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«Die bürgerlichen Parteien müssen sich zusammenraufen»

Nach dem ersten Ständeratswahlgang bringen sich die Parteien für die Entscheidung in Position. Politologe Georg Lutz sagt der zweiten Runde eine weitaus höhere Bedeutung voraus als der Ersten.

Können sie sich einigen? Die Ständeratskandidaten Werner Luginbuehl(l.)und Adrian Amstutz (r.).
Können sie sich einigen? Die Ständeratskandidaten Werner Luginbuehl(l.)und Adrian Amstutz (r.).
Keystone

Für den Politologen Georg Lutz hat der zweite Wahlgang der Ständeratswahlen am 20. November im Kanton Bern eine Bedeutung über den eigentlichen Urnengang hinaus. Er werde nämlich zeigen, ob sich die Bürgerlichen in der «zunehmend zersplitterten Parteienlandschaft» einigen könnten.

«Nicht nur vor dem zweiten Ständeratswahlgang vom 20. November stehen die drei bürgerlichen Parteien SVP, BDP und FDP mit ihren ähnlichen Wählersegmenten vor der Frage, ob sie sich zusammenraufen können», sagt Lutz, Projektleiter am Forschungszentrum FORS in Lausanne. Das werde auch bei den nächsten Regierungsratswahlen eine Herausforderung sein.

Guten Chancen für Amstutz und Luginbühl

Lutz hält die Ausgangslage für den zweiten Ständeratswahlgang für offen – sofern sich sich Links-Grün auf einen einzigen Kandidaten einigt und also drei Kandidierende zur Auswahl stehen. Wenn etwa alle EVP-Wähler für Hans Stöckli (SP) stimmten, sehe es für diesen schon gut aus.

Die Wahlchancen für die beiden amtierenden bürgerlichen Kandidaten Adrian Amstutz (SVP) und Werner Luginbühl (BDP) hingen stark davon ab, ob bürgerliche Wähler auch wirklich «ihre» Kandidaten wählten. Die besten Chancen sieht Lutz bei Luginbühl. Ausser von etlichen SVP-Wählern werde er nämlich auch von vielen gemässigten linken Wählerinnen und Wählern Stimmen erhalten.

BDP und SVP müssen kooperieren

Beim ersten Wahlgang vom Sonntag schnitt Amstutz mit 143'350 Stimmen am besten ab, gefolgt von Luginbühl mit 142'423 und Stöckli mit 128'633. Alec von Graffenried von den Grünen holte 106'081 Stimmen. Die übrigen Kandidaten liegen weit zurück.

Amstutz und Luginbühl sagten am Sonntagabend den Medien, es werde sicher Gespräche mit Blick auf einen allfälligen gemeinsamen Auftritt vor dem zweiten Wahlgang geben. Der zweite Wahlgang für die Ständeratswahlen zwingt also die sich sonst nicht gerade gut gesinnten BDP und SVP zur Kooperation.

FDP wegen starker BDP im Kanton Bern so schwach

Die Nationalratswahlen vom Sonntag im Kanton Bern haben für Lutz die Ereignisse auf gesamtschweizerischer Ebene stark widerspiegelt. Als dramatisch bezeichnet Lutz den neuerlichen Einbruch der FDP, die jetzt einen Wähleranteil von noch 8,7 Prozent aufweist gegenüber 10,3 Prozent bei den Grossratswahlen von 2010 und 15,1 Prozent bei den Nationalratswahlen von 2007.

Es liege wohl an der besonderen Stärke der BDP im Kanton Bern, dass der Einbruch der FDP im Kanton Bern stärker ausgefallen sei als gesamtschweizerisch. «Das Problem für die FDP ist im Kanton Bern, dass sie in den rot-grün dominierten Städten auch nicht besser verankert ist als die BDP und auch auf dem Land nicht», sagt Lutz.

Dass die BDP ihren Wähleranteil noch weiter ausbauen kann, wie das am Sonntagabend etwa Bundesrätin Widmer-Schlumpf prognostizierte, glaubt Lutz - jedenfalls für den Kanton Bern - eher nicht. «Wenn man bei Null beginnt, kann man nur besser werden», sagt er. Jetzt aber stehe die BDP nicht mehr bei Null und müsse ihren Besitzstand verteidigen. Das sei schwieriger.

Neue Parteien mobilisierten - tiefe Beteiligung im Berner Jura

Die Beteiligung an den Nationalratswahlen lag im Kanton Bern am Sonntag bei hohen 50,35 Prozent - etwa vier Prozentpunkte mehr als 2007 und über acht mehr als bei den vorletzten eidgenössischen Wahlen.

Lutz erklärt sich das mit dem neuen Angebot: «Die neuen Parteien haben offensichtlich Leute an die Urne gebracht, welche nicht immer wählen.» Auch der offene Ständeratswahlkampf habe wohl zur hohen Wahlbeteiligung beigetragen. Die tiefste Wahlbeteiligung im Kanton Bern wurde mit 38,19 Prozent im Berner Jura registriert.

SDA/wid

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