Wacker: Kleine Beute bei Aufholjagd

Handball

Wacker holt sich beim 26:26 gegen Riihimäen Cocks den ersten Champions-League-Punkt in der Saison. Das Remis ist für die Thuner bloss bei oberflächlicher Betrachtung ein Erfolg.

<b>Obenauf, aber nicht siegreich:</b> Nicolas Suter (Mitte) und Wacker Thun holen lediglich einen Punkt.

Obenauf, aber nicht siegreich: Nicolas Suter (Mitte) und Wacker Thun holen lediglich einen Punkt.

(Bild: Daniel Teuscher)

Adrian Horn

Am Ende herrscht Gesprächsbedarf, Ratlosigkeit und bestenfalls Zufriedenheit, aber ganz bestimmt keine Begeisterung. Die Akteure drehen nach der Partie zwecks Regeneration ihre Runden, sie tauschen sich aus, untereinander und mit Bekannten. Jubeln mag keiner. Die Berner Oberländer wissen: Eben haben sie eine riesige Chance verpasst.

26:26 trennt sich Wacker von Riihimäen Cocks, einem finnischen Club, der am Wochenende mit einem Punktgewinn gegen den spanischen Spitzenverein Ademar Leon verblüffte. Es ist das zweite Mal überhaupt, dass die Thuner in einer Champions-League-Begegnung nicht als Verlierer vom Feld gehen.

Ein Erfolg aber ist der Zähler nicht - obwohl zur Pause sehr vieles auf eine Niederlage hindeutete, als die Hausherren mit vier Treffern Differenz in Rückstand lagen. Passé ist eine Partie, in der Wacker den ersten Sieg in der Königsklasse hätte realisieren müssen.

Vom 7:6 zum 11:15

Riihimäen war der erwartet solide Gegner, ausgestattet mit grossgewachsenen, kräftigen Spielern, die teils ganz gut werfen können. Ein Riese im Clubhandball aber ist er gewiss nicht. Das belegt das Abschneiden letztes Jahr im EHF-Cup; da holten die Finnen in den sechs Gruppenspielen bloss zwei Punkte. Den Sieg vergab Martin Rubins Team vorab im zweiten Umgang der ersten Halbzeit, als es zuliess, dass der Widersacher aus einem 6:7 ein 15:11 machte.

Die Gastgeber wirkten in dieser Phase hochgradig verunsichert, sie bekundeten nicht zum ersten Mal in dieser Saison Mühe mit der Abwehrarbeit, über die sie sich so gern definieren.

Paraden von Flavio Wick waren, nun ja, rar, Phillip Holm warf wiederholt neben das Gehäuse, und die Thuner waren weit davon entfernt, den Tempohandball zu spielen, der sie gewöhnlich auszeichnet. Nicolas Suter war der Einzige, der willens und fähig schien, die Pace gegen biedere Finnen zu erhöhen.

Die miese Kulisse

Die Darbietung in der ersten Hälfte - sie war so schlecht wie das Zuschaueraufkommen. Lediglich 520 Leute wollten Wackers erstes Champions-League-Heimspiel seit Februar 2014 sehen. Damit war die Mobiliar-Arena in Gümligen, in der die Oberländer ihre Partien in der Königsklasse heuer austragen, weit schlechter besetzt als Ende August im Berner Derby.

Und die Thuner konnten auf grosser Bühne ihren Ruf als Zuschauermagneten - sie sind in der Nationalliga A seit zig Jahren jener Club mit den mit Abstand höchsten Besucherzahlen - nicht ansatzweise bestätigen.

Gezeigt haben die Oberländer immerhin noch, dass sie sehr gut Handball spielen können. Sie machten den Rückstand wett, auch dank Wick, der nun weit besser hielt, und Holm, der eine Menge Verantwortung übernahm. In einer aussergewöhnlich spannenden Schlussphase vergaben die Gäste am Ende den Sieg, als sie Wick an- statt den Ball ins Tor warfen. Sie waren damit aber nicht das eigentliche Opfer im Krimi.

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