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Das Corona-ProblemspielVerkommt diese Saison zur Komödie?

Der FC Zürich setzt auf Spieler, die aus der Quarantäne kommen, und ist beim 0:5 gegen YB absolut chancenlos. Der FCZ-Trainer Magnin kritisiert die Liga.

Jean-Pierre Nsame trifft zum 2:0 – der YB-Topskorer erzielt im Letzigrund seine Saisontore 26, 27 und 28.
Jean-Pierre Nsame trifft zum 2:0 – der YB-Topskorer erzielt im Letzigrund seine Saisontore 26, 27 und 28.
Claudio Thoma/Freshfocus


Und dann ist der Abend zu Ende. Kurz vor halb elf Uhr ist es, und es ist der beste Moment für den FC Zürich. Endlich hat er das Spiel gegen YB überstanden. Er ist mit einem 0:5 davongekommen. Sein Glück besteht darin, dass der Meister im Abschluss nicht einmal richtig ernst macht, er hätte auch acht, neun Tore erzielen können.

Der Match bestätigt, wie kompliziert die Zeiten für den FCZ sind. Sein Name steht für den ersten ernsthaften Corona-Fall im Schweizer Fussball seit dem Wiederbeginn der Meisterschaft. Nach dem Spiel in Neuenburg am Dienstag letzter Woche wird für Spieler, Trainer und Betreuer von der ­Zürcher Kantonsärztin eine zehntägige Quarantäne angeordnet. Deshalb muss am Dienstag darauf eine U-21-Auswahl, die mit Schönbächler, Marchesano und Pa Modou ­ergänzt, aber nicht verstärkt wird, beim Spiel in Basel aushelfen, sie wehrt sich, so gut sie das kann, und verliert 0:4.

Das ist eine fast standesgemässe Niederlage für den FCZ. Zum neunten Mal in dieser Saison kassiert er vier oder mehr Gegentore.

Der FCZ hätte den Match gegen YB gerne um einen Tag verschoben, um zumindest einmal richtig trainieren zu können. Die Swiss Football League hat das Begehren abgewiesen, «ohne Begründung», sagt Thomas Bickel. Der Sportchef mag das nicht weiter kommentieren: «Es bringt nichts, deswegen zu hadern und den Fokus zu verlieren.»

FCZ-Trainer Ludovic Magnin vor dem Spiel mit Maske: «Es ist für mich unbegreiflich, dass wir spielen müssen.»
FCZ-Trainer Ludovic Magnin vor dem Spiel mit Maske: «Es ist für mich unbegreiflich, dass wir spielen müssen.»
Claudio Thoma/Freshfocus

Bickel versucht, die Ruhe zu bewahren. Ludovic Magnin dagegen gibt sich, wenig überraschend, gar keine Mühe, seinen Frust zu verbergen. «Es ist für mich unbegreiflich, dass wir heute spielen müssen», sagt der Zürcher Trainer. Seine Kritik zielt auf die Liga.

Die Spieler, die gegen YB auf dem Platz stehen, treffen sich am Vormittag zu einem «Kurz-Kurz-Training», sagt Bickel, «ein wenig Luft schnuppern, ein paar ruhende Bälle einüben, that’s it». Ungewöhnlich ist das allerdings nicht, es ist das übliche Programm am Tag eines Einsatzes.

Die Spieler fahren in ihren Privatautos direkt ins Stadion, auch das halten sie seit dem Wieder­beginn bei einem Heimspiel immer so. Acht Spieler kehren ins Team zurück, unter ihnen Goalie Brecher, Hekuran Kryeziu und ­Kololli. Dafür fehlen Domgjoni, Nathan, Rüegg, Tosin und Vanins, sie sind wohl die Spieler, die neben Mirlind Kryeziu vom Virus erwischt worden sind.

Die Gefahr, dass diese Saison zur Komödie verkommt

Der Corona-Fall des FCZ bringt das System Schweizer Fussball an seine Grenzen. Das Programm ist seit der Wiederaufnahme der Meisterschaft so eng und straff getaktet, dass bei einem ernsthaften ­Zwischenfall kaum noch Spielraum für Rettungsaktionen bleibt – ohne Gefahr zu laufen, dass die Saison zur Komödie verkommt.

Einzelne Spieler haben sich deshalb unter der Woche zu Wort gemeldet und die Swiss Football League angegriffen. «Skandal, was hier in dieser Liga passiert. Eine absolute Frechheit!», twittert Pajtim Kasami vom FC Sion. Und sein Teamkollege Ermir Lenjani: «Hauptsache alles dafür tun, dass die Liga zu Ende gespielt wird und auf die eigene Kasse schauen.»

Die abwesenden FCZ-Fans dokumentieren ihren Protest.
Die abwesenden FCZ-Fans dokumentieren ihren Protest.
Ennio Leanza/Keystone

Das schreiben sie, weil ihr Spiel mit Sion in Neuenburg wegen eines Corona-Falls bei Xamax vorsorglich um einen Tag verlegt worden ist. Ganz so, als sei es eine Zumutung, eine Nacht mehr in einem schönen Hotel zu verbringen. Mit ihren Kommentaren verraten die beiden, wie wenig sie von Solidarität halten und wie wenig Fussballer manchmal nachdenken. Ihren vollen Lohn kriegen sie nur, weil es die Clubs und damit die Arbeitgeber der Spieler selbst gewesen sind, die sich mit 17 von 20 Stimmen für eine Fortsetzung der Saison ausgesprochen haben.

Der FCZ reagiert für das Spiel gegen YB auf seine Weise, er schliesst alle Zuschauer aus. «Schade», sagt Bickel, auch er hat festgestellt, wie gut es der Atmosphäre tut, wenn 1000 Leute in einem ­Stadion sind. In der Südkurve hängt trotzdem ein Transparent: Dem Teleclub und der Liga wird darauf der Vorwurf gemacht, dass ihr Fairplay beim Profit aufhöre.

Die drei Tore von Nsame und der Trotz von Brecher

Am Nachmittag fragt sich der FCZ-Sportchef noch: «Wie kommen wir aus den Startblöcken? Läuft das Spiel für uns? Ist es ein Vor- oder Nachteil, dass wir mit YB einen starken Gegner haben? Wir haben es ja schon oft erlebt: Wenn man frisch von der Leber weg spielt, mit Herzblut, Leidenschaft und Freude, dann ist vieles möglich.»

Kololli hat eine erste gute Szene, er schlenzt den Ball am hinteren Pfosten vorbei. Das ist nach sieben Minuten, und danach beginnt YB zu machen, was es will. Es lässt sich nur viel Zeit, bis es das erste Tor erzielt. Das fällt in der 33. Minute durch Sulejmani. Eigentlich ist es schon die Entscheidung. Meschak Elia zum Beispiel überfordert mit seinem Tempo den bedauernswerten Stephan Seiler, der hinten rechts aushelfen muss.

Schwere Tage für den FCZ: Nach dem 0:4 in Basel nun ein 0:5 gegen die Young Boys.
Schwere Tage für den FCZ: Nach dem 0:4 in Basel nun ein 0:5 gegen die Young Boys.
Ennio Leanza/Keystone

Nach Hekuran Kryeziu zum 0:1 leistet sich Ilan Sauter, auch er erst 19 wie Seiler, einen kapitalen Fehlpass. Jean-Pierre Nsame nutzt das Geschenk zum 0:2.

Zur zweiten Halbzeit stellt Magnin das System um, er nimmt neben Sauter auch Schönbächler vom Platz. Das hilft alles nichts, Nsame darf in der 48. Minute das 0:3 schiessen und in der 59. Minute gleich noch das 0:4 auf Elfmeter. Seine Bilanz sagt alles: Es ist sein 28. Tor in der Liga, allein sein achtes gegen den FCZ.

Spielmann trifft schliesslich auch noch. Es ist der Schlusspunkt hinter ein Spiel, in dem es zwar um Punkte gegangen ist, das aber spätestens nach einer halben Stunde nur noch den Charakter einer Freundschaftspartie gehabt hat. Für YB ist es der erste Auswärtssieg nach neun Spielen. Beim FCZ gibt sich Captain Brecher trotzig: «Dieses Resultat wirft uns nicht um. Wir haben gut gekämpft.»