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Tierquäler in Rüeggisberg?Unbekannter schoss auf Hund

Fabienne Dähler aus Rüeggisberg fand ein Projektil im Bauch ihres Hundes. Dabei war George nur kurz ausgebüxt.

Mit dem Schrecken davongekommen: Hund George und Frauchen Fabienne Dähler.
Mit dem Schrecken davongekommen: Hund George und Frauchen Fabienne Dähler.
Foto: Raphael Moser

Das war Glück im Unglück, wie George es vermutlich schon oft erlebte. Der etwa fünfjährige Mischlingsrüde verbrachte seine ersten Lebensjahre als Strassenhund in der Slowakei. Und hatte Glück. Er entkam dort nicht nur der Tötungsstation, sondern fand vor drei Jahren auch ein Frauchen, Fabienne Dähler aus Rüeggisberg. «Niemand wollte George, weil er kein Welpe mehr war und bereits unter schmerzhafter Arthrose leidet», sagt sie, während der kurzhaarige Schwarze lauscht, als ob er verstünde, dass die Menschen über ihn reden.

Er schmiegt sich an Fabienne Dählers Beine. Dabei wird eine rasierte Stelle an seinem Bauch sichtbar, über die bereits wieder Haare wachsen. An Georges Unterbauch befindet sich die Narbe einer Operation, die ihm das Leben rettete.

Vor bald zwei Wochen hatte sein Frauchen nämlich eine harte Stelle ertastet, die sie vom Tierarzt untersuchen liess, der dort nicht einen Tumor, sondern ein acht Millimeter langes Projektil entfernte, das von einem Flobert oder einem anderen Luftgewehr stammt. «Das Projektil ist beschädigt. Wahrscheinlich wurde George von einem Abpraller getroffen», vermutet die Hundehalterin.

Hund büxte aus

George ist ein sanftmütiges, ruhiges Tier. Aber manchmal spürt er plötzlich seine Strassenhund-Gene, und der sonst gehorsame Hund macht sich schnurstracks auf und davon. So wie damals letzten Mai, als er im Wald oberhalb des Hauses verschwand, ohne auf Rufe und Pfiffe zu reagieren.

«Erst nach zwei Stunden kam er zurück, mit Blut an der Schnauze. Aber ich weiss ja, dass George seine Nase überall hineinsteckt, und machte mir deshalb keine Sorgen», sagt Fabienne Dähler. Eine Wunde habe sie nirgends entdeckt, auf den harten Buckel am Bauch sei sie erst aufmerksam geworden, als sie ihn wie jeden Tag gründlich gebürstet habe.

«Was bei dieser Operation zum Vorschein kam, schockiert mich bis heute zutiefst.»

Fabienne Dähler, Hundehalterin

«Was bei dieser Operation zum Vorschein kam, schockiert mich bis heute zutiefst. Die Frage, ob es in unserer Gegend einen Tierquäler oder Hundehasser gibt, beschäftigt mich.» George sei ängstlicher geworden, sonst merke man ihm nichts Aussergewöhnliches an. «Wenn er nur erzählen könnte, was ihm passiert ist», sinniert die junge Frau.

Kein Verdacht

Fabienne Dähler wohnt mit ihrem Lebenspartner in einem umgebauten Einzelhof ob dem Schwandwald, auf Boden der Gemeinde Rüeggisberg. Die beiden führen zusammen das Café 21 in Toffen und teilen sich Arbeit und Hundebetreuung auf. Dähler kann sich nicht vorstellen, dass einer der wenigen Nachbarn ihren Hund verletzt haben könnte. «Ich habe mit allen ein gutes Verhältnis. Diejenigen, die weiter weg, hinter dem Wald, wohnen, kenne ich natürlich nicht – es kann sein», sagt Dähler, die bei der Polizei eine Anzeige gegen Unbekannt erstattet hat.

Bei der Medienstelle der Kantonspolizei bestätigt man, dass wegen des Vorfalls, bei dem es sich um ein Offizialdelikt handelt, eine Anzeige erfolgte. Der Sachverhalt werde jetzt abgeklärt. Andere Aggressionen gegen Hunde habe es in der Region in letzter Zeit nicht gegeben. Aber solches komme durchaus vor.

Die Hundehalterin möchte die Leute in der Region darüber informieren, dass es gegenüber jedem freilaufenden Hund zu einer Gewaltanwendung kommen könnte. Sie empfiehlt äusserste Vorsicht und dauernde Beaufsichtigung des Tiers. «George halte ich jetzt draussen immer an der Leine. Mehr kann man nicht machen.» Damit ist Schluss mit den Strassenhunde-Gewohnheiten. «Man weiss ja nie.»