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US-Krise schwächt Schwellenländer wenig

Die Aktienmärkte der Schwellenländer haben die turbulente Börsenphase überraschend gut überstanden und die Verluste schon fast wettgemacht.

Wer wagt, der gewinnt. Ein Sprichwort, dass sich auch an der Börse bewahrheitet. Zumindest bei Engagements in die aufstrebenden Regionen - die Emerging Markets - hat sich das Risiko für viele Investoren in den vergangenen Jahren trotz diverser Finanzkrisen ausbezahlt. So schnellten die Aktienkurse gemessen am jeweiligen MSCI-Länder-Index in Dollar in Brasilien oder Russland im Zeitraum zwischen 2000 und 2007 um satte 400 respektive 500 Prozent in die Höhe.

Im laufenden Jahr allerdings schüttelte die US-Kreditkrise die Börsen in Schwellenländern kräftig durch. Das ist wenig überraschend, da die Emerging Markets von globalen Finanzkrisen stärker als etablierte Märkte betroffen sind. Denn wenn die Zeichen auf Sturm stehen, trennen sich Anleger zuerst von vermeintlich risikoreicheren Anlagen.

Vertrauen hat zugenommen

Überraschend ist vielmehr, wie gut eine stattliche Zahl der Schwellenländerbörsen die Turbulenzen bisher verkraftet hat. Die zunehmende Robustheit spiegelt sich im Kursverlauf des MSCI Emerging Market Index, der die Preisentwicklung von über 900 Unternehmen aus 25 Ländern abbildet. Der Index hat 2008 seine Verluste fast wettgemacht und flirtet bereits wieder mit der Pluszone. Das ist ein Zeichen dafür, dass Anleger Unternehmen aus den aufstrebenden Märkten einiges zutrauen und sich auch von einer Abschwächung der US-Konjunktur nicht zu sehr abschrecken lassen.

«Die wirtschaftliche Abhängigkeit wichtiger Schwellenländer von den USA hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen», konstatiert Christian Deseglise, Chefstratege Emerging Markets der britischen Grossbank HSBC. Die Schwellenländer hätten punkto Wachstumsdynamik den industrialisierten Ländern den Rang abgelaufen. Der Anteil der Emerging Markets am Wachstum der Weltwirtschaft sei in den letzten drei Jahren auf über 50 Prozent gestiegen.

Wachstum bleibt stark

Ein Trend, der sich in den kommenden Jahren fortsetzen dürfte, da einerseits der Handel unter den aufstrebenden Ländern rapide zunimmt und anderseits massive Investitionen in Infrastrukturen und eine vielerorts kräftig anziehende Binnenkonjunktur für weitere Impulse sorgen werden. Die Finanzierung von Infrastrukturprojekten sollte dabei wenige Probleme aufwerfen, wie eine neue Studie der Wirtschaftspublikation Asian Investor verdeutlicht. So sind die verwalteten Vermögen der 200 grössten Institutionen Asiens (Zentralbanken und Staatsfonds) auf hohe 11'000 Milliarden Dollar angewachsen.

Trotz aussichtsreichen Perspektiven stellt sich für Anleger die Frage, ob sich ein Einstieg nach den teils massiven Kursanstiegen noch lohnt. Verfügt man über einen ausreichend langen Anlagehorizont ist die Antwort eindeutig zu bejahen. Ein starkes Argument dafür liefert die nach wie vor robuste wirtschaftliche Verfassung der vier Zugpferde Brasilien, Russland, Indien und China. Diese unter dem Kürzel Bric zusammen gefassten Länder stehen stellvertretend für den Aufschwung der Emerging Markets. Genauer: Die vier Länder vereinen 42 Prozent der Weltbevölkerung, erwirtschaften zusammen fast 15 Prozent des Welt-Bruttoinlandproduktes und erzielten 2007 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von rund 9 Prozent.

Brasilien profitiert von Rohstoffen

Derzeit am besten im Schuss ist Brasilien, welches wie Russland von Rohstoffreichtum und einer stark wachsenden Binnennachfrage profitiert. Anfang Mai sorgte die Kredit-Rating-Agentur Standard & Poor’s zudem für eine positive Überraschung. Sie verlieh brasilianischen Staatsanleihen das Gütesiegel «Investment Grade». Die Bonitätsverbesserung erlaube nun auch grossen institutionellen Anlegern in brasilianische Staatspapiere einzusteigen, weiss Sandro Rosa, Investmentstratege bei Clariden Leu. Brasilien ist im Aufwind – daran dürfte sich in nächster Zeit wohl wenig ändern.

Dies gilt auch für Russland; der Wirtschaftsmotor läuft getrieben von explodierenden Energiepreisen auf vollen Touren. Aber auch Bau, Handel und Finanzen kommen in Schwung.

Unter dem Strich weisen die Bric-Länder weiterhin ein attraktives Chancen-Risiko-Profil auf. Die politischen Risiken sind überschaubar, die grösste Gefahr droht wohl von einem möglichen scharfen Rückgang der Rohstoffpreisen und einer weiter steigenden Inflation besonders in China und Indien.

Anleger, die auf die Bric-Staaten setzen wollen, können auf diverse Bric-Vehikel zurückgreifen. Eine Möglichkeit ist der DWS Invest-Bric Plus (Valor 2098016). Eine weitere Variante ist der Kauf eines ETF auf den MSCI Emerging Market Index. Beispiel: Der iShares MSCI Emerging Markets (Valor 2308849). Keine gute Idee ist es hingegen, Wetten auf einzelne Länder einzugehen.

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