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Das ideale TrainingWas Hobbyathleten von Zwillingen lernen können

Ausdauer lässt sich auch mit Krafttraining verbessern, und Gene beeinflussen die Leistung nur bedingt. Dies sagt eine smart gemachte neue Studie.

Sind die Gene verantwortlich für sportlichen Erfolg? Die Studie hat diesen Zusammenhang untersucht.
Sind die Gene verantwortlich für sportlichen Erfolg? Die Studie hat diesen Zusammenhang untersucht.
Foto: iStock/Getty Images

Emil Zatopek war ein Laufgigant. Der vierfache Olympiasieger (1948/52) sagte: «Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.» Sein Bonmot hält sich bis heute. Nun wird dieser Für-alle-das-Gleiche-Ansatz durch eine faszinierende Studie australischer Bewegungswissenschaftler zum Wanken gebracht. Dabei ist eines unstrittig: Rennen in moderater Form ist gesund, wie es so gut wie alle Bewegungen für den Körper sind.

Nicht alle Menschen profitieren allerdings von demselben Reiz gleich – sei es beispielsweise via Ausdauer- oder Krafttraining. Die Wissenschaft spricht im extremsten Fall von sogenannten Non Responders. Sie meint damit Menschen, die auf einen sportlichen Reiz so gut wie keinen positiven Ausschlag erfahren oder sogar an Leistung einbüssen.

84 Zwillinge im Kraft- und Ausdauertest

Nun hat die eingangs erwähnte Studie der australischen Wissenschaftler selbst für Hobbyathleten gute Neuigkeiten, die sich in ihrem Sport nur wenig verbessern. Sie wählten dabei einen cleveren Ansatz: Zwillinge als Probanden. Die Forscher boten 30 eineiige Zwillingspaare und 12 zweieiige Zwillingspaare zu Tests auf. Die Gene der identischen Zwillinge sind zu 100 Prozent gleich, bei den zweieiigen zu ungefähr 50 Prozent (wie bei allen anderen Geschwistern im Schnitt). Wenn diese Tests also bei beiden Gruppen ähnliche Ergebnisse liefern würden, könnten die Gene allein nicht entscheidend sein.

Beide Zwillingsgruppen waren im Schnitt um die 30 Jahre jung und unsportlich, aber gesund. Beide Gruppen mussten für drei Monate 3-mal in der Woche eine Stunde joggen bzw. radfahren und dann nach einer dreimonatigen Pause während drei Monaten 3-mal in der Woche für eine Stunde in den Kraftraum.

Sie kamen also pro Woche auf drei Trainingsstunden bei gleicher Intensität (erste Wochen locker, dann härter). Die Zwillinge wurden vor und nach dem Ausdauer- bzw. Kraftblock auf zahlreiche Leistungsparameter getestet. Jedes Zwillingspaar trainierte zusammen.

Die sieben wesentlichen Erkenntnisse

Was waren die entscheidenden Resultate?

1. Sowohl in der Gruppe der eineiigen Zwillinge wie der Gruppe der zweieiigen Zwillinge reagierten die einzelnen Zwillinge teilweise unterschiedlich stark auf den Ausdauer- bzw. Kraftblock.

2. Die überwiegende Mehrheit der Zwillinge legte mittels Kraftblock an Kraft zu.

3. Die überwiegende Mehrheit der Zwillinge verbesserte mittels Ausdauerblock die Ausdauer.

4. Knapp die Hälfte der Zwillinge konnte über den Kraftblock die Ausdauerwerte erhöhen.

5. Knapp die Hälfte der Zwillinge konnte über den Ausdauerblock die Kraftwerte erhöhen.

6. Wer seine Werte im Ausdauerblock steigerte, musste nicht zwingend auch im Kraftblock zugelegt haben – und umgekehrt.

7. Bei vier Prozent der Zwillinge führten weder Ausdauer- noch Krafttrainings zu Änderungen.

Bemerkenswerte Erkenntnis: Ausdauertraining fördert oft auch die Kraft.
Bemerkenswerte Erkenntnis: Ausdauertraining fördert oft auch die Kraft.
Foto: Getty Images

Daraus leiten die Autoren ab: Die Gene allein definieren keineswegs, wie stark sich ein Körper auf einen Sportreiz anpasst. Auch Schlafdauer, Essgewohnheiten, Tagesablauf und vieles mehr sind entscheidend. Und: Nur weil jemand mittels Ausdauertraining einfach nicht viel besser wird, muss er noch lange nicht glauben, in allen Sportarten schwach zu sein.

Er hat dann vielleicht schlicht noch nicht den richtigen (Kraft-)Sport für sich entdeckt und sollte sich mindestens eine zweite Chance geben. Denn Emil Zatopeks Passt-allen-Ansatz ist zu allgemein gefasst. Wir sind alles Individuen.

2 Kommentare
    Reto Schreiber

    Den Text habe ich gut verstanden. Aber wozu die Symbolbilder?