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Wie die neuen Nationalräte ihr Geld verdienen

Im neuen Nationalrat sind die Bereiche Wirtschaft und Verwaltung besser vertreten als bisher. Weniger erfreulich sieht es für die Berufsgruppen der Bauern und Juristen aus.

Im neuen Nationalrat können die Vertreter aus Wirtschaft und Verwaltung bei den Berufsgruppen zulegen. Bauern und Juristen sind weniger gut vertreten als noch vor vier Jahren.

Nur noch 17 und nicht mehr 22 Nationalräte werden künftig die Landwirtschaft aus eigener Erfahrung heraus vertreten, wie eine aktuelle Zählung der Nachrichtenagentur sda ergibt. Die Zahl der Juristen verringert sich derweil leicht von 40 auf 38.

Nach wie vor die stärkste Vertretung stellt die Wirtschaft und das Gewerbe: Sie können ihre Vormachtstellung von 58 auf 62 Vertreter ausbauen. Sieben Mandate mehr gewinnen die Vertreter der öffentlichen Verwaltung und kommen so auf 20. Zu den Gewinnern gehören auch die Medienschaffenden: Sie bauen ihre Sitzzahl von eins auf sechs aus.

Viele Neue dank Wahlsiegern

Gemäss Berechnungen der Nachrichtenagentur sda zählt der neu gewählte Nationalrat 34 Prozent neue Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Am meisten neue Köpfe verzeichnen die grossen Parteien: Von den 54 SVP-Nationalräten nehmen 14 neu oder wieder Platz in der grossen Kammer. Darunter sind Altbekannte wie alt Ständerat Maximilian Reimann (AG) oder Adrian Amstutz (BE), dem die Wiederwahl in die kleine Kammer nicht auf Anhieb glückte - und Alt-Bundesrat Christoph Blocher.

Bei der SP wurden von 46 Politikerinnen und Politikern deren 14 ausgewechselt. Rückkehrerin nach 12 Jahren Pause ist Silva Semadeni Bruderer (GR). Sie war von 1995 bis 1999 schon einmal im Nationalrat. Unter den 28 CVP-Parlamentariern sind 12 Neue - die stärkste personelle Erneuerung bei den Traditionsparteien.

Acht neue Gesichter finden sich unter den 30 FDP-Parlamentariern. Für Veränderungen sorgen aber insbesondere die Wahlsieger: Die Grünliberalen schicken in ihrer zwölfköpfigen Delegation neun neue Politikerinnen und Politiker nach Bern. Die BDP zählt fünf Ratsneulinge, vier sind Bisherige. Bei den Grünen sind nur zwei von 13 Gewählten neu.

Unter ihnen findet sich der Waadtländer Luc Recordon, der im zweiten Umgang seinen Ständeratssitz verteidigen will. Je einen frischen Kopf senden die Tessiner Lega, das Genfer rechtspopulistische MCG und die CSP in den Nationalrat. Wegen der beiden neuen Parteien, der BDP und der Grünliberalen, seien auch mehr neue Parlamentarier als in anderen Wahljahren gewählt worden, bilanziert der Berner Politologe Werner Seitz. Die Neuen würden frischen Wind ins Bundeshaus bringen.

Die neuen Alten von der BDP

Jung sind die Neulinge nicht zwingend: «Senioren»-Partei ist die BDP, deren neun Gewählte im Durchschnitt 52,67 Jahre alt sind. Damit läuft die BDP sogar der SVP den Rang ab: 2007 zählten deren gewählten Kandidaten im Mittel 52,53 Lenze, heute knapp weniger.

Aus den Reihen der SVP stammt mit dem 71-jährigen Christoph Blocher der zweitälteste Nationalrat. Über mehr Lebenserfahrung verfügt nur noch der 80-jährige Jacques Neirynck (CVP), der im Kanton Waadt wiedergewählt wurde.

Jüngstes Mitglied 24-jährig

Jüngstes Nationalrats-Mitglied ist der Walliser Mathias Reynard (SP) mit 24 Jahren. Die SP stellt mit einem mittleren Alter von 48,8 Jahren nach den grünliberalen «Youngsters» (durchschittlich 45,5 Jahre) die zweitjüngste Delegation. Es folgen die Grünen und die FDP mit gut 49,5 und die CVP mit 51,3 Jahren.

Im Mittel sind die Gewählten 50,3 Jahre alt - etwas weniger als vor vier Jahren (knapp über 51). Die Angaben sind provisorisch. Im Tessin wurden nämlich die CVP-Kandidaten Marco Romano (28 Jahre) und Monica Duca (52 Jahre) mit exakt der gleichen Stimmenzahl gewählt. Über den Sitz entscheidet eine Nachzählung oder das Los.

Frauen bleiben untervertreten

Die Ausmarchung im Tessin wird auch den Frauenanteil noch marginal verändern. Sicher gewählt waren am Montag 58 Frauen, was einem Anteil von 29 Prozent entsprach. In der vergangenen Legislatur sassen 57 Frauen im Nationalrat.

Der Trend bei den Kandidaturen bestätigt sich damit nicht. Erstmals seit der Einführung des Frauenstimmrechts kandidierten nämlich markant weniger Frauen für ein Mandat im National- oder Ständerat. Der Anteil der Kandidatinnen ging im Vergleich zu 2007 um mehr als sieben Prozent zurück - auf noch 32,7 Prozent aller Anwärter.

Auch wenn sich dieses Minus bei den Gewählten nicht spiegelt: Die Frauen sind im Parlament nach wie vor untervertreten. Seitz erklärt sich den stagnierenden Frauenanteil unter anderem mit den Sitzverlusten bei den Grünen: «Die grüne Lokomotive lahmt.»

Bei den bürgerlichen Parteien bleibt der Frauenanteil tief: Die SVP stellt als grösste Partei neu 6 Frauen auf 54 Sitze (11,1 Prozent) - damit ist der Frauenanteil noch tiefer als 2007 (12,9 Prozent).

Junge Aargauer Ständerätin

Zum Ständerat, wo noch 19 Sitze unbesetzt sind, lassen sich erst vereinzelte Aussagen machen. Die Kammer, deren Mitglieder Anfang der letzten Legislatur ein Durchschnittsalter von 55 Jahren aufwiesen, wird durch die Wahl der 34-jährigen Pascale Bruderer (SP/AG) verjüngt. Sie ist allerdings nicht das jüngste Mitglied.

Im Januar 2010 wurde der damals erst 30 Jahre alte Neuenburger Raphaël Comte als Ersatz für Bundesrat Didier Burkhalter gewählt und jetzt bestätigt. Zu den Unter-Vierzigern zählt auch der 39-jährige Freiburger Alain Berset (SP).

SDA/wid

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