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US-Untersuchung gegen frühere CS-Banker

Die amerikanische Justiz wirft zwei ehemaligen CS-Bankern vor, Investoren belogen zu haben. Die Bank selbst sieht das genauso. Sie steht nicht unter Anklage.

Bisher war es nur die UBS, die in den Vereinigten Staaten für negative Schlagzeilen gesorgt hat. Nun hat es auch die Credit Suisse erwischt, allerdings nur indirekt. Die Bank selbst steht nicht im Fokus der Ermittlungen – aber zwei ihrer früheren Mitarbeiter, die im September 2007 von sich aus gekündigt haben, nachdem die Credit Suisse sie zuvor wegen Fehlverhaltens suspendiert hatte.

Die amerikanische Justiz wirft den beiden Brokern vor, Kunden beim Investieren in sogenannte Auction Rate Securities (ARS) belogen zu haben. Das sind langfristige Schuldverschreibungen von Gemeinden, Studentenkreditgebern und anderen Institutionen, deren Zinssätze in regelmässigen Auktionen neu festgelegt werden. Diese Papiere galten lange als sehr liquid und sicher. Der Markt wuchs bis letztes Jahr auf 330 Milliarden Dollar an, geriet dann aber in den Strudel der Hypothekenkrise. Mitte Februar brach er völlig zusammen. Die Investoren sitzen nun auf Papieren, die sie nur mit grossem Verlust verkaufen können, wenn überhaupt.

Kein zweiter Fall UBS

Auch gegen die UBS wird in diesem Zusammenhang ermittelt: Der Bundesstaat Massachusetts wirft der Grossbank vor, Kunden bei der ARS-Beratung hinters Licht geführt zu haben. Allerdings ist der Fall ein wenig anders gelagert. Bei der UBS handelt es sich um eine Zivilklage. Diese richtet sich gegen die Bank, die sich gegen die Klage wehrt.

Bei der CS geht es um eine Strafklage, die sich aber ausdrücklich nur gegen die beiden ehemaligen Mitarbeiter richtet – die Bank selbst kooperiert vollumfänglich. «Etwa vor einem Jahr haben wir verbotene Aktivitäten zweier früherer Mitarbeiter entdeckt, die sofort suspendiert wurden», schreibt die CS. «Die beiden Mitarbeiter haben ihre Verpflichtungen gegenüber der Credit Suisse und unseren Kunden missachtet. Wir haben umgehend unsere Aufsichtsbehörde informiert und arbeiten seither eng mit ihr zusammen.»

Ganz anders sehen das die Anwälte der Broker, die beide Mitte 30 sein sollen, seit 2003 bei der Credit Suisse arbeiteten, zuvor bei Lehman Brothers. Sein Mandant habe niemanden getäuscht, sagt Kenneth Breen. «Er sollte nicht für eine unvorhersehbare Marktentwicklung bestraft werden.» Zudem habe es sich bei den Klienten seines Mandanten um erfahrene Investoren gehandelt, die sich über die Risiken sehr wohl im Klaren gewesen seien – und die gekauften ARS hätten ein Triple-A-Rating gehabt, also die höchste Bonitätsstufe.

Bei den meisten Wallstreet-Banken wie auch bei der Credit Suisse haben Broker beim Verkauf von ARS drei- bis viermal höhere Kommissionen einstreichen können als bei anderen Anlageinstrumenten, was natürlich ein zusätzlicher Anreiz war. Das «Wall Street Journal» zitiert ungenannte Quellen, nach denen die beiden Broker in den letzten zwölf Monaten bei der CS 6,4 Millionen Dollar an Honoraren und Kommissionen ausbezahlt erhielten und Anlagen im Wert von 2,3 Milliarden Dollar bewirtschafteten.

Warnschuss für die Banken

Zudem gab es letzten Herbst bereits zwei zivilrechtliche Vergleiche mit verärgerten Kunden, einmal über 7 Millionen, einmal über 3,6 Millionen Dollar. Dass es nun im Zusammenhang mit ARS erstmals ein strafrechtliches Verfahren gibt, werten Experten als zusätzlichen Druck auf die Banken, mit solchen Anlageinstrumenten verantwortungsvoller umzugehen.

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