«Prominenz ist kein Erfolgsgarant»

Thierry Carrel, Martin Killias oder Paul Accola: Die Parteien schickten einige bekannte Gesichter in das Rennen um die Nationalratssitze. Michael Hermann erklärt, warum sie nicht gewählt wurden.

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Herr Hermann, warum wurden die meisten der prominenten Kandidaten nicht gewählt? In erster Linie sind Parlamentswahlen Listen- und Parteiwahlen. Auffallend ist, dass viele der prominenten Kandidaten für Verliererparteien antraten. Paul Accola etwa für die SVP Graubünden, die einen Sitz verloren hat oder Thierry Carel für die FDP Bern, die sogar zwei Sitze einbüssen musste. In der GLP oder der BDP wäre die Situation anders, dort werden Sitze gewonnen und es gibt insgesamt weniger profilierte Gesichter.

Könnte es auch sein, dass die Wähler Quereinsteigern gegenüber skeptischer sind? Prominenz alleine ist natürlich kein Erfolgsgarant, aber durchaus ein Kapital. Martin Killias oder Corinne Schmidhauser mussten für ihre Listenplätze keine politische Ochsentour absolvieren. Ihr Bekanntheitsgrad kürzt die Parteikarriere, die ein Kandidat normalerweise durchläuft, massiv ab.

Erkennen Sie in der Kandidatur von Prominenten eine gewisse Systematik? Dass Matthias Aebsicher den Einzug in den Nationalrat geschafft hat, ist ein weiteres Beispiel dafür, dass insbesondere Medienschaffende sich als Politiker rasch profilieren können. Gerade Journalisten, die sich mit politischer Berichterstattung befassen, wie Filippo Leutenegger oder Anton Schaller, sind dem politisch interessierten Publikum natürlich bekannt. Aber auf den Bekanntheitsgrad alleine können sich die Kandidaten nicht verlassen. Ein guter Wahlkampf ist unerlässlich und möglicherweise ist es dann ein Vorteil, dass Prominente vertrauter im Umgang mit den Medien sind.

Was machen bekannte Kandidaten, wenn sie nicht gewählt werden? Eine Kandidatur ist immer auch ein Risiko. Bei einer Nichtwahl droht Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen, ein Reputationsschaden. Im Gegensatz zu unbekannten Kandidaten, stehen Prominente auch in der Öffentlichkeit, wenn sie verlieren und ein politisches Engagement lässt sich nicht immer mit der öffentlichen Rolle der Kandidaten vereinbaren. Gerade für Journalisten wird es schwierig, wieder in ihren Beruf zurückzukehren.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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