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Dreharbeiten in PolenTom Cruise vs. Denkmalschutz

Für «Mission: Impossible» sollte eine 111 Jahre alte Eisenbahnbrücke im polnischen Pilchowice gesprengt werden – und zwar ganz real. Die Bewohner der Stadt protestierten.

Über die Brücke bei Pilchowice fahren seit 2016 keine Züge mehr.
Über die Brücke bei Pilchowice fahren seit 2016 keine Züge mehr.
Foto: Maciej Mądry

Wenn Actionfilme eines gewissen Kalibers gedreht werden, kann man von zwei Dingen ausgehen. Erstens: Der Drehort hat gute Chancen, danach (noch mehr) Touristen anzuziehen, und zweitens: Es fliegen Sachen in die Luft. Üblicherweise kommt dabei nichts zu Schaden. Anders war das im Städtchen Pilchowice im Süden von Polen geplant. Das Filmstudio Paramount Pictures hatte erwogen, dort eine 111 Jahre alte Eisenbahnbrücke für eine Szene im siebten Teil der «Mission: Impossible»-Reihe um den Geheimagenten Ethan Hunt (Tom Cruise) in die Luft zu sprengen – ganz real. Das bestätigte die Stiftung für den Schutz niederschlesischer Industriedenkmäler gegenüber dieser Zeitung, und die wiederum weiss es vom polnischen Kulturministerium.

Schon vor Monaten soll Christopher McQuarrie, der Regisseur des Filmprojekts mit dem Arbeitstitel «Libra», dabei gesehen worden sein, wie er die Brücke zusammen mit Vertretern der polnischen Armee begutachtete.

Schutzantrag ist pendent

Als Anwohner und Denkmalschützer protestierten, hiess es aus dem Kulturministerium erst, die 151 Meter lange Brücke sei nicht denkmalgeschützt und komme für den Schutz auch nicht infrage. Genutzt wird sie seit 2016 nicht mehr, zuvor führte eine Bahnlinie über sie.

Eine Person, die mit den Plänen des Filmstudios vertraut sein soll, sagte der Zeitung «Gazeta Wyborcza», die Brücke sei nach offizieller Einschätzung in schlechtem Zustand und es nicht wert, renoviert zu werden. Sie könne also zerstört werden. Die Produktionsfirma hätte nach eigenen Angaben nach den Dreharbeiten eine neue Brücke errichtet. In den Augen von Anwohnern und Denkmalschützer ist die historische Brücke hingegen durchaus erhaltenswert.

Die Denkmalstiftung hat deshalb im März einen Antrag eingereicht, sie ins nationale Register für Denkmäler aufzunehmen. Stiftungsdirektor Maciej Mądry sagt, er habe von den staatlichen Denkmalschutzbehörden bereits bestätigt bekommen, dass die Brücke in wenigen Tagen in die Liste aufgenommen werde: «Damit wäre es illegal, die Brücke zu beschädigen.»