Unihockey, Schiessen und Badminton – oder von Sportarten im Abseits

Unihockey, Schiessen, Badminton und Co: Diese und andere Sportarten zählen zu den Randsportarten. Marlene vom PFEFFER hat recherchiert und sich persönliche Gedanken darüber gemacht – nachstehend ihr Fazit.

Eine Randsportart: Charles Menetrey, Präsident des Oberländischen Schützenverbandes, zielt durch das Visier.

Eine Randsportart: Charles Menetrey, Präsident des Oberländischen Schützenverbandes, zielt durch das Visier.

(Bild: Jürg Spielmann)

Randsportarten sind diejenigen Sportarten, die von den Medien nur am Rande wahrgenommen werden und die kaum öffentliche Aufmerksamkeit geniessen dürfen. Dazu werden sie nur von wenigen Personen betrieben, die diesen Sportarten meist als Amateure nachgehen.

In diese Kategorie fallen unter anderen Sportarten wie Billard, Unihockey, Wasserball, Badminton und jegliche Schiesssportarten. Im Gegensatz zum Fussball, der bei vielen Zeitungsausgaben die Titelseite schmückt, werden diese Sportarten nur wenig erwähnt. Auch im Fernsehen sind sie selten zu sehen. So werden sie immer mehr in den Hintergrund geschoben und gehen hinter den populären Sportarten verloren.

Randsport im Teufelskreis

Besonders das Fernsehen ist für die Popularität einer Sportart ausschlaggebend. König Fussball herrscht auch hier über alle Bildschirme und kurbelt so zusätzlich die Beliebtheit an. Bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft sitzt die Mehrheit der Nation vor dem Fernseher. Und mit den Einschaltquoten werden Millionenumsätze gemacht. Die Sender setzen deshalb auf populäre Sportarten, welche viel Werbegeld einbringen. Genau diese Popularität wird durch das Fernsehen weiter gesteigert. Randsportarten haben also gar keine Chance, richtig populär zu werden, da ihnen das nötige Geld für die Aufmerksamkeit des Fernsehens fehlt.

Wo nur wenige Leute hinschauen, fliessen keine Werbe- und Sponsorengelder. Entscheidend für die Popularität ist, ob die Sportart eine olympische Disziplin ist oder nicht.

Eine Frage der Lage?

Auch zu beachten ist, von welchem Land punkto Randsportarten die Rede ist. Dies ist verschieden, und die Unterschiede sind zum Teil sehr gross. In Amerika ist American Football klar die populärste und wahrscheinlich auch meistgespielte Sportart. In der Schweiz ist American Football ziemlich unbekannt und medienmässig wenig präsent. Dasselbe gilt für Baseball, welcher ebenfalls in den USA ein Hauptmedienereignis ist, in der Schweiz jedoch kaum beachtet wird. Wer eine in der Schweiz eher seltene Sportart betreiben will, muss auch einen gewissen Aufwand betreiben, da das Angebot relativ gering ist.

Genau umgekehrt ist es beim Fussball, welcher bei uns allgegenwärtig ist. In Amerika wird dem Fussball kaum Bedeutung geschenkt, während hier in der Schweiz fast jeder Knabe und immer häufiger auch Mädchen einmal Fussball gespielt haben.

Einfaches Spielprinzip

Ein weiterer Grund, weshalb Fussball so populär ist, ist das einfache Spielprinzip. Die Regeln sind klar und leicht verständlich und der Spielablauf übersichtlich. Diese Faktoren sind bei anderen Sportarten, wie etwa beim Schach, komplizierter. Beim Fussball braucht es weiter auch nur eine geringe Infrastruktur. Wer Fussball spielen will, braucht einen Ball und einen möglichst ebenen Untergrund. Fussball bedingt auch nicht vermögende Eltern oder ein hohes Einkommen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Afrika, wo Menschen überall Fussball spielen, auch ohne dass sie dazu ein riesiges Stadion und eine teure Ausrüstung benötigen.

Dies ist bei anderen Sportarten anders; beim Reiten beispielsweise braucht es ein grosses Portemonnaie, um diesem Hobby nachzugehen. Nebst den hohen Kosten ist der Zeitaufwand zudem riesig.

Eine Frage des Spektakels

Sportarten sind besonders beliebt, wenn sie für einen gewissen Nervenkitzel sorgen. Gefragt sind auch 1:1-Kämpfe wie beim Boxen. Bei Sportarten, bei denen man nicht genau verfolgen kann, was passiert, oder wenn schlicht einfach zu wenig Action geboten wird, zappt man schneller weg. Aus diesem Grund sind Schiesssportarten wie Tontaubenschiessen wenig beliebt, da bei diesen Sportarten einfach die Spannung fehlt. Was die Zuschauer wollen, ist ein aufregendes Spiel, wo man richtig mitfiebern und sich mit den Sportlern identifizieren kann.

Während es bei den bekannten Sportarten meistens nur um das Gewinnen und um die Karriere geht, zählt bei den Randsportarten die Freude am Sport. Gerade bei den etwas ausgefalleneren Sportarten wie zum Beispiel Baumstammwerfen, Strandsegeln und Gummistiefelweitwurf steht die Freude am Sport und am Spiel im Vordergrund.

Marlene Hiltpold (18) wohnt in Thun und besucht die Fachmittelschule Thun-Seefeld. Ihre Hobbys sind Freunde, Schreiben, Volleyball und Reiten.

Thuner Tagblatt

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