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Corona-Pressekonferenz am Freitag«Die Fallzahlen steigen stark an, das beunruhigt uns»

1487 neue Corona-Fälle meldet das BAG am Freitag. In Bern nahmen die Fachleute des Bundes Stellung. Wir berichteten live.

«Die Zahlen steigen stark, schnell und schweizweit»: Das sagte die neue BAG-Direktorin Anne Lévy am Freitag an einer Medienkonferenz.
Video: Keystone-SDA

Das Wichtigste in Kürze

  • 1487 neue Corona-Fälle meldet das BAG heute.
  • Anne Lévy, die neue Chefin im BAG, zeigt sich beunruhigt über den starken Anstieg der Zahlen.
  • Man habe genug Tests, sagt Lévy.
  • Das BAG hat neue Gebiete im Ausland auf die Risikoliste gesetzt. Darunter Berlin, Hamburg und Teile Italiens.

LIVE TICKER BEENDET

Zusammenfassung

Laut dem Bund gibt es in der Schweiz genügend Material, um Corona-Tests durchzuführen. «Wir haben auch auf Lager und sind am Verhandeln, um noch mehr Tests zu erhalten», sagte Anne Lévy, neue Chefin des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Sie habe in diesem Bereich keine Bedenken, sagte Lévy am Freitag vor den Medien. Im Gespräch sei der Bund auch mit inländischen Industriebetrieben, ob Testmaterial künftig auch in der Schweiz hergestellt werden könnte.

Lévy sagte weiter, dass das Referenzlabor in Genf derzeit Schnelltests evaluiere. «Wir werden schauen, wie und wo es Sinn macht, diese einzusetzen.» Festzuhalten sei aber, dass Schnelltests keine Selbsttests seien. Es brauche immer noch einen Nasen-Rachen-Abstrich von einer Gesundheitsfachperson. (Lesen Sie dazu: Schweiz setzt frühstens ab November auf Schnelltests)

Am Beginn einer zweiten Welle

Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im BAG, hielt fest, dass die Kantone die Lage derzeit noch im Griff hätten. Es sei aber auch klar, dass das Contact Tracing mit den steigenden Fallzahlen auch an seine Grenzen kommen werde.

Die Schweiz befinde sich am Beginn einer zweiten Welle. Sie könne nicht sagen, ab welchem Schwellenwert weitere Massnahmen notwendig würden. «Oberstes Ziel ist es, einen zweiten Lockdown zu verhindern.»

Betreffend Quarantänedauer sagten die BAG-Verantwortlichen, dass diese ständig überprüft würde. Aktuell sei keine Änderung angezeigt. Wer sich in Quarantäne begeben muss, muss das zehn Tage tun. Verschiedene Fachleute hatten sich in den vergangenen Wochen für eine Verkürzung der Quarantäne auf sieben Tage eingesetzt. (Lesen Sie dazu: Das BAG prüft neue Quarantäneregeln für Einreisende)

Für die Schweiz kommen zehn Impfstoffe in Frage

«Wir arbeiten intensiv daran, einen Impfstoff zu bekommen», sagte Nora Kronig, Leiterin Abteilung Internationales beim BAG.

Man habe schon im Frühling damit begonnen, sich um einen Impfstoff zu bemühen. Das Ziel der Schweiz sei es, dazu beizutragen, dass schnell ein Impfstoff entwickelt werde, auf den die Schweiz Zugriff habe und der gerecht global verteilt werde.

Die drei Expertinnen des BAG von links nach rechts: Virginie Masserey, Leiterin Infektionskontrolle, die Direktorin Anne Lévy und Nora Kronig, Leiterin Internationales. (9. Oktober 2020)
Die drei Expertinnen des BAG von links nach rechts: Virginie Masserey, Leiterin Infektionskontrolle, die Direktorin Anne Lévy und Nora Kronig, Leiterin Internationales. (9. Oktober 2020)
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Das BAG verfolge mehrere Strategien bei der Impfstoffbeschaffung, sagte Kronig: Erstens direkte Beschaffung beim Privatsektor, zweitens enger Kontakt mit der EU und den Nachbarstaaten und drittens ein starkes Engagement auf der mulitlateralen Ebene.

Derzeit kämen zehn Impfstoffe, die in der Entwicklung seien, für die Schweiz in Frage. So habe die Schweiz etwa mit dem Biotechunternehmen Moderna einen Vertrag unterzeichnet. Beim der internationalen Initiative Biotechunternehmen Covax habe man für 20 Prozent der Bevölkerung Impfstoff vorbestellt, sagte Kronig weiter. (Lesen Sie auch: So will Visp zur «Welthauptstadt» im Kampf gegen Covid-19 werden)

«Es wird keinen Impfzwang geben»

Laut Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG, sind auch Vorbereitungen getroffen worden, um abzuklären, wie der Impfstoff importiert und aufbewahrt werden könnte.

Dann gehe es schliesslich darum zu entscheiden, wer wann eine Impfung erhalte. Hier arbeite man eng mit den Kantonen zusammen. Es werde jedoch keinen Impfzwang geben. «Jeder und jede soll selbst entscheiden, ob er oder sie geimpft werden will.» Ein Impfszenario werde in den nächsten Monaten mit den Kantonen ausgearbeitet. (Lesen Sie auch unsere Analyse zur Angst vor der Impfpflicht)

Ende der Medienkonferenz

Lévy wird noch gefragt, ob sie quasi ins kalte Wasser geworfen worden sei. Sie sagt, dass es für uns alle schwierig sei, mit dem Virus umzugehen und auch mit der Pandemie zu leben. Sie habe ein ausgewiesenes Team von Fachleuten. Und sie fühle sich nicht ausgemergelt, sondern gehe frisch und ausgeruht an die Sache. «Das kann auch ein Vorteil sein.»

Danach ist die Medienkonferenz in Bern zu Ende. Danke, dass Sie beigewohnt haben.

Frage: Wieviele Personen gehen auch tatsächlich in die Quarantäne?

Lévy sagt dazu: «Es ist unmöglich zu schätzen, gerade bei Leuten, die mit dem Auto oder Zug einreisen. Die Kontrolle ist Aufgabe der Kantone.» Masserey untermauert diese Aussage ihrer Direktorin: «Das ist wirklich die Aufgabe der Kantone.»

Frage: Gibt es schon Verhandlungen mit Herstellern von Antikörpertherapien?

Kronig antwortet, dass man bei Molecular Partners eine Therapie reserviert habe, die etwa auf der Intensivstation eingesetzt werden könne. Es sei eine Art Passive Immunisierung. Aber bisher sei es einfach eine Reservierung.

Frage: Wie sieht es mit dem Contact-Tracing aus?

Lévy eklärt: «Wir sind bereit. Wir haben die Daten regelmässig von vier Kantonen. Aber: Man muss die Erwartung etwas dämpfen.» Die Datenbank sei wichtig, aber rund zwei Drittel der kontaktierten Leute wüssten nicht, wo sie sich angesteckt haben.

Frage: Wie kann man verhindern, dass Leute die Quarantäne umgehen?

Masserey sagt dazu, dass man nicht alle kontrollieren könne, die aus dem Ausland anreisen. Es gebe aber ein Gesetz, Stichproben und relativ empfindliche Bussen.

Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle des BAG.
Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle des BAG.
Foto: Anthony Anex (Keystone)
Frage: Wann kommen die Schnelltests?

Lévy sagt, dass das Referenzlabor in Genf daran sei, die Tests zu evaluieren. «Sobald wir wissen, ob die Tests etwas taugen, werden wir schauen, wo und wie wir sie einsetzen.» Man sei im Gespräch mit der Industrie betreffend Herstellung von Tests im Inland. Man habe derzeit auch genügend Materialien für die Tests. «Aber das ist eine komplexe Sache und nicht so einfach, wie man meinen würde.»

Unser Artikel zum Thema: Schweiz setzt frühestens ab November auf Schnelltests

Sie liefern ein Resultat in 15 Minuten: Zürich fordert, dass der Bund Schnelltests möglichst rasch zum breiten Einsatz empfiehlt. Doch deren Prüfung braucht noch mehrere Wochen.

Frage: Gehen die Tests aus?

Lévy antwortet: «Die Tests nehmen zu. Das sehen wir als sehr positiv an. Wir haben genügend Tests. Wir haben keine Bedenken im Moment, was das Testvolumen in den Lagern betrifft. Wir sind gut eingestellt.»

Fragen: Wann gibt es wieder Massnahmen?

Masserey sagt dazu, dass die Reaktion nicht von der Zahl der neuen Fälle abhänge, das Testregime sei heute ein anderes. Es gebe keine fixen Kriterien für das Ergreifen drastischer Massnahmen.

Frage: Gibt es eine zweite Welle?

Masserey meint, dass das Contact-Tracing kein perfektes System sei. Man beobachte einen stetigen Anstieg. Es gebe immer Leute, die entwischen, weil man sie nicht finde oder sie nicht in Quarantäne blieben. Ob es eine zweite Welle sei, sehe man erst aus der Retrospektive. Aber es gebe Anzeichen, dass es sich effektiv um eine zweite Welle handle.

Frage: Rechnet das BAG mit einer Erhöhung von Spitaleinweisungen?

Masserey erklärt, dass die Spitaleintritte verzögert auf die Fallzahlen folgen würden. «In den stärker betroffenen Gebieten beobachten wir bereits einen Anstieg der Fallzahlen.»

Interessant hierzu: Die Berliner Klinik Charité muss nach Angaben ihres Chefs Heyo Kroemer immer mehr Corona-Patienten aufnehmen. Auch die Zahl der auf Intensivstationen behandelten Patienten steige. Nach einer stabilen Phase im Sommer beobachte man seit zwei Wochen einen starken Anstieg der Zahlen von Corona-Erkrankten und auch Schwerkranken. Die Entwicklung hinke um rund zwei Wochen hinter der etwa in Paris hinterher, wo Krankenhäuser wieder stark belastet seien.

Frage: Wie reagiert das BAG an der Quarantäneliste für Rückkehrer?

Lévy anwortet: «Wir schauen das immer wieder kritisch an. Momentan sind wir überzeugt, dass es das richtige Instrument ist.» Man beobachte auch die Ansteckungen von Rückkehrern.

Lesen Sie auch zum Thema: Das BAG prüft neue Quarantäneregeln

Der Marathon bleibt

«Es ist und bleibt ein Marathon, ein Auf und Ab», sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im BAG. Es sei das Wesen einer Pandemie, dass ihr mit Geduld begegnet werden müsse.

Keine Impflicht für alle

Virginie Masserey hat nun das Wort. Die Romande spricht über die Impfstrategie. Wer geimpft werde, hänge von der Menge des vorhandenen Impfstoffs ab. Der Fokus liege auf dem Gesundheitspersonal. Die Eidgenössische Kommission für Impffragen beschäftige sich mit den Details. Ein Obligatorium für die ganze Bevölkerung sei nicht vorgesehen.

Multi-Strategie bei den Impfstoffen

Nora Kronig, Leiterin Abteilung Internationales beim BAG, spricht nun: «Wir fahren eine Multi-Strategie, was die Impfstoffe betrifft.» Man bewege sich in einem unsicheren Umfeld, man wisse nicht wann die Impfung da sein werde. «Die Sicherheit und Wirksamkeit steht im Zentrum.»

Was die Beschaffung betreffen sei das BAG in Kontakt mit dem Privatsektor, mit den Nachbarländern und man engagiere sich auf der multilateralen Ebene. Sie erwähnt auch die bereits abgeschlossenen Verträge und spricht von 200'000 Dosen, die reserviert seien.

Mit starkem Engagement auf multinationaler Ebene: «Wir arbeiten intensiv daran, einen Impfstoff zu bekommen», sagte Nora Kronig.
Mit starkem Engagement auf multinationaler Ebene: «Wir arbeiten intensiv daran, einen Impfstoff zu bekommen», sagte Nora Kronig.
Foto: Anthony Anex (Keystone)
Kantone im Lead

Lévy sagt weiter: «Die Kantone sind weiterhin im Lead.» Zu den Themen Schnelltests und Covid-19.Impfungen komme man noch.

«Die Fallzahlen steigen stark an, das beunruhigt uns»

Die neue Chefin des Bundesamts für Gesundheit zeigt sich beunruhigt über die aktuelle Coronavirus-Lage. «Die Zahlen steigen stark, schnell und schweizweit», sagte Anne Lévy. Der Bund startet deshalb eine neue Kampagne, um der Bevölkerung den Ernst der Lage zurück ins Bewusstsein zu bringen. Die Kampagne ist in orange gehalten.

Warnfarbe orange: Das BAG starte eine neue Kampagne, um der Bevölkerung den Ernst der Lage zurück ins Bewusstsein zu bringen.
Warnfarbe orange: Das BAG starte eine neue Kampagne, um der Bevölkerung den Ernst der Lage zurück ins Bewusstsein zu bringen.
Foto: PD

«Es ist jetzt wichtig, die Massnahmen einzuhalten», sagte Lévy bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt zehn Tage nach ihrem offiziellen Amtsantritt. Es sei die Aufgabe von allen, dass der Anstieg gestoppt werden könne. Die bisherigen Regeln wie Abstand halten, Hände waschen und Vorsicht bei Symptomen gälten unverändert.

Lévy betonteam Freitag vor den Medien in Bern weiter, dass weiterhin die besondere Lage gelte, während der die Kantone den Lead bei der Pandemiebekämpfung hätten. «Sie machen die Sache bisher gut.»

Lesen Sie auch: Welche Symptome für einen Corona-Test sprechen

Es geht los: Lévy spricht

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat die Krisenorganisation ausgebaut. Neu im Team ist Christine Kopp, stellvertretende Chefin des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK). Das sagt die neue BAG-Chefin Anne Lévy.

Kopp arbeitet neu in einem 50-Prozent-Pensum für den Bund. Daneben führt sie ihr SRK-Amt fort.

«Wir sind gut aufgestellt, um auch die kommenden schwierigen Monate zu meistern.» Lévy macht klar, dass die Pandemie «noch länger dauern» könne. Die Krisenorganisation sei darauf vorbereitet. «Wir haben die Krise bisher gut in den Griff gekriegt.» Die Arbeit sei hervorragend gewesen.

«Es ist und bleibt ein Marathon, ein Auf und Ab», sagt Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im BAG. Es sei das Wesen einer Pandemie, dass ihr mit Geduld begegnet werden müsse.

Frauen-Trio des BAG informiert

So weit wir wissen, werden drei Frauen des BAG heute informieren:

  • Anne Lévy, Direktorin, BAG
  • Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle
  • Nora Kronig, Leiterin Abteilung Internationales
Berlin und Hamburg neu auf der Risikoliste

Mit Berlin und Hamburg hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erstmals zwei Gebiete in Deutschland auf seine Risikoliste gesetzt. Ab Montag, 12. Oktober, muss zehn Tage in Quarantäne, wer aus diesen beiden Städten in die Schweiz einreist. Damit sind neu alle Nachbarländer der Schweiz ausser Liechtenstein mit bestimmten Gebieten auf der Risikoliste des BAG vertreten. Grenzregionen sind von den Quarantänebestimmungen ausgeschlossen, auch wenn die Corona-Fallzahlen in diesen Gebieten hoch sind. So hat es der Bundesrat beschlossen.

Auch für Italien wird die Liste der Risikogebiete länger: War bisher nur die Region Ligurien aufgeführt, gilt die Quarantänepflicht nach der Einreise neu auch für Venetien, Sardinien und Kampanien, das Gebiet, in dem unter anderem die Stadt Neapel liegt. In Österreich stehen neben Wien sowie Ober- und Niederösterreich neu auch das Burgenland und das Land Salzburg auf der Liste. Unverändert bleibt dagegen die Liste der Risikogebiete in Frankreich. Unter anderem muss in Quarantäne, wer aus Paris in die Schweiz einreist.

Als ganze Länder neu auf der Liste stehen nun Kanada und Tunesien sowie Iran, Jordanien, Georgien, Russland und Slowakei. Gestrichen hat das BAG Bolivien, die Dominikanische Republik, Namibia, Suriname sowie Trinidad und Tobago. Insgesamt stehen 61 Staaten auf der neuen Risikoliste sowie einzelne Gebiete in vier Nachbarländern.

Lesen Sie auch zum Thema: Das BAG prüft neue Quarantäneregeln für Einreisende

In der Schweiz müssen Reisende aus Ländern in Quarantäne, die eine tiefere Infektionsrate haben als die Schweiz selber. Das BAG ist mit dieser Regelung selber nicht mehr zufrieden und prüft Anpassungen.
Einreise aus Risikoländern
In der Schweiz müssen Reisende aus Ländern in Quarantäne, die eine tiefere Infektionsrate haben als die Schweiz selber. Das BAG ist mit dieser Regelung selber nicht mehr zufrieden und prüft Anpassungen.
Foto: Keystone

316 Kommentare
    Hanspeter Müller

    Zürich hat als erster Kanton das Contacttracing nicht mehr im Griff? Hatten sie es denn jemals? Die Zahlen stiegen - Frau Rickli hat nichts gemacht. Die Zahlen stiegen weiter und vor allem schwappten die Infektionen in die Nachbarkantone und liessen die Zahlen dort ebenfalls ansteigen - Frau Rickli macht weiterhin nichts. Die Zahlen geraten ausser Kontrolle - Frau Rickli macht weiter nichts. Sie hoffiert lieber den Bars und Clubs und deren Betreiber, während zB Genf und Bern energisch durchgreifen. Aber das ist ja kein Wunder, wenn man berücksichtigt aus welcher Partei Frau Rickli kommt. Da spielt nur der Gewinn eine Rolle, nicht die Gesundheit und das Wohlergehen der Bevölkerung