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Trotz Virus: Bulgari plant eine Mini-Uhrenmesse in Genf

Acht Luxusuhrenhersteller schliessen sich zusammen, um eine Alternative zu den abgesagten Branchentreffs in Basel und Genf auf die Beine zu stellen.

Die Marke Bulgari will Ende April am neuen Branchentreff Geneva Watch Days ihre neuen Modelle vorstellen. Foto: Sandro Campardo (Keystone)
Die Marke Bulgari will Ende April am neuen Branchentreff Geneva Watch Days ihre neuen Modelle vorstellen. Foto: Sandro Campardo (Keystone)

Nach der Absage der beiden grössten Uhrenmessen in der Schweiz wegen des Coronavirus prescht eine Gruppe von Luxusuhrenmarken vor: Unter der Federführung von Bulgari haben acht Hersteller angekündigt, vom 26. bis zum 29. April in Genf die Geneva Watch Days durchzuführen.

Zu den Mitorganisatoren gehören unter anderen Breitling, Urwerk, Girard-Perregaux und Ulysse Nardin. Dem Vernehmen nach führen die Organisatoren Gespräche mit weiteren Marken über eine Teilnahme, darunter mit Chopard sowie H. Moser & Cie.

Vergangene Woche wurden der Uhrensalon in Genf und die Baselworld in Basel abgeblasen, nachdem der Bundesrat die Vorsichtsmassnahmen für öffentliche Anlässe verschärft hatte. Bis Mitte März ist es wegen des Ausbruchs des neuartigen Erregers in der Schweiz nicht mehr erlaubt, Veranstaltungen mit über tausend Personen durchzuführen.

Mehrere kleine Anlässe in Genf

Die Geneva Watch Days werden deshalb aus mehreren kleinen Anlässen bestehen. Vorgesehen ist eine Reihe von Präsentationen und Veranstaltungen für Händler, Medien und Kunden aus Europa. Diese Mini-Events werden in Markenboutiquen oder in Hotels durchgeführt. So sollen grosse Menschenansammlungen unter einem Dach vermieden werden.

Dass ausgerechnet Bulgari einen Plan B vorlegt, lässt aufhorchen. Die italienische Firma hatte noch Mitte Februar ihre Teilnahme an der Baselworld abgesagt, unter anderem mit Verweis auf Unsicherheiten wegen des Coronavirus.

Bulgari-Chef Jean-Christophe Babin bestreitet, quasi durch die Hintertüre einen Konkurrenzanlass zu den etablierten Branchentreffs in Basel und Genf auf die Beine stellen zu wollen.Die Geneva Watch Days seien kein langfristiger Ersatz für die beiden historischen Branchentreffs, sondern eine «effiziente Alternative in kleinerem Rahmen angesichts des sich ständig verändernden Umfelds im laufenden Jahr», erklärte er.Der neue Anlass soll Sichtbarkeit für neue Modelle gewährleisten.

Das Vorhaben der Luxusuhrenhersteller zeigt, dass die Marken nach wie vor auf Aufmerksamkeit angewiesen sind, um ihre neuen Produkte einem breiten Publikum vorzustellen.

Gerade die Baselworld leidet unter einer steigenden Zahl von Ausstellern, die ihre Marketingaktivitäten in die sozialen Medien verschieben und deshalb der Uhrenmesse fernbleiben. Bekannteste Abwesende ist die Swatch Group, die weltgrösste Uhrenherstellerin mit Sitz in Biel.

Baselworld-Chef Michel Loris-Melikoff sieht sich bestärkt darin, dass Messen kein Auslaufmodell sind: Der neue Anlass in Genf «unterstreicht eines: Marken und Kunden zusammenzubringen, ist wichtig und wertvoll, um persönliche Kontakte zu pflegen und das Geschäft voranzutreiben», sagt er. Bulgari schliesst nicht aus, im kommenden Jahr in Basel wieder teilzunehmen.

«Ich habe bei Marken angeklopft, von denen ich wusste, dass sie offen genug sind, um zu verstehen, dass sich hier eine Chance bietet.»

Jean-Christophe Babin, Chef von Bulgari

Auf Nachfrage teilt Bulgari mit, dass sich die Veranstalter «strikt» an aktuelle und künftige Vorgaben des Bundesrates sowie an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation halten werden. Ausserdem habe der Kanton Genf, der die Lage genau verfolge, seine «volle Unterstützung» für die Geneva Watch Days zugesichert.

An einem Wochenende konzipiert

Bulgari-ChefBabin hat das Konzept für die Geneva Watch Days am vergangenen Wochenende auf die Schnelle erarbeitet, wie er am Montagabend dem Westschweizer Fernsehen RTS sagte. Er habe bei Konkurrenten angeklopft, «von denen ich wusste, dass sie offen genug sind, um zu verstehen, dass sich hier eine Chance bietet».

Es sei nun wichtiger denn je, dass die Marken ihre neuen Produkte vorstellen können, «um die Nachfrage zu stimulieren, die bereits vor Covid-19 ziemlich träge war».

In den kommenden Tagen werden die Organisatoren der Mini-Uhrenmesse in Genf einen Lenkungsausschuss ins Leben rufen. Das Gremium ist einerseits dafür verantwortlich, Ausstellungsräume zu finden und gute Hoteltarife auszuhandeln. Andererseits wird der Ausschuss mit Kanton und Stadt Genf zusammenarbeiten, um den gesundheitlichen Schutz der Teilnehmer sicherzustellen.