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Geldblog: InflationsrisikoWas kostet uns das viele billige Geld?

Mit Milliarden stützen Regierungen und Notenbanken die durch Corona geschwächte Wirtschaft – die Rechnung dafür werden wir später zahlen müssen.

Nur eine Frage der Zeit: Anleger tun gut daran, ihre Depot im Hinblick auf eine Inflation weiter zu diversifizieren.
Nur eine Frage der Zeit: Anleger tun gut daran, ihre Depot im Hinblick auf eine Inflation weiter zu diversifizieren.
Illustration: Christina Baeriswyl

Gemäss Joachim Starbatty, emeritierter Ökonomieprofessor der Universität Tübingen, ist das von der EU beschlossene Corona-Hilfspaket eine Schulden-Vergemeinschaftung. Letztlich sei jede grosse Inflation die Folge der Finanzierung massiver Staatsdefizite. Den Bürgern sei nur zu raten: Bringt Euer Geld in Sicherheit, solange es noch Zeit ist. Was muss man machen? Leserfrage von A.B.

Die von den 27 EU-Staaten im Grundsatz beschlossene Corona-Hilfe ist das grösste Hilfspaket in der Geschichte der EU. Damit will die Gemeinschaft die Rezession bekämpfen und politisch den EU-Binnenmarkt zusammenhalten. Das historische Finanzpaket besteht aus 750 Milliarden Euro für ein Konjunktur- und Investitionsprogramm gegen die Folgen der Pandemiekrise sowie 1074 Milliarden Euro für den nächsten siebenjährigen Haushaltsrahmen. Man kann dabei durchaus von einer Schuldenvergemeinschaftung sprechen.

Grosse Pofiteure sind insbesondere Italien, das auch schon vor der Coronakrise auf immensen Schuldenbergen sass, aber auch Spanien oder Frankreich. Bezahlt wird die Zeche zu einem grossen Teil von Deutschland. Doch das ist nichts Neues: Auch unabhängig von der Krise ist unser nördliches Nachbarland der wichtigste Geldgeber der EU. Die Corona-Milliardenhilfe der EU ist allerdings nur ein Hilfspaket unter vielen. Auch andere Regierungen haben umfangreiche Rettungsprogramme zur Stützung der Wirtschaft gegen die Coronafolgen aufgegleist. Die USA haben mehrere Milliardenhilfspakete geschnürt. Darüber hinaus haben alle grossen Notenbanken der Welt die Zinsen nochmals gesenkt und Wertpapieraufkaufprogramme lanciert. Wie weit diese Milliardenstützen der Wirtschaft schlussendlich wirklich helfen, ist noch nicht klar und wird sich erst später zeigen.

Eine steigende Inflation ist gut für die Regierungen, die Schulden abbauen, aber schlecht für die Sparer.

Zweifellos geholfen haben die Milliardenspritzen allerdings den Börsen. Das ist ein Hauptgrund, warum sich die Aktienmärkte so schnell und so stark seit dem Crash im März erholt haben. Die Notenbanken haben die Finanzmärkte richtiggehend mit Geld geflutet. Aus meiner Sicht wird es weder den Notenbanken noch den Regierungen gelingen, all das viele billige Geld wieder aus dem Markt zu nehmen. Die Regierungen haben auch gar kein Interesse daran, dies zu tun. Vielmehr sind sie daran interessiert, dass die Inflation steigt. Denn nur so lassen sich die aufgrund der Coronahilfen nochmals massiv gestiegenen Schuldenberge weltweit abtragen.

Längst haben die Notenbanken die Gelddruckmaschinen angeworfen und drucken im beträchtlichen Stil Geld. Eine steigende Inflation ist gut für die Regierungen, die Schulden abbauen, aber schlecht für die Sparer. Denn die Inflation ist Gift für ihren Sparbatzen, der mit einer anziehenden Teuerung an Wert verliert. Noch ist Inflation kein Problem. Die Teuerung ist tief und teilweise sogar wegen Corona wieder negativ. Dies dürfte noch einige Zeit so bleiben.

Allerdings dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, dass die Inflation anzieht. Wenn ein Impfstoff gegen Corona weltweit genutzt werden kann und die Wirtschaft sich stark erholt, könnte in ein paar Jahren auch die Teuerung in die Höhe gehen. Schützen kann man sich gegen die Inflation mit Anlagen in Gold oder Immobilien, die einen guten Schutz gegen eine steigende Teuerung bieten. Nicht zuletzt wegen Inflationsängsten ist der Goldpreis auf Rekordniveau geklettert.

Auch Aktien bieten teilweise einen Inflationsschutz sowie Inflationsindexierte Anleihen, von denen es aber nicht sehr viele gibt. Inflationsgeschützte Anleihen tragen dazu bei, in Phasen mit deutlich steigender Inflation die Kaufkraft zu sichern. Inflationsgeschützte Anleihen weisen in der Regel eine geringe Korrelation gegenüber Aktien und nominalen Anleihen auf.

Dies spricht dafür, dass man – falls man als Anleger tatsächlich eine Inflation erwartet, die derzeit aber noch nicht in Sicht ist – mit solchen Instrumenten sein Depot noch besser diversifizieren und allenfalls sein Rendite-Risiko-Profil verbessern kann.

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3 Kommentare
    Leser HE

    Wer bei den Immobilien nur die letzten 20 Jahre zum Massstab nimmt, macht es sich zu einfach.