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Hausgemachte GlaceUnd dann bin ich im Snickers-Himmel

Glace bedeutete für unsere Autorin bis anhin: ein Vanillecornet im Kino, eine Caféglace im Restaurant. Bis «Petite» in ihr Leben trat. Jetzt bestimmt die Glacemaschine ihr Essverhalten. Und das erst noch mit «Dolce far niente»-Gefühl.

Die Möglichkeiten sind sozusagen unmöglich: Ein Eisbecher zum Dahinschmelzen.
Die Möglichkeiten sind sozusagen unmöglich: Ein Eisbecher zum Dahinschmelzen.
Foto: Getty Images

In meinem Bekanntenkreis geht ja das Gerücht, dass ich einst Bouillonglace aufgetischt hätte. Nach einer üppigen Vorspeise mitsamt Salat, aber vor dem Hauptgang, so erzählt man sich, sei ein Sorbet aufgetaucht, ich hätte es zumindest so genannt. Niemand habe es gemocht und angerührt, doch ich hätte es, ohne mit der Wimper zu zucken, wieder abgeräumt.

Ich erinnere mich nicht an dieses Zwischenspiel, vielleicht hab ich es auch einfach verdrängt. Sicher ist: Da hatte ich «Petite» noch nicht.

«Petite» ist eine Glacemaschine, bestellt habe ich sie bei Betty Bossi, sie war im Sonderangebot. Nicht deswegen steht sie jetzt auf dem Küchentisch und verhindert, dass ich dort richtig koche. Auch nicht wegen nie endender Sehnsucht nach dem Süden, von der jetzt alle reden. Sondern weil ich seit vielen Jahren im Sommer von Snickers Icecream träume. Einst hatte ich das Industrieprodukt zu meiner Lieblingsglace auserkoren, vergesse aber von Jahr zu Jahr, sie zu kaufen. Erst jetzt geht mir auf: Ich kann sie ja selbst herstellen!

Die Glacemaschine «Petite» Rosa ist, der Name sagt es, ziemlich klein. Das ist gut, sie würde im Schrank noch Platz finden, wenn ich sie denn verstauen würde. Was ich nicht tue. Weil ich neuerdings wie eine Irre verschiedene Mischungen in das Gehäuse in kühlem Design hineingiesse und Stunden damit verbringe, auf eine Glace zu warten.

  Die Glacemaschine – ohne «Hard»-Taste, dafür aber schön pink.
Die Glacemaschine – ohne «Hard»-Taste, dafür aber schön pink.
Foto: PD

Was die Sicherheit angeht, kann «Petite» mit den Grossen mithalten: Acht Seiten Sicherheitshinweise muss ich durchackern vor der Inbetriebnahme. Ich bekomme einen heissen Kopf. Und denke an die Gelateria nur ein paar Strassen weiter.

Trotzdem mache ich mich dann an eine Sorte, einer, von der ich seit je fasziniert bin: Pistache. Scusi, Pistacchio, weil ich ja von den handgemachten rede, nicht von den giftgrünen Kugeln im Tête-à-Tête-Coupeglas in der Landbeiz. Das Rezept im mitgelieferten Büechli von Betty Bossi scheint mir denkbar einfach, so im Dolce-far-niente-Stil: 40 g ungesalzene geschälte Pistazien, 1,5 dl Milch, 1,5 dl Rahm, 50 g Puderzucker, die abgeriebene Schale einer halben Zitrone. Pistazien mahlen, alles mischen, in die Maschine füllen und fertig.

Also, nicht ganz. Die Wartezeit betrage, lese ich, über eine Stunde. «Petite» hat keine «Hard»-Taste, die ich nach Anweisung starten sollte, sondern nur eine, auf der «normal» steht. Die drücke ich. Einen Höllenlärm macht sie auch, nichts für schwache Nerven und ungeduldige Gemüter, wie ich eines bin.

Denn Glacemachen hat etwas mit Geduld zu tun. Es nützt nichts, alle fünf Minuten in die blassgrüne Masse zu starren, nur um zu sehen, dass das Paddel der Maschine in der immer noch flüssigen Pistachemasse rührt. Das zeitgleich hereinflatternde Bild eines Kollegen, der am Meer ein Cornet isst (Vanille, wie öde!), lässt mich kalt, nicht aber die Ungewissheit: Wird das mal noch was? Es wird. Köstlich. Vielleicht einen Tick zu süss und mit etwas zu viel Zitronenzeste, doch alles in allem: Für süsses Nichtstun habe ich schon weniger bekommen.

Und so wurde ich zur Gelataia. Falls es diesen Ausdruck gibt.

Der nächste Versuch: eine Kirschen-Schoggi-Glace, wirklich gut, und beim darauffolgenden, einem Beerensorbet, fühle ich mich wie ein Profi. Nachts surfe ich auf den Seiten von Schweizer Gelaterias herum, auf dem Heimweg mache ich neuerdings extra Umwege, um bei Eisdielen Ideen zu klauen. Bei La Golosa im Monbijou in Bern entdecke ich zum Beispiel «Ricotta e Fichi», Ricotta und Feigen. Ist grad noch «molto ambizioso», finde ich, aber bald bin ich so weit.

Bei der Basilikumglace mache ich einen Anfängerfehler. Statt weissen Zucker mische ich braunen mit der Zitronenschale. Was zur Folge hat, dass, statt einer Farbe, wie sie an den lieblichen Hügeln in der Toskana zu sehen wäre, sich eine braune Sauce bildet, mehr zweite Reihe am verschmutzten Strand. Köstlich ist sie trotzdem. Ein bisschen wie ein Essen in einer Trattoria, wenn auch ohne Parmesan.

Manchmal giesse ich Likör oder Wodka zu meinen Mischungen oder schnipsle frische Kräuter dazu. Selbst wenn Freestylen etwas heikel ist beim Glacemachen. Wie beim Backen, mit Änderungen von Aggregatszuständen hatte ich es schon in den Physikstunden nicht so. Und wenn etwas nicht funktioniert, ist es auch nicht so schlimm – der Arbeitsaufwand hält sich tatsächlich in Grenzen. Und: «Petite» lehrt mich, geduldig zu sein.

Mein diffuser Sommertraum übrigens schmeckt gar nicht nach Snickers Icecream. Sondern besser. Viel besser.