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US-Richter befürchten, dass Birkenfeld abtaucht

Kein Starbanker, aber jemand, der um seine Existenz bangt. Diesen Eindruck vermitteln die Anwälte von ihrem Mandanten, Ex-UBS-Mitarbeiter Bradley Birkenfeld, vor dem Gericht.

Barry S. Seltzer, der zuständige Richter in Fort Lauderdale, der im vergangenen Mai den ehemaligen UBS-Mitarbeiter Bradley Birkenfeld über seine Arbeit befragte, schien diesem nicht recht zu trauen. Dies geht aus dem Gerichtsprotokoll hervor, das der «Sonntagsblick» heute publik machte. «Ich mache das schon lange genug, um ernsthafte Zweifel zu haben, ob Sie nicht noch über viel mehr finanzielle Mittel verfügen, als sie mir erzählen», sagte der Richter. Er vermutete, Birkenfeld könnte in die Schweiz abtauchen, wo er in Zermatt ein Chalet im Wert von einer Million Franken sein Eigen nennt.

Birkenfeld hatte während der Anhörung am 18. Mai zwar eingestanden, in seiner Funktion als UBS-Mitarbeiter für mindestens einen Steuerausfall von 7 Millionen Dollar verantwortlich gewesen zu sein. Dazu habe er Dokumente gefälscht. Doch er habe nicht allein gehandelt, sondern in dieser Tätigkeit stets an seine Vorgesetzten rapportiert.

Misstrauisch erkundigte sich Richter Seltzer in der Verhandlung danach, warum Birkenfeld in der Schweiz noch einen BMW besitze, wenn doch der Walliser Kurort verkehrsfrei sei. Immerhin sei es keine «Mark-Rich-Situation», stellte der Richter in Anspielung auf den Zuger Rohwarenhändler erleichtert fest. Dieser gehörte in den USA während Jahren zu den meistgesuchten Steuerhinterziehern, aber verfügt im Gegensatz zu Birkenfeld über die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Birkenfeld und seine Anwälte, Peter Raben und Danny Onorato, waren bemüht, ein ganz anderes Bild zu zeichnen. In die Schweiz zurück zu kehren sei «wirklich keine Option», da er mit den US-Behörden kooperieren wolle und ihm in der Schweiz wegen seiner Verstösse gegen das Bankgeheimnis eine Strafverfolgung drohe.

Schulden und unverkäufliche Aktien

Seine finanzielle Lage stellte Birkenfeld eher düster dar. Das Haus im Zermatt sei zu drei Viertel mit Hypotheken belastet und über den grossen Brocken seines Vermögens, rund 650 000 Dollar, könne er nicht wirklich verfügen, da sie in kaum handelbaren Aktien investiert seien. Auf seinen weiteren drei Bankkonten lägen nur je 2000 bis 3000 Dollar. Ob er wirklich nicht über weitere Vermögenswerte verfüge, wollte der Richter mehrfach wissen. «Ich schulde verschiedenen Leuten noch Geld», erwiderte Birkenfeld.

Dass der ehemalige UBS-Mitarbeiter überhaupt bis zum eigentlichen Prozess wieder auf freiem Fuss kam, gelang nur dank einer Kaution von 2,1 Millionen Dollar, die sein Vater und sein Bruder bezahlt haben. Weitere Bedingungen für die vorübergehende Freilassung waren, dass er nach zehn Uhr abends das Haus seines Bruders in der Nähe von Boston nicht verlassen darf und ein elektronisches Fussband tragen muss. Seinen Pass musste er genauso abgeben wie seine Schusswaffe. Regelmässige Urinproben sollen sicher stellen, dass er auf übermässigen Alkoholgenuss und illegale Drogen verzichtet.

Sorge bereitet Birkenfeld seine berufliche Zukunft, weil der Richter ihm die Arbeit in seinem angestammten Tätigkeitsfeld untersagt. «Das Gericht muss sich bewusst sein, dass er nur Erfahrungen in der Schweizer Bankenwelt hat», klagte Birkenfelds Anwalt. Das liess den Richter kalt: «Aus offensichtlichen Gründen ist es für ihn nicht möglich, weiterhin in der Finanzbranche zu arbeiten». Jemand von Birkenfelds Intellekt könne eine andere Arbeit finden, auch wenn es vielleicht nicht sein Traumjob sein werde. Ob eine Bank den «Überläufer» überhaupt noch anstellen würde, ist eine andere Frage.

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