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Er lag leblos in seiner ZelleToter Häftling war verurteilt wegen Tötung in Frutigen

Im Oktober war er zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er eine Frau getötet und ihr Haus angezündet haben soll. Nun ist der Schweizer selbst verstorben.

In der Brandruine war die Leiche einer Frau gefunden worden. Hauptverdächtiger war ihr Partner.
In der Brandruine war die Leiche einer Frau gefunden worden. Hauptverdächtiger war ihr Partner.
Foto: Bruno Petroni

Am Freitag letzter Woche ist im Regionalgefängnis Thun ein 57-jähriger Insasse tot aufgefunden worden. Gegenüber dem «Blick» hat die Kantonspolizei Bern nun bestätigt, dass es sich bei dem Verstorbenen «um den Beschuldigten des Tötungsdelikts vom 15. Februar 2018 in Frutigen handelt.» Damals war in der Brandruine eines Bauernhauses eine Frauenleiche gefunden worden. Ihr Freund wurde beschuldigt, die Frau getötet und das Haus anschliessend angezündet zu haben.

Der Beschuldigte bestritt die Tat vehement und beharrte darauf, dass er unschuldig in Untersuchungshaft sitze. Das Gericht sah dies freilich anders und verurteilte den Beschuldigten Mitte Oktober zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren wegen vorsätzlicher Tötung, Brandstiftung und Störung des Totenfriedens. Der Schweizer hatte dieses Urteil ans Obergericht weiterziehen wollen.

Dem mittlerweile Verstorbenen war erst vor etwas mehr als einem Monat der Prozess gemacht worden.
Dem mittlerweile Verstorbenen war erst vor etwas mehr als einem Monat der Prozess gemacht worden.
Illustration: Res Zinniker

Gemäss der Mitteilung der Regionalen Staatsanwaltschaft Oberland war die Todesursache beim Gefängnisinsassen ein «medizinisches Problem». Der Fall werde jedoch durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich untersucht.

Keine Beweise

Vor Gericht bestand die Strategie der Verteidigung darin, den Tod der Frau auf ihren nachgewiesenen Konsum von Alkohol, Kokain, Cannabis und Medikamenten zurückzuführen. Den Brand könnte sie durch einen brennenden Joint verursacht haben.

Das Regionalgericht beurteilte dies als wenig wahrscheinlich. Die Expertengutachten legten den Schluss nahe, dass die Frau durch einen Schuss, einen Schlag oder einen Stich massive Kopfverletzungen erlitten habe. Ausserdem sei der Brand offenkundig gelegt worden.

Das Gericht sei der klaren Überzeugung, dass der Mann der Täter sei. «Es kann niemand anders gewesen sein», sagte die Gerichtspräsidentin bei der Urteilsverkündung. Die Indizien – darunter Handy-Daten und das Verhalten des Beschuldigten – bildeten in ihrer Gesamtheit eine tragfähige Hängebrücke.

mb/sda