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Tiefe Steuern reichen Hedge Funds nicht

Trotz Klagen über eine zu hohe Steuerlast und eine zu starre Regulierung hat sich in der Schweiz eine dynamische Mikroindustrie gebildet.

Eigenartig: Da fordern die diversen Interessenverbände des Finanzplatzes seit Jahren, die Schweiz brauche endlich niedrigere Steuern und eine flexiblere Regulierung, um Hedge Funds ins Land zu locken. Und da platzt ausgerechnet eine vom führenden Schweizer Hedge Fund Gam bestellte Studie ins Haus, die erste umfassende dieser Art, die da sagt: Bei den Funds of Hedge Funds erreicht die Schweiz einen Marktanteil von 30 Prozent – ist weltweit also führend. Und bei den Einzelfonds, den so genannten Single Manager Hedge Funds, liegt sie in Europa hinter London und Paris immerhin auf Platz drei. Nicht schlecht, denkt man sich.

Ist also die ganze Diskussion um Steuererleichterungen für Heuschrecken blosse Schaumschlägerei? Mitnichten, denn die Grössenverhältnisse sprechen gegen die Schweiz, 80 Prozent der europäischen Einzelfonds werden in London verwaltet, von der Schweiz aus ist es bloss jeder 37. Das müsse sich ändern. Und das werde sich ändern, wenn man nur wolle, sagt der Anlagechef der Bär-Tochter Gam, Roman Aschwanden.

Die von Dieter Meier von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften durchgeführte Studie stützt seinen Optimismus – zumindest teilweise. Es habe sich eine kleine, aber ambitionierte Szene mit hohen Wachstumszielen gebildet: Jeder zweite Fonds wolle bis in drei Jahren mindestens 50 Prozent mehr Vermögen verwalten als heute, so die Studie.

Steiniger Boden für Heuschrecken

Das klingt schön. Doch organisches Wachstum genügt kaum, um angesichts von ein paar Hundert Hedge-Fund-Managern von einem Zentrum sprechen zu können. Dafür sei es für sie zu wenig attraktiv. Vor allem zwei Dinge müssten gemäss Meiers Analyse geändert werden: Fast die Hälfte der befragten Manager stört sich am hiesigen Steuersystem, 40 Prozent betrachten die zu wenig flexible Regulierung als grosses Hindernis. Komme hinzu, dass der Schweiz eine Investmentbanking-Kultur fehle und die Grossbanken in diesen Bereichen keine Talente nachzögen.

Illusionen macht sich trotzdem niemand, dass irgendwann das grosse Abwandern aus London beginnt – wenn die Schweiz ihre Hausaufgaben mache, wenn sie zum Beispiel Kapitalgewinne aus Geldern, welche Manager in ihre eigenen Fonds investieren, nicht als Einkommen versteuere. Realistischerweise könne man aber hoffen, dass Abspaltungen etablierter Fonds sich vermehrt in der Schweiz ansiedeln, sagt Gam-Mann Aschwanden.

Trotzdem: Seit ein paar Jahren bildet sich hier zu Lande eine lebendige Hedge-Fund-Szene. Die 116 von der Schweiz aus agierenden Fonds verwalten Vermögen von 15,2 Milliarden Dollar. In den 15 grössten Fonds liegen 70 Prozent der Gelder. Der grosse Rest besteht aus Mikrofirmen. Drei Viertel zählen weniger als 10 Mitarbeitende. Drei von vier Fonds wurden erst nach 2004 gegründet. Stark vertreten sind traditionelle Arbitrage- und Trading-Techniken (je 31 Prozent). Die meisten Fonds richten sich an professionelle Anleger: In 59 Prozent der Fonds sind weniger als 50 Investoren dabei. Und die Wachstumshoffnungen sind – der Kreditkrise zum Trotz – gross geblieben.

Doch wie gesagt: Auch zweistellige Wachstumsraten genügen nicht, dass sich in der Schweiz rasch ein Hedge-Fund-Zentrum bildet. Die Szene ist dafür zu klein. Weil der Schweizer Finanzplatz aber auch im Bereich der Einzelfonds dereinst gross herauskommen will, lobbyiert und antichambriert man in Bern – im Wissen darum, dass Erleichterungen immer nur häppchenweise gewährt werden.

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