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Irak, Somalia und AfghanistanBerichte: Trump drückt bei Truppenabzug aufs Tempo

Vor dem Ende seiner Amtszeit will der amtierende amerikanische Präsident die Zahl der US-Truppen im Ausland offenbar weiter reduzieren. Führende Republikaner warnen davor.

Versprach bereits im Wahlkampf 2016, US-Truppen nach Hause zu holen: Donald Trump besucht 2019 amerikanische Soldaten auf der Bagram Air Base nördlich von Kabul. (Archivbild)
Versprach bereits im Wahlkampf 2016, US-Truppen nach Hause zu holen: Donald Trump besucht 2019 amerikanische Soldaten auf der Bagram Air Base nördlich von Kabul. (Archivbild)
Keystone/Alex Brandon

Der amtierende US-Präsident Donald Trump will vor dem Ende seiner Amtszeit im Januar nach übereinstimmenden Medienberichten die Zahl der US-Truppen im Ausland weiter reduzieren.

Kommandeure bereiteten sich auf einen Befehl vor, die Zahl der Soldaten in Afghanistan bis zum 15. Januar von derzeit rund 4500 auf etwa 2500 zu reduzieren, berichtete der Sender CNN am Montag, bevor weitere Medien nachzogen. Das Weisse Haus verwies auf Anfrage auf das Pentagon. Auch dort gab es zunächst keine Bestätigung für die Berichte. Führende Republikaner im US-Kongress warnten vor vorschnellen Aktionen.

Trumps Amtszeit endet am 20. Januar. Aus der Präsidentenwahl am 3. November war der Demokrat Joe Biden als Sieger hervorgegangen.

Auch Irak und Somalia betroffen

Den Berichten zufolge wird erwartet, dass Trump auch weitere Einschnitte bei den Soldaten im Irak befehligen dürfte. Dort sind nach CNN-Angaben noch 3000 US-Soldaten im Einsatz. Trump hatte bereits im September eine Reduzierung der Truppenstärke im Irak von 5200 auf 2000 Mann in Aussicht gestellt. Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf einen Entwurf der Anordnung, dass fast alle der mehr als 700 in Somalia stationierten Soldaten das Land verlassen sollten.

Bereits im Wahlkampf 2016 hatte der Republikaner versprochen, US-Truppen nach Hause zu holen. Knapp vier Wochen vor der diesjährigen Wahl hatte er überraschend auf Twitter angekündigt, dass die in Afghanistan verbleibenden Soldaten bis Weihnachten zurück in den USA sein sollten. Davon hätten ihm führende Berater im Bereich des Militärs und der Nationalen Sicherheit allerdings abgeraten, so dass der Präsident schliesslich einer geringeren Reduzierung zugestimmt habe, berichtete die «New York Times» unter Berufung auf namentlich nicht genannte Regierungsbeamte.

Kurz nach seiner Niederlage gegen Biden – die Trump noch immer nicht eingeräumt hat – hatte der Amtsinhaber Verteidigungsminister Mark Esper entlassen. Auch andere Führungsposten wurden neu besetzt. Der ehemalige Heeresoffizier Douglas Macgregor beispielsweise wurde zum leitenden Berater des geschäftsführenden Verteidigungsministers Christopher Miller ernannt. Macgregor ist ein ausgesprochener Kritiker der Einsätze im Irak und in Afghanistan.

Abkommen mit den Taliban

Offenbar hatte sich Esper nach Beratungen mit führenden Militärs im November gegen einen weiteren Abzug von Truppen aus Afghanistan ausgesprochen, da die dafür nötigen Bedingungen unter anderem mit Blick auf die Sicherheitslage noch nicht erfüllt seien. Über ein entsprechendes vertrauliches Schreiben an das Weisse Haus hatte am Wochenende zunächst die «Washington Post» berichtet, CNN bestätigte den Bericht am Montag.

Die USA hatten mit den militant-islamistischen Taliban Ende Februar ein Abkommen unterzeichnet, das den schrittweisen Rückzug aller US- und Nato-Streitkräfte bis Ende 2021 in Aussicht stellt. Im Gegenzug verpflichteten sich die Taliban unter anderem zu Friedensgesprächen mit Afghanistans Regierung, die im September aufgenommen wurden. Der Prozess war zuletzt jedoch ins Stocken geraten.

Führende Republikaner im US-Kongress warnten deshalb vor einem voreiligen Rückzug aus dem Land. «Es gibt keinen Amerikaner, der sich nicht wünscht, dass der Krieg in Afghanistan gegen Terroristen und ihre Helfer bereits endgültig gewonnen wäre. Aber das ändert nichts an der eigentlichen Entscheidung, die vor uns liegt», erklärte der Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell. «Ein rascher Abzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan würde unseren Verbündeten schaden und den Menschen gefallen, die uns Unheil wünschen.»

Republikaner warnen

Die Menschen in Afghanistan seien noch immer von Gewalt betroffen, sagte McConnell. Die Taliban hielten sich nicht an die Bedingungen des sogenannten Friedensvertrags. McConnell lobte Trump ausdrücklich mit Blick auf Erfolge im Kampf gegen den Terror auch im Irak und Syrien, die ein voreiliger Abzug jedoch zunichte machen könnte.

Der ranghöchste Republikaner im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, Michael McCaul, warnte in einer Mitteilung: «Ein voreiliger US-Abzug würde nicht nur die Verhandlungsfähigkeit der afghanischen Regierung gefährden, sondern US-Interessen mit Blick auf die Terrorismusbekämpfung in Gefahr bringen.»

Der US-Senator Marco Rubio mahnte, jeglicher Plan zur Reduzierung der US-Truppenstärke in Afghanistan müsse sicherstellen, dass militärische Ausrüstung nicht in die Hände der Taliban oder Al-Kaida gelange. Zudem müssten die USA weiterhin in der Lage sein, gegen Anführer des Terrornetzwerks Al-Kaida vorzugehen.

Der Krieg in Afghanistan ist der längste in der Geschichte der USA. Seit 2001 sind amerikanische Soldaten in dem Land. Nach den Anschlägen vom 11. September jenes Jahres waren von den USA angeführte Truppen dort einmarschiert. Seit fast zwei Jahrzehnten kämpfen Islamisten in Afghanistan für den Abzug der internationalen Truppen.

SDA/chk

28 Kommentare
    Boris Güttinger

    Den Entscheid zum Truppenabzug begrüsse ich natürlich wie jeder, der Menschen und deren Leben achtet. Je mehr - je besser. Mord an Zivilisten wie Kinder, Frauen und Greise heisse ich persönlich nicht gut. Diese Opfer habe jedoch keine Stimme, denn die USA sanktionieren die Untersuchungsrichter des Den Haager Tribunals. Zu Anklagen wird es niemals kommen, wie so oft. Auch wenn man kein Freund Trumps ist, sein Entscheid zum Truppenabzug wird diesmal von den Europäern kritisiert. Nebst den USA sind ja rund ein Dutzend andere Staaten beteiligt. Die NATO fusst übrigens auf zwei Standbeinen, dem militärischen, das traditionell von den Amis angeführt wird und einem politischen, das von den Europäern angeführt wird. Diesen Montag kritisierte Jens Stoltenberg, der Chef des politischen Standbeins der NATO diesen Entscheid. Er warnte davor, dass die NATO einen zu hohen Preise bezahlen könnte, wenn Truppen zu früh aus Afghanistan abgezogen werden.

    Erstaunlich, dass die USA und Deutschland es immer wieder schaffen, ihrer Bevölkerung die Notwendigkeit eines Krieges in Afghanistan zu verkaufen. Sprich ihre Söhne und Töchter in einen Krieg zu schicken und die Stimmbürger davon überzeugen, dass die gewaltige Kriegsmaschinerie von ihren Steuergeldern bezahlt werden soll und das seit fast 20 Jahren!