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BeratungshotlineWas Reisende jetzt wissen müssen

Das Coronavirus ist in aller Munde. Es beeinträchtigt unseren Alltag. Fragen tauchen auf. Expertinnen und Experten auf dem Gebiet Reise- und Arbeitsrecht stehen an der Hotline dieser Zeitung Rede und Antwort.

Eine Reise nach Puerto Rico gebucht: Werden die Kosten zurückerstattet?
Eine Reise nach Puerto Rico gebucht: Werden die Kosten zurückerstattet?
iStock

Was vor wenigen Wochen noch undenkbar schien, tritt nun ein: Das öffentliche Leben kommt in der Schweiz zum Erliegen. Betroffen sind auch Fluggäste, Bahnkunden, Pauschalreisende. Eine Leserin beispielsweise ist verzweifelt, weil sie im April nach Puerto Rico reisen wollte und eine teure Reise gebucht hat. Den Flug und die Hotels für drei Wochen hat sie bereits bezahlt. Sie will nun aus Angst lieber in der Schweiz bleiben. In einem solchen Fall muss die Reisende die Hotelkosten selber bezahlen. «Wenn der Kunde einfach aus Angst vor dem Virus die Reise nicht antreten will, kann er gemäss den Annullierungsbedingungen des Reiseveranstalters die Reise stornieren, das heisst er muss aber auch die entsprechenden Kosten tragen. Es sei denn, das Reisebüro findet mit ihm im Einzelfall eine andere Lösung», sagt Anwältin Sophie Winkler von Flying Lawyers, die sich auf Reiserecht spezialisiert hat.

Finden die Reisen erst im Mai oder später statt, hätten die Reisenden meist keine Möglichkeit, kostenfrei zu stornieren. Erst wenn der Reisetermin näher rückt, wird eine Rückerstattung der Reisekosten wahrscheinlicher. Im Einzelfall können Kulanzregelungen greifen: Kunden sollten sich deshalb persönlich an ihren Reiseveranstalter wenden, wenn sie eine Reise nicht antreten wollen.

Der Bund

Sobald der Bund für ein Land oder eine Region vor einer Reise warnt, nützt die Reise-Annullationsversicherung. Sie erstattet dann die Kosten des Vertragsrücktritts, also Hotel- und Flugkosten. Wenn die Behörden ein Gebiet abriegeln und die Reise deshalb nicht stattfindet, sind Reisebüros verpflichtet, Alternativen anzubieten. Wenig ge­änderte Reisen müssen Kunden akzeptieren. Wird eine ganz andere Reisedestination angeboten, müssen sie diese nicht annehmen. Sie können das Geld zurückverlangen. Länder wie die USA und Deuschland lassen Schweizer derzeit gar nicht mehr einreisen. In einem solchen Fall kann der Kunde seine Reise umbuchen oder stornieren.

Hotelbuchungen

Bei Hotelbuchungen gelten die in der Buchung festgelegten Stornierungsbedingungen. Auch wenn das Hotel in Italien liegt, könnte man dort trotzdem übernachten. Es kommt aber auch auf die Hotelbesitzer an. Diese könnten von sich aus eine Umbuchung oder eine Erstattung anbieten. Möglich sind auch Gutscheine. Ausnahmen gelten, wenn das Hotel unter Quarantäne steht oder das Reisegebiet abgeriegelt ist – hier sind aussergewöhnliche Umstände gegeben, und Buchungen müssen erstattet werden.

SBB-Tickets

Die SBB zeigen sich nach ei­genen Angaben derzeit kulant. Ein SBB-Sprecher sagt: «Wir erstatten beispielsweise Fahrausweise nach Italien, die bei den SBB ­gekauft wurden, zurzeit vollumfänglich.» Für an­dere Nachbarländer prüfe man die Rückerstattung im Einzelfall. Die SBB und Postauto sind weiterhin kulant, die Kosten für abgesagte beziehunsgweise nicht angetretene Reisen bis zum 26. April 2020 werden vollständig erstattet.

Flugtickets

Ob Flugtickets erstattet werden, hängt vom gewählten Tarif ab. Bei Tickets mit hohen Nachlässen sind meist Rückgabe oder Umbuchung ausgeschlossen. Teurere reguläre Tarife, die aber eher von Geschäftsreisenden gewählt werden, bieten hingegen oft die Möglichkeit, ohne Zusatzkosten auf den Flug zu verzichten oder einen späteren Termin zu wählen. Da Fluggesellschaften zunehmend Flüge streichen, können Kunden aber abwarten und hoffen, dass auch ihr Flug gestrichen wird. Sagt die Airline von sich aus den Flug ab, muss sie den Ticketpreis zurückzahlen.

Bei der Swiss heisst es, die Passagiere können weltweit alle Flüge kostenlos verschieben. Die Umbuchung muss bis zum 1. Juni erfolgen. Ist der ursprüngliche Tarif nicht mehr verfügbar, muss man die Differenz bezahlen.

Sommer- und Herbstferien

Einige überlegen sich, ob sie jetzt kurzfristig Ferien im Mai buchen sollen. Anwältin Sophie Winkler sagt: «Mit einer Buchung für kurzfristige Frühlingsferien würde ich bei den derzeitigen verrückten Entwicklungen zurückhaltend sein. Für die Sommer- und Herbstferien sind aber gerade jetzt die Angebote und Buchungsbedingungen der Reisebüros teilweise besonders attraktiv, und deshalb ist eine Buchung sogar vorteilhaft.»

Noch wichtiger als sonst werden die Reiseversicherungen. Winkler sagt: «Es ist also immer zu prüfen, welche Ereignisse gedeckt werden oder nicht.» Aber in der Regel lohne sich eine Versicherung, insbesondere wenn man selbst wegen Krankheit oder eines Todesfalls in der Familie nicht reisen kann. Eine Reise buchen bedeutet immer, einen zweiseitigen Vertrag einzugehen. Im Prinzip können der Kunde und das Reisebüro vereinbaren, was sie wollen, solange sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegen. Bei Pauschalreisen muss dabei das Pauschalreisegesetz beachtet werden. «Im Zusammenhang mit dem Coronavirus bieten viele Reisebüros nun Sonderkonditionen in Bezug auf Annullierungs- oder Umbuchungsbedingungen an, welche dem Kunden entgegenkommen», sagt Winkler.