Désirée möchte die Giselle tanzen

Balletttänzerin

Ein Samstag im Opernhaus Zürich. Mädchen und Jungen tanzen in der Gala-Vorstellung «Fussspuren». Die meisten Mitwirkenden wollen Berufs-Ballerinen oder klassische Bühnentänzer werden. Wie schafft man das?

Désirée Guler in einem Solo von «Der Korsar». Was so präzise und leicht wirkt, ist das Resultat von Talent, einer guten Ausbildung und viel, viel harter Arbeit.

Désirée Guler in einem Solo von «Der Korsar». Was so präzise und leicht wirkt, ist das Resultat von Talent, einer guten Ausbildung und viel, viel harter Arbeit.

(Bild: Bettina Stoess)

Das diesjährige Programm «Fussspuren» der Tanzakademie Zürich beginnt mit einem farbenfrohen Gruppenstück der Jüngsten. Die Buben sind in der Minderzahl, die meisten Mädchen dürfen erst auf Halbspitze tanzen. Weit fortgeschritten wirken dagegen die anschliessenden Soloauftritte, wo ältere Schülerinnen und Schüler die Variationen tanzen, mit denen sie im letzten Schuljahr bei Wettbewerben wie dem Prix de Lausanne bereits Lorbeeren geerntet haben.

Es folgen weitere Auftritte. Darunter ein rasantes Stück, in dem sich klassisch-akademisches Ballett mit zeitgenössischem Tanz (Contemporary Dance) verbindet: «How I know you» – mit viel Drive und wirbelnden Figuren. Einmal wirft sich eine Ballerina kopfvoran über die Bühne in die Arme eines Kollegen. Die Choreografie hat Leo Mujic eigens für die Tanzakademie Zürich kreiert.

Mit Ausstrahlung und Fleiss

Désirée Guler, mit Jahrgang 2001, tritt in dieser Vorstellung nicht weniger als dreimal auf. Sie besticht in einem Solo aus dem Klassikknüller «Der Korsar» durch viel Charme und Präzision. In «How I know you» stürzt sie sich furchtlos in die waghalsigen Gruppenabläufe. Nach der Pause können Désirée Guler und ihr japanischer Partner dann in «Angels of Beethoven» (Choreografie von Seh Yun Kim) beweisen, was sie zusammen mit anderen Paaren im Pas-de-deux-Unterricht alles gelernt haben. In allen drei Stücken trägt die junge Frau ihre Spitzenschuhe so selbstverständlich, als wären es gemütliche Filzpantoffeln.

Steffi Scherzer, die zusammen mit Oliver Matz die Tanzakademie Zürich leitet, nennt Désirée einen «Hingucker». Sie besitze nicht nur Ausstrahlung und Talent, sondern zeichne sich auch durch Fleiss und starken Willen aus. So habe sie gute Chancen auf eine erfolgreiche Karriere. Ein wenig Glück gehöre allerdings auch dazu. Scherzer selbst blickt auf eine erfüllte Laufbahn zurück: Sie und ihr (Ehe-)Partner Matz waren viele Jahre lang ein Ballettstarpaar an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Ab 2003 bauten sie die heutige Tanzakademie Zürich auf, die in der Zürcher Hochschule der Künste untergebracht ist.

Désirée Guler, die als Einzelkind in Oberhasli ZH aufgewachsen ist, hat schon früh gewusst, dass sie Ballerina werden will. Nach der Primarschule meldete sie sich für die Aufnahmeprüfung an der Tanzakademie Zürich an – und bestand. Auf ein Einführungsjahr folgte das dreijährige Grundstudium. Hier lag der Schwerpunkt noch klar auf klassischem Ballett und Spitzentanz. Daneben besuchte das Mädchen die Sekundarschule für Kunst und Sport, ein exklusives Angebot der Stadt Zürich. Der Stundenplan ist dort so ausgerichtet, dass er sich mit dem jeweiligen Training der Schülerinnen und Schüler verträgt.

Nach dem Grundstudium konnte Désirée ins dreijährige Hauptstudium wechseln. Zum klassischen Tanz kamen weitere Facetten wie Pas de deux hinzu – und zunehmend anspruchsvoller Unterricht in zeitgenössischem Tanz, Improvisation oder Body Conditioning. Gastdozierende unterrichten Fächer wie Tanz- und Musikgeschichte, Berufskunde und Anatomie.

Internationale Klasse

Einen halben Tag pro Woche besuchen die Jugendlichen auch die ­Allgemeine Berufsschule Zürich. Eine normale Klasse bilden sie hier allerdings nicht. Es wird bilingual unterrichtet, wie generell an der Tanzakademie. In der Klasse mit sieben Mädchen und elf Jungen stammen nur zwei aus der Schweiz: Désirée und der Waadtländer Lukas. Die anderen kommen aus dem Ausland.

Vortanzen für die Traumrolle

Inzwischen hat für Désirée das letzte Ausbildungsjahr begonnen. Am Ende wird sie das eidgenössisch anerkannte Fähigkeitszeugnis Bühnentänzerin EFZ mit Fachrichtung Klassischer Tanz erhalten. Doch schon jetzt muss sie sich um ein künftiges Engagement kümmern und zu Auditions in ganz Europa reisen. Die Reisekosten hat sie selbst zu tragen. Zum Glück errang sie vor kurzem einen Migros-Studienpreis von 14 400 Franken, der ihr über die Runden hilft. Lieblingsbereich von Désirée ist der klassisch-akademische Tanz geblieben. Ihre Traumziele: Stuttgarter Ballett, Wiener Staatsballett, Londoner Royal Ballett. Ihre Traumrolle? Die Giselle im gleichnamigen Ballett.

Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG

Weiterführende Informationen: www.bildung-schweiz.ch/topics/tanzen

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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