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Streaming-BlockbusterWas sagen uns die erfolgreichsten Netflix-Filme?

Action und Komödien ziehen, Dramen eher weniger. Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Netflix-Top-Ten.

Sieht auch auf dem Flachbildfernseher recht gut aus: Chris Hemsworth im Actiontitel «Extraction», den fast 100 Millionen Netflix-Nutzer gesehen haben.
Sieht auch auf dem Flachbildfernseher recht gut aus: Chris Hemsworth im Actiontitel «Extraction», den fast 100 Millionen Netflix-Nutzer gesehen haben.
Foto: Jasin Boland/Netflix

Seit Netflix pro Land die zehn erfolgreichsten Filme und Serien bekannt gibt, kann sich der vom Arbeitstag erschöpfte Streamingnutzer fragen: Schaue ich mir dasselbe an wie alle anderen, oder klicke ich mich erst mal eine Stunde durchs Angebot?

Neuerdings kann man sich nun auch auf globaler Ebene an einer Top-10-Liste orientieren. Der Dienst hat vor kurzem veröffentlicht, welche Film-Eigenproduktionen die höchsten Zugriffszahlen verzeichnen; bislang hielt er diese Zahlen unter Verschluss.

Was lernt man daraus? Bei den vier erfolgreichsten Netflix-«Originals» handelt es sich allesamt um Actionfilme – bei «Bird Box» (Platz 2) kommen noch Horrormotive hinzu –, und stets ist der Name eines Hollywoodstars wie Sandra Bullock, Mark Wahlberg oder Chris Hemsworth damit verbunden.

Laut Filmstudio-Chef Scott Stuber will der Dienst alle zwei Wochen eine Eigenproduktion lancieren, die «einen Eindruck hinterlässt». Alle zehn Titel wurden in den letzten drei Jahren veröffentlicht, in dieser Zeit hat Netflix Milliarden für eigenen Content ausgegeben. Laut «Bloomberg» hat der Dienst in letzter Zeit mehr Filme mit Originalideen lanciert als jedes andere Hollywoodstudio.

Weitere Erkenntnisse:

  • Das Star-System und die Sequel-Strategie verlagern sich in die Streamingwelt. Als einer der ersten hat der Komiker Adam Sandler einen Vertrag mit Netflix über mehrere Filme abgeschlossen; «Murder Mistery» mit Jennifer Aniston ist mit 83 Millionen Zuschauern der erfolgreichste seiner inzwischen recht zahlreichen Auftritte auf dem Streamingservice. Chris Hemsworth («Thor») spielt die Hauptrolle im erfolgreichsten Original, dem harten Entführung-und-Befreiungs-Thriller «Extraction», dazu ist bereits eine Fortsetzung unterwegs. Auch Mark Wahlberg («Spenser Confidential») arbeitet künftig enger mit Netflix zusammen, angekündigt ist vorderhand ein Agententhriller namens «Our Man From New Jersey», der sich dann sicher auch noch mit Sequels ausbauen lässt.
  • Was ist besser als Action und Komödien? Actionkomödien. Dass die beiden Genres so beliebt sind, ist nicht erstaunlich: Das sind sie auch im Kino. Für die Schweiz gibt der Branchenverband Pro Cinema in den letzten Jahren nur für «Drama» und «Animation» ähnlich hohes Zuschauerinteresse aus, wobei das immer abhängig ist davon, ob es Action-Blockbuster gab im jeweiligen Jahr. Die grosse Zeit der Actionkomödien ist ein bisschen vorbei, aber mit «Spenser Confidential» (Platz 3) verleiht ihr Netflix wieder Auftrieb.
  • Wer auf Netflix streamt, will offenbar unbedingt noch wach bleiben. Oder gibt es eine andere Erklärung für das grosse Interesse an der hochimpressionistischen Frenetik von «6 Underground»? Der hanebüchene Actionfilm von Michael Bay wurde auch in der Schweiz mit einer Plakatkampagne beworben und vereint offenbar alles, was man sich am Abend gern gefallen lässt: Erzählästhetik in Stroboskopform, One-Liner von Ryan Reynolds sowie Aufnahmen von Frauenhintern, die jemand gedreht haben muss, der von #MeToo höchstens am Rand mal etwas mitbekommen hat.
  • Wo sind die Dramen? Netflix registriert die Zuschauerzahlen in den ersten vier Wochen nach Streaming-Start. Jeder, der mindestens zwei Minuten eines Films gesehen hat, wird gezählt – selbst wenn er oder sie danach wieder abbricht. Schlauerweise hat Netflix diese Regel kurz vor dem Start der 170-Minuten-Mafiasaga «The Irishman» von Martin Scorsese eingeführt; das Prestigeprojekt kommt so auf 64 Millionen Zuschauer.
  • Ein einziges nicht englischsprachiges «Original» ist in der Top 10 vertreten. «The Platform» aus Spanien arbeitet mit Horroreffekten und dramaturgischer Reduktion – bedient sich also global anschlussfähiger Stilmittel.
  • Was die Kritiker schreiben, lässt sich dank Netflix umgehend überprüfen. Es war zu erwarten, dass eine Komödie wie «The Wrong Missy» verrissen wird («noch eine lausige Farce»; AV Club). Ein Langweiler lädt eine Bekanntschaft zu einer Geschäfts-Retraite in Hawaii ein, nur schickt er das SMS an die falsche Person, jetzt kommt die Wahnsinnige mit, die sich für nichts schämt. Das ist tatsächlich lustig, nicht zuletzt, weil sich darin eine Frau so aufführt, wie es sonst die Männer gern tun.