillige älteren Personen Fragen rund um Computer, Tablets und Handy und geben praktische Nutzungsanleitungen. «Normalerweise bleibt bei diesen Treffen aber auch noch etwas Zeit für einen Kaffee», betont Burri.

Die Kursinhalte von Pro Senectute sind nicht in Stein gemeisselt, sie werden laufend angepasst. «Noch vor einigen Jahren ging es darum, Geräte und Programme zu verstehen. Heute steht der praktische Nutzen der Anwendungen im Alltag, wie zum Beispiel das Kaufen von Online-Tickets, der Gebrauch von Whatsapp oder das Erstellen von Foto­büchern, im Vordergrund.» Die Einstellung gegenüber der digitalen Kommunikation habe sich in den letzten Jahren eher positiv verändert, nimmt Burri eine Einschätzung vor. «Das Bewusstsein, damit umgehen zu müssen, ist allgegenwärtig.» Allerdings gehe jeder anders damit um. Manche würden sich bis ins hohe Alter offen und neugierig zeigen, während andere den Entwicklungen, teils auch im jüngeren Seniorenalter, mit Ablehnung gegenüberstünden.

Whatsapp sehr beliebt

Um die Ansprüche der Senioren besser einordnen zu können, wird Pro Senectute heuer zum dritten Mal gemeinsam mit der Universität Zürich die nationale Studie «Digitale Senioren» durchführen. «Wir werden dann über die letzten fünfzehn Jahre hinweg erforscht haben, wie sich der Umgang verändert hat. Und es ist einiges passiert. Das iPhone und auch die Tablets haben das Nutzungsverhalten revolutioniert.» Die Daten der letzten Studie aus dem Jahr 2015 haben gezeigt, dass bereits damals mehr als die Hälfte der Senioren regelmässig online war. Zwischen 2010 und 2015 ist ihr Anteil um fast 50 Prozent gestiegen. Inzwischen dürfte er nochmals deutlich höher liegen. Und viele von ihnen verfügen heute über ein eigenes Handy. Bei Pro Senectute geht man davon aus, dass über 80 Prozent der Personen im Pensionsalter eines besitzen. Wie die Senioren ihr Handy aber tatsächlich nutzen, sei unterschiedlich.

«Kommunikation ist zentral. Hier stellen wir fest, dass gerade Dienste wie Whatsapp sehr beliebt sind. Abfragen von Fahrplänen und Orientierungsmöglichkeiten über das Handy werden ebenfalls stark genutzt. E-Banking oder Einkäufe erfolgen hingegen, wenn überhaupt, eher daheim am Computer», zählt Burri auf. Ähnliche Resultate liefert eine aktuelle Erhebung des österreichischen Seniorenhandy-Produzenten Emporia, bei der ebenfalls Whatsapp und andere Messenger-Dienste als beliebte Anwendungen erwähnt werden. Weniger Beachtung finden laut Emporia hingegen andere Social-Media-Kanäle wie Facebook oder Instagram. Auffallend: Jede vierte befragte Seniorin vertreibt sich ihre Zeit mit Spielen auf dem Smartphone. App-Angebote für Rätsel, Sudokus, Quiz oder Brettspiele kommen beim weiblichen Geschlecht gut an. Männer dagegen nutzen lieber Apps von Online-Medien, um sich auf dem Laufenden zu halten.

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch/topics/kommunikation-medien

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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