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Kommentar zum FriedensnobelpreisÜber den Preisträger kann man sich wundern

Das Welternährungsprogramm WFP sichert vielen Menschen in Not das Überleben. Doch die Arbeit der Organisation
löst nicht nur Probleme, sie schafft auch viele neue.

Helfer des World Food Program (WFP) in Burkina Faso.
Helfer des World Food Program (WFP) in Burkina Faso.
Foto: Anne Mimault (Reuters) 

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an das Welternährungsprogramm WFP. Das ist eine sehr ambivalente Entscheidung. Natürlich sind die Helfer der Vereinten Nationen eine äusserst professionelle Truppe, natürlich ist es häufig allein das WFP, das ausreichende Mittel und Fähigkeiten hat, um in Notlagen schnell und sicher genügend Essen heranzuschaffen, sodass Kriegsvertriebene oder Opfer von Katastrophen trotz grösster Not überleben können. Die Bedeutung dieser Arbeit ist unbestritten; globale Nothilfe beweist Mitmenschlichkeit, sie ist Ausweis einer humanen Gesinnung, die globale Anerkennung verdient.

Nur sollte man das WFP auch nicht einseitig verklären. Denn seine Arbeit löst nicht nur Probleme, sie schafft auch viele neue. Zum Beispiel dort, wo Nothilfe jahrelang geleistet wird und niemand mehr das Bedürfnis verspürt, daran etwas zu ändern, weil sich alle bestens eingerichtet haben mit dem WFP. So entstehen keine funktionierenden Märkte, so baut man keine Ökonomie nach Kriegen und Katastrophen auf. In solchen Verhältnissen musste sich das WFP schon öfter fragen lassen, ob sein Einsatz eigentlich noch nützt oder schon schadet.

In jedem Fall gibt es einige gute Gründe, die Rolle des WFP als universeller Friedensbringer anzuzweifeln.
Wer argumentiert wie das Nobelkomitee, wird der desaströsen Dynamik von Kriegen kaum gerecht, in denen Hunger als eine besonders hässliche und wirksame Waffe zum Einsatz kommt. Das WFP kann sie nicht aushebeln. Vielmehr sind Nothelfer häufig Teil der Kalkulation von Kriegstreibern und können sich dem kaum entziehen.

Das WFP kann sich nicht der Gefahr entziehen, dass seine Arbeit von jenen politisch missbraucht wird, die Macht und Kontrolle in Kriegen ausüben.

Sudan, Somalia, Jemen – man kann die Liste weiter verlängern: Es hat in den vergangenen Jahrzehnten Dutzende von Kriegen und Konflikten gegeben, vor allem in Afrika, in denen die Not und das Leiden der Bevölkerung zu einem grossen Faktor im Kalkül von Warlords, Milizen und Armeen geworden sind. Das WFP musste in all diesen Krisen schwierige Entscheidungen treffen und auch mit Kräften verhandeln, die als Kriegsverbrecher vor ein Tribunal gehörten. Weil aber Nahrung ein so strategischer Faktor ist, kann sich das WFP nicht der Gefahr entziehen, dass seine Arbeit von jenen politisch missbraucht wird, die Macht und Kontrolle in Kriegen ausüben. Wer Hilfe vom WFP organisieren kann, gilt als Retter; die Warlords dieser Welt wissen das und haben dieses Werkzeug oft genug benützt, am längsten wohl in den Savannen des Sudan.

Für die Helfer im Einsatz ist das oft ein unauflösbares Dilemma. Ihre Arbeit, Menschen zu retten, nützt in vielen Fällen auch jenen, die als Kriegstreiber dadurch ihre Macht festigen. Insofern darf man sich über diese Entscheidung des Nobelkomitees zumindest ein wenig wundern.

21 Kommentare
    Sven Steuer

    Wie krank ist den die Logik in diesem Kommentar. Fehlt nur noch das Schlagwort Gutmenschen. Herr Perra sollte doch mal eine Woche Ferien in einer der von ihm genannten Regionen machen. Reisen bildet bekanntlich.