Die Rockstars von heute

Digital Influencer

Gratis um die Welt jetten, ein paar Fotos hochladen und dabei erst noch Geld verdienen: Influencerin oder Influencer zu sein, klingt nach einem Traumjob. Kann es auch sein - aber wie so oft, geht der ultimative Traum nur für einige Wenige in Erfüllung.

10'106 Likes erhielt Influencerin kitkat_ch für diese bunte Inszenierung. Schauplatz: Kusadasi, Türkei.

10'106 Likes erhielt Influencerin kitkat_ch für diese bunte Inszenierung. Schauplatz: Kusadasi, Türkei.

(Bild: Burak Piri Araz)

Ihre Bilder und Videos zeigen die Aurora borealis, aufwändige Mosaike an Moscheedecken, einsame Passstrassen, bunte Luftballons vor einem Himmel, an dem die Sonne golden zu sinken beginnt. Sie schauen verträumt in die Ferne, vergraben ihre nackten Füsse im Sand und baden in Pools vor atemberaubenden Panoramen. Influencerinnen und Influencer sind so etwas wie die Rockstars des 21. Jahrhunderts. Man schenkt ihnen Aufmerksamkeit, weil man ihre Posts auf Instagram, Youtube, Snapchat und Co. bewundert; der Lebensstil, den sie vermitteln, weckt Sehnsüchte nach fernen Ländern, Freiheit, Abenteuern, Schönheit. Und das so vermittelte Lebensgefühl zieht – für viele junge Menschen ist Influencerin oder Influencer ein Traumberuf. Die digitalen Ikonen machen sich ein schönes Leben und verdienen auch noch Geld damit, während sie nebenbei mit Goodies überhäuft werden: Ferienreisen und Hotelaufenthalte, Fitnessabos und Beautyprodukte. Doch wie fast immer ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. Vor allem aus zwei Gründen: Erstens ist das, was am Schluss auf dem Instagram-Feed oder Youtube-Homescreen aufpoppt nur das Endprodukt – eines Arbeitstags, der bei erfolgreichen Influencern gut und gerne zehn Stunden dauert. Und zwar regelmässig.Zweitens schafft es nur ein winziger Bruchteil all derer, die es versuchen, auch wirklich an die Spitze. Nur, wer viele Follower hat, weckt das Interesse der Firmen, die bereit sind, in Influencer-Marketing zu investieren. Ohne letzteres kann man mit seinen Beiträgen in den sozialen Medien kein Geld verdienen.

Erste Ausbildung auf dem Markt

Die Informationsplattform berufsberatung.ch hat den Beruf «Digital Influencer/-in» zwar als Karrieremöglichkeit mit Berufsporträt in ihrem Repertoire gelistet, liefert aber auch gleich eine Warnung mit: «Dies ist keine Berufstätigkeit, welche einen regulären Ausbildungsweg ersetzt», heisst es dort. Und weiter: «Die wenigen Digital Influencer, welche durch diese Tätigkeit regelmässig Geld (...) verdienen, haben sich auch in der analogen Welt (...) einen hohen Bekanntheitsstatus erarbeitet.» Inzwischen hat auch ein Bildungsanbieter das Geschäft um Likes und Follower gewittert. Die Swiss Influencer Academy hat letzten Herbst einen ersten Lehrgang für Influencer in spe gestartet. Für 5000 Franken wird einem dort in 400 Lektionen (absolvierbar in einem halben bis einem ganzen Jahr) unter anderem beigebracht, wie man textet, fotografiert und filmt – und wie man das Ganze dann auch effektiv vermarktet.

Erste Influencer-Preisverleihung

Eine, die es auch ohne diesen Lehrgang weit nach vorne gebracht hat, ist die Bündnerin Martina Bisaz. Sie hat den diesen Juni zum ersten Mal verliehenen Swiss Influencer Award in der Kategorie «Travel» gewonnen. Und zwar in illustrer Gesellschaft, zu den übrigen Gewinnern zählten unter anderem Wendy Holdener, Luca Hänni und Bligg. kitkat_ch heisst Bisaz auf Instagram; gegenwärtig folgen ihr fast 270 000 Leute. Seit 2017 ist sie selbstständige Fotografin und eben Influencerin. Ihre Spezialität sind Bilder aus den Schweizer Bergen, aber sie verzückt ihre Follower auch mit Fotos von sich und ihren zwei Oldtimern vor Kulissen überall auf der Welt, zuletzt zum Beispiel aus dem Iran. Der Hype ums Influencer-Marketing dauert derweil an. Es gibt zahlreiche Agenturen, die sich eigens auf dieses Gebiet spezialisiert haben. Und laut einer weltweiten Studie des amerikanischen Marketingunternehmens Rakuten greifen Firmen für Social-Media-Kampagnen auch richtig tief in die Tasche: So sollen Top-Influencer mit mehr als 500 000 Followern bis zu 42 000 Franken für einen einzigen Post erhalten.

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch/topics/social-media

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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