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Aussergewöhnliche EntwicklungWas das Gold zu Rekordwerten treibt

Gemessen in Schweizer Franken ist das Edelmetall so teuer wie nie. Was die Wertentwicklung treibt und wo die Risiken liegen – die vier wichtigsten Punkte.

Das Edelmetall hat schon zu allen Zeiten fasziniert und galt als besonders sichere Anlage: Goldbarren im Tresor der Schweizerischen Nationalbank.
Das Edelmetall hat schon zu allen Zeiten fasziniert und galt als besonders sichere Anlage: Goldbarren im Tresor der Schweizerischen Nationalbank.
Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Gemessen in Franken, war Gold noch nie so wertvoll wie jetzt. Am Montag wurde das Edelmetall für rund 1707 Franken pro Unze gehandelt. Eine Unze entspricht 31,1 Gramm und ist die Standard-Grösseneinheit für Gold. Seit dem letzten Tiefpunkt des Goldpreises im Sommer 2015 hat der Goldpreis damit in der Schweizer Währung um rund 65 Prozent zugelegt.

Allein im laufenden Jahr beläuft sich der Wertzuwachs bisher auf mehr als 13 Prozent. Das übertrifft auch die Renditen der meisten anderen Anlagen.

Standardmässig wird für Gold der Dollarpreis verwendet. Selbst in der US-Währung hat Gold mit einem Preis von knapp unter 1810 Dollar pro Unze den höchsten Wert seit dem Sommer 2011 erreicht. Die noch stärkere Wertsteigerung des Goldes in Franken verdankt sich der Aufwertung der Schweizer Währung gegenüber dem Dollar seither.

Was sind die wichtigsten Treiber der Goldpreisentwicklung und wo liegen die Risiken:

Das Gold und die Rolle der Spekulation

Für ein Urteil, ob eine Finanzanlage ihren Kurs auch wert ist, wird in der Regel untersucht, welche Einkommen sie schafft – in Form von Dividenden bei Aktien, von Zinsen bei Anleihen oder von Mieteinnahmen bei Liegenschaften. Gold hingegen wirft kein Einkommen ab. Entweder wird es für eine direkte Verwendung erworben, wie zur Erstellung von Schmuck, oder dann nur, weil die Käufer und Käuferinnen auf einen höheren Kurs spekulieren.

Aus den Daten lässt sich lesen, dass die Nachfrage nach Schmuck im Zug der weltweiten Corona-Krise zusammengebrochen ist. Deutlich zugenommen haben dagegen die Käufe von sogenannten Gold-ETF. Damit sind handelbare Fonds gemeint, deren Wertentwicklung den Goldpreis widerspiegelt. Die Herausgeber dieser Fonds halten dafür rund 3235 Tonnen des Edelmetalls; ebenfalls ein rekordverdächtiges Niveau.

Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres sind laut dem World Gold Council 40 Milliarden Dollar in solche Goldfonds geflossen. Der steigende Goldpreis wird also vor allem von der Spekulation getrieben.

Der Goldpreis als Anzeichen für das Misstrauen in die Politik

Historisch gesehen, galt Gold immer als verlässliches Wertaufbewahrungsmittel, weil es sich nicht beliebig und nach dem Gusto der jeweiligen Herrschenden vermehren lässt. Die Corona-Krise hat zu einer grossen Unsicherheit über die wirtschaftliche Zukunft in fast allen Ländern geführt. Zudem haben die grenzenlosen Geldspritzen der Notenbanken zusammen mit einer deutlich ansteigenden Verschuldung der Länder dem Vertrauen vieler Menschen selbst in die stabilsten Währungen einen Dämpfer versetzt.

Aus diesem Grund versuchen sie, sich dagegen zumindest teilweise durch Goldkäufe abzusichern. Oder sie rechnen deshalb mit einem weiteren Preisanstieg des Edelmetalls. Denn das Gold bietet sich aus dieser Warte als Rettungsanker in der Not an.

Der Goldpreis als Vorbote einer steigenden Teuerung

Ein Misstrauen in das bestehende Geld drückt sich in steigenden Inflationserwartungen aus. Denn hat Geld weniger Wert, heisst das umgekehrt, dass das Preisniveau steigt. In nächster Zukunft erwartet allerdings kaum jemand eine steigende Inflation, im Gegenteil. Beim Staatssekretariat für Wirtschaft zum Beispiel rechnet man im laufenden Jahr mit einem Rückgang des Preisniveaus um 0,9 Prozent und im nächsten um 0,3 Prozent.

Ähnliches lässt sich aus Marktdaten herauslesen. Der Grund dafür ist, dass die Nachfrage mit der Krise noch stärker eingebrochen ist als das Gesamtangebot – das heisst, die Produktionsleistung der Unternehmen.

Schaut man aber in die weitere Zukunft, ist das Bild weniger klar. Einiges spricht dafür, dass die Produktionskapazitäten noch länger beschädigt bleiben, weil einige Branchen sich nur sehr langsam vom Corona-Schock erholen und möglicherweise viele Unternehmen ihr Geschäft noch ganz aufgeben müssen. Die Nachfrage allerdings – befeuert durch die gigantischen Summen von neu geschaffenem Geld – könnte rascher zurückkehren.

Trifft diese Nachfrage dann auf einen geringeren Wirtschaftsausstoss, steigen die Preise. Wer Gold wegen dieser Sorge kauft, handelt deshalb keineswegs irrational. Ein Risiko ist das dennoch. Die Zeit nach der Finanzkrise macht klar, warum.

Die Folgen der Finanzkrise als Warnung

Zu einer starken Zunahme der Staatsverschuldung und einer noch nie dagewesenen Zunahme der Geldspritzen durch die Notenbanken ist es auch in der Finanzkrise gekommen. Und auch damals stieg der Goldpreis als Folge davon deutlich – vom Januar 2007 bis zum Herbst 2012 hat er in Franken beinahe 120 Prozent zugelegt. Auch hier spielte allerdings die Frankenaufwertung mit eine Rolle.

Danach brach der Kurs des Edelmetalls jedoch stark ein, bis zum Sommer 2015 um fast 40 Prozent. Im Nachgang sowohl der Finanzkrise wie auch der darauf folgenden Eurokrise hat sich gezeigt, dass die Ängste vor allgemein steigenden Preisen deutlich übertrieben waren. Das Preisniveau war auch in der Schweiz über längere Zeit insgesamt im Sinken begriffen, und den Notenbanken weltweit gelang es noch nicht einmal, ihr Inflationsziel von rund 2 Prozent zu erreichen, das sie mit Preisstabilität gleichsetzen.

Wie sich zeigte, ist das viele von den Notenbanken geschaffene Geld gar nur zu einem kleinen Teil in der Wirtschaft angekommen und in Form von Einlagen der Banken auf den Konten der Notenbanken verblieben.

Ein erneuter Einbruch des Goldpreises ist deshalb auch jetzt nicht ausgeschlossen, wenn sich die Lage in der Wirtschaft entspannt und eine Zunahme der Inflation erneut ausbleibt. Immerhin wäre das ein Trost für die Goldinvestoren.

37 Kommentare
    max bernard

    Viele Anleger decken sich mit Gold und Immobilien, also Sachwerten ein, weil sie der Geld- bzw. Schuldenpolitik misstrauen und das zurecht. Wobei die grösste Gefahr von der EZB ausgeht, welche nur noch mit immensen Aufkäufen von Staatsschulden den Euro vor dem Crash zu bewahren weiss - zumindest vorläufig. Die Frage ist daher nicht, ob diese Politik zum grossen Crash führt, sondern wann dieser Fall eintritt.