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Berner LiteraturTödlicher Abstecher in die 80er-Jahre

Paul Lascaux’ zwölfter Bern-Krimi sendet die Detektei Müller & Himmel auf einen Nostalgietrip in die 1980er-Jahre. Das Buch ist amüsant, hat aber Schwächen.

Cover des neuen Krimis von Paul Lascaux. Eine Hauptrolle spielt erneut die Stadt Bern.
Cover des neuen Krimis von Paul Lascaux. Eine Hauptrolle spielt erneut die Stadt Bern.
Buchcover: Gmeiner-Verlag

Der in Bern lebende Autor Paul Ott (64) gibt unter dem Pseudonym Paul Lascaux seinen neuen Krimi «Schwarzes Porzellan» heraus. Es ist bereits der zwölfte Band über die bernische Detektei Müller & Himmel, die aus der gealterten Spürnase Heinrich Müller, Nicole Himmel und den drei Grazien besteht.

Das Hauptquartier der Berufsermittler ist das Restaurant Schwarze Kater. Dort lassen sie es sich mit Speis und vor allem auserwähltem Trank gut gehen.

Im neuen Fall ist Meyer Langnau, der Sänger der Band Black China, verschwunden. Beim grossen Wiedervereinigungskonzert der New-Wave-Gruppe aus den 1980er-Jahren fehlt er. Die Band, die mit Neuauflagen von Liedern mässige Erfolge feierte, heuert die Detektei an.

Für Fans, die Zeit miterlebt haben

Was folgt, sind Abschweifungen und Diskurse über die Musik der 80er. Heinrich Müller besitzt die Platten von Black China und kann aus eigener Erfahrung über die damalige Zeit berichten. Die jungen Angestellten, welche als die drei Grazien bezeichnet werden, recherchieren wacker über das Jahrzehnt.

Jemanden, der diese Zeit nicht miterlebt hat, lässt das Buch allerdings nicht warm werden. Es gibt zu viele Aufzählungen von Bands und immer wieder Theorien über Musik, aber auch Politik, Zeitkultur und das grosse Ganze, die Müller, der Altmeister, den jungen Frauen einbläut.

Paul Ott alias Paul Lascaux
Paul Ott alias Paul Lascaux
Foto: Paul Ott

Mehr Action hätte Buch gutgetan

Einigen Erzählsträngen zu Liebschaften, Drogen und Kunst im Leben der Bandmitglieder würde die Leserin oder der Leser gern folgen. Doch zu lange dümpelt man im Ungewissen herum. Man ist versucht, das Buch ob der Tatlosigkeit der Polizei und der Detektive wegzulegen.

Erst als der Sänger und der Bassist tot aufgefunden werden und die Gitarristin sowie eine der Grazien vermisst werden, kommen die Dinge ins Rollen. Darauf klärt sich die ganze Sache jedoch allzu schnell auf.

Paul Lascaux: «Schwarzes Porzellan», Gmeiner-Verlag 2020, 281 Seiten, ca. 22 Fr.