Wie erfundene News den US-Wahlkampf mitprägten

Während des US-Wahlkampfs verbreiteten sich angebliche News zu Trump und Clinton auf Facebook millionenfach. Eine Analyse zeigt nun: Von den zehn erfolgreichsten Artikeln auf Social Media war bei der Hälfte der Inhalt frei erfunden.

War unter anderem Opfer von Falschmeldungen während des US-Wahlkampfes: Hillary Clinton.

War unter anderem Opfer von Falschmeldungen während des US-Wahlkampfes: Hillary Clinton. Bild: Keystone

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Die Schlagzeilen konnte man fast nicht ignorieren: «Hillary Clinton verkauft Waffen an IS». Oder: «Hillary Clinton führt mit ihrer Beraterin Huma Abedin einen Kindersexring». Oder: «Papst Franziskus unterstützt Trump». Es waren Schlagzeilen von Artikeln, die während des US-Wahlkampfs plötzlich im Netz auftauchten und innert kürzester Zeit millionenfach auf Facebook weiterverbreitet wurden. Nur: Sie waren allesamt frei erfunden.

Fake vor Facts

Bereits vor der US-Wahl hatte das amerikanische Onlinemagazin «Buzzfeed News» analysiert, dass willkürliche Falschmeldungen auf Facebook oft häufiger geteilt und kommentiert würden als recherchierte Nachrichten, die auf Fakten basierten. Nun hat das Portal eine weitere Analyse nachgeliefert, die zeigt, welche Dynamik solche Falschmeldungen in den sozialen Medien effektiv entwickeln können. In der Studie untersuchten die Autoren diejenigen Artikel, die in den drei Monaten vor der US-Wahl auf Facebook am meisten gelikt, geteilt oder kommentiert worden sind.

Das Resultat: Von den zehn am meisten verbreiteten Posts war die Hälfte reine Falschinformation. Hier eine Grafik zur Illustration:

So wurde etwa die frei erfundene Meldung, Papst Franziskus unterstütze offiziell Donald Trumps Kandidatur, auf Facebook fast eine Million Mal weiterverbreitet – und damit mehr als manche fakten­basierte Enthüllung eines renommierten Mediums wie der «Washington Post», der «New York Times» oder CNN.

Lukrative Lügen

Dass sich mit den Falschmeldungen in den sozialen Medien leicht politische Meinungsmache betreiben lässt, liegt auf der Hand. Dahinter stecken aber auch finanzielle Interessen. Das hat unlängst das Beispiel der mazedonischen Kleinstadt Veles gezeigt, wo Jugendliche Dutzende Pro-Trump-Websites mit frei erfundenen News aufschalteten und diese in professionell daherkommendem Layout verbreiteten.

Das Konzept: Je abenteuerlicher die Schlagzeile, desto häufiger wird die Story angeklickt. Je mehr Klicks, desto mehr Anzeigengeld von Google und Facebook. Bis zu 5000 Dollar pro Website verdienten die Studenten so pro Monat – eine schöne Stange Geld in einem Land, wo der Durchschnittslohn knapp 350 Dollar beträgt.

Facebook in der Kritik

Die Diskussion um die Verbreitung gefälschter Nachrichten hat im Nachgang zu den US-Wahlen hohe Wellen geschlagen. Und sie hat Facebook Kritik eingebracht. Die mächtige Plattform, so die Meinung vieler, solle gefälligst etwas gegen die Lügennachrichten tun. Prompt meldete sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg zu Wort und räumte in einer Stellungnahme ein, dass seine Firma noch mehr gegen das Problem unternehmen könne. Seine auf Facebook gemachte Ankündigung sorgte für Aufsehen – und wurde im Nu hunderttausendfach gelikt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.11.2016, 12:16 Uhr

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