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Trump und die PandemieViele könnten noch leben, wenn er seinen Pflichten nachgekommen wäre

Die Corona-Pandemie grassiert schlimmer denn je in den USA. Donald Trump aber zeigt kein Interesse: Er ist voll und ganz mit seinem angeblichen Wahlsieg beschäftigt.

Bei Madame Tussauds in London ist Trump nun Golfer, nicht Präsident.
Bei Madame Tussauds in London ist Trump nun Golfer, nicht Präsident.
Foto: Jonathan Brady (AP/Keystone)

Während seine Fans und Apologeten in den Vereinigten Staaten und anderswo, auch in der Schweiz, eine bizarre Heldenverehrung Donald Trumps betreiben, erleben die Amerikaner die grösste Abdankung politischer Verantwortung in ihrer Geschichte.

Über elf Millionen haben sich mit dem Coronavirus infiziert, bald werden sich vermutlich 200’000 Amerikaner täglich anstecken. Die Zahl der Covid-19-Kranken in den Spitälern hat die Rekordmarke von 70’000 erreicht, an vereinzelten Tagen sind mehr als 1500 Corona-Opfer zu beklagen. Der Präsident aber tut, als existiere die Krise nicht.

Trump ist vollauf beschäftigt mit einem absurden Theaterstück, worin nicht der Demokrat Joe Biden, sondern er die Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Für die Pandemie hat Trump nichts übrig. Schlimmer noch: Indem er seinem Stab sowie Mitarbeitern des medizinisch-wissenschaftlichen Apparats des Landes wie etwa den Centers for Disease Control and Prevention ausdrücklich untersagt hat, die im Januar einrückende Regierung Biden mit aktuellen Daten zur Pandemie zu versorgen, erschwert Trump die sofortige Mobilmachung der neuen Administration.

Statt sich der Herausforderung zu stellen, weint der Präsident auf Twitter, die Demokraten hätten ihm einen «Sieg» verwehrt, weil die positiven Nachrichten über die Wirksamkeit des Pfizer-Biontech-Impfstoffs erst nach der Präsidentschaftswahl verbreitet worden seien.

«Der Oberkommandierende ist vor dem Problem geflohen und hat es verschlimmert.»

Jack Chow, US-amerikanischer Professor für öffentliche Gesundheit

Seit Monaten hat Trump keinen Beratungen seiner Corona-Taskforce beigewohnt, seit langem haben Top-Regierungswissenschaftler wie Deborah Birx und Anthony Fauci keinen Zugang zum Präsidenten. «Es ist die Pflicht eines Präsidenten, die nationale Sicherheit der USA zu schützen, und dies ist die schlimmste Krankheit mit massiven Todesfällen, die Amerika jemals erlebt hat», sagte Jack Chow, in der Regierung George W. Bushs für den globalen Kampf gegen HIV-Aids verantwortlich, der «Washington Post». Der Oberkommandierende sei «vor dem Problem geflohen und hat es verschlimmert», so Chow.

Nicht nur hat sich Trump seiner Verantwortung für das Wohl der Amerikaner entzogen und die Bekämpfung der Pandemie weitgehend den Bundesstaaten überlassen. Seine Verharmlosungen und Lügen über das Virus sind von vielen Anhängern gierig eingesogen worden und führen jetzt besonders in republikanisch regierten Bundesstaaten zu hohen Ansteckungs- und Opferzahlen.

«Wie ein fucking Horrorfilm, der nie endet»

Kaum ein Gouverneur hat Trumps Laissez-Faire mehr verinnerlicht als South Dakotas republikanische Gouverneurin Kristi Noem. Trotz horrender Fallzahlen und voll belegten Spitalbetten hat sich die Gouverneurin bislang geweigert, wirksame Schutzmassnahmen für eine Bevölkerung anzuordnen, die Trumps Beteuerung, das Virus befinde sich auf dem Rückzug, nur allzu gern glaubt.

Am Wochenende beschrieb Jodi Doering, Krankenschwester auf einer Intensivstation in South Dakota, ihre Erfahrungen mit Patienten, die das Virus nicht wahrhaben wollen: «Diese Leute glauben wirklich, dass ihnen nichts passieren kann – und sie hören erst auf zu schreien, wenn sie intubiert werden.» Der Vorgang wiederhole sich «wie ein fucking Horrorfilm, der nie endet», twitterte Doering.

Dies sind die Nebenwirkungen von Trumps schändlichem Umgang mit einem tödlichen Virus und seiner narzisstischen Beschäftigung mit sich selbst und seinem politischen Schicksal. Was von dieser Präsidentschaft bleiben wird, sind vor allem die bald 250’000 Toten. Viele von ihnen könnten noch leben, wenn der Präsident seinen Pflichten nachgekommen wäre.

216 Kommentare
    Gabor von Zoltan

    Die Toten im eignen Land sind das Eine. Die Opfer, die er in anderen Ländern hinterlässt, das Andere.

    Für das, was er den Kurden angetan hat, die zuvor den IS für den Westen zu besiegen hatten (und übrigens: auch der Bevölkerung, die unter deren Verwaltung wesentlich sicherer und friedlicher leben konnte, als im Rest der Gegend!), schäme ich mich unendlich.

    Die Massaker, die all jenen blühen, die nach seinem überstürzten Abzug den Taliban überlassen werden, sind unentschuldbar.

    Dieser Mann watet in Blut und ist dabei dumm genug, dass er sogar dies noch für ein warmes Fussbad hält, das er sich in his umatched wisdom zu bereiten wusste.