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Thuns neue Nummer 1 im TorMit Hirzel beginnt eine neue Ära

Andreas Hirzel spielte einst beim HSV. Jetzt nimmt der Zürcher mit dem FC Thun am Sonntag im Cup gegen Luzern (16 Uhr) die Saison als Nummer 1 in Angriff.

Andreas Hirzel hat in der vergangenen Saison fünf Spiele für den FC Thun in der Super League absolviert.
Andreas Hirzel hat in der vergangenen Saison fünf Spiele für den FC Thun in der Super League absolviert.
Foto: Peter Schneider/Keystone

Während acht Jahren hiess der Stammtorhüter beim FC Thun zuletzt Guillaume Faivre. Immer wieder versuchten in dieser Zeit Kontrahenten an der Vormachtstellung des Neuenburgers zu rütteln. Weder David Moser, Christian Leite, Francesco Ruberto oder Djordje Nikolic war es aber gelungen, den Routinier zwischen den Pfosten zu verdrängen. Auch Andreas Hirzel durfte vor einem Jahr für fünf Meisterschaftspartien ins Tor. «Gui hatte damals eine schwierige Phase, wie das ganze Team in dieser missglückten Vorrunde. Mit mir resultierte auch nur ein Unentschieden», blickt Hirzel auf seine ersten Einsätze im Oberland zurück. Deshalb musste er bald wieder Faivre Platz machen. Jetzt ist der 33-jährige Romand als Ersatzgoalie zu YB weitergezogen, und in Thun ist Hirzel nach dem Abstieg in die Challenge League zur unbestrittenen Nummer 1 aufgestiegen.

«Jetzt erhalte ich die erste, richtige Chance, zu zeigen, was ich kann», sagt Hirzel. Für einen, der schon vor 50’000 Zuschauern in der Bundesliga gespielt hat, tönt das komisch. Im Mai 2015 hatte er im letzten Saisonspiel für Vaduz sein Debüt in der Super League gegeben. Nach der 1:2-Niederlage bei YB zog der Keeper weiter nach Hamburg. Dort kam er Ende August zum nächsten Einstand. Stammtorhüter René Adler fehlte verletzt, und als sich Ersatz Jaroslav Drobny in der Partie gegen Köln (1:2) eine Blessur zuzog, schlug die Stunde von Hirzel. Genau genommen waren es 50 Minuten. Es blieben in drei Jahren beim HSV die einzigen in der Bundesliga.

Schneiders Lob

Es folgte die Rückkehr zu Vaduz und ein Jahr später im Sommer 2019 der Wechsel nach Thun. «Ausser bei den Junioren war ich nie mehrere Jahre konstant die Nummer 1 gewesen.» Und das ist, was Hirzel jetzt im Oberland anstrebt. «Hier passen mir die Leute. Es herrscht ein Zusammenhalt, den man nicht in jedem Verein erlebt.» Der raue Umgangston der Bundesliga ist weit weg. «Dort zählt ausschliesslich die Leistung. Entweder du bist gut genug oder kannst wieder gehen», erzählt der Goalie.

In Thun spürt er, dass auf ihn gesetzt wird. «Andi ist neben dem Platz ein ruhiger, bescheidener Typ», sagt Trainer Marc Schneider. «Und im Tor ist er jetzt unsere klare Nummer eins. Ich bin überzeugt, dass er sein Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat.» Hirzel schätzt das Vertrauen und will Verantwortung übernehmen. Mit gut 27 Jahren ist er einer der Älteren im Team. «Ich versuche die Jungen zu führen, ihnen auch zu zeigen, dass ein Leben als Profi mehr ist, als nur ein Training am Tag zu absolvieren.»

Zum zweiten Mal Vater

In einer Sparte werden ihm die jüngeren Spieler jedoch nicht folgen. Hirzel ist kaum auf den Social-Media-Kanälen aktiv. «Ich besitze zwar einen Facebook- und Instagram-Account. Doch das ist definitiv nicht meine Welt. Ich verspüre nicht das Bedürfnis, allen Leuten sofort mitzuteilen, wo ich bin oder was ich tue. Ein gemachtes Foto behalte ich lieber fürs Familienalbum.» Seit einem Monat ist Hirzel zum zweiten Mal Vater. Der erste Sohn ist drei Jahre alt. Mit seiner Frau, die er aus seiner HSV-Zeit kennt, und den zwei Jungs lebt er in Spiez.

Selber ist Andreas Hirzel in Urdorf als jüngster von vier Brüdern aufgewachsen. «Deswegen stellten sie mich ins Tor», erzählt er lachend. Die Rolle hat ihm gefallen. Er hatte Talent. Das fiel später auch Willi Weber auf. Der spätere Goalietrainer der Schweizer Nationalmannschaft an der Seite von Ottmar Hitzfeld wurde zu Hirzels Förderer. Weil Weber beim FC Aarau arbeitete, wechselte auch Hirzel als Junior zum FCA. Der Sprung ins Profiteam gelang ihm dort nicht, stattdessen folgten viele Leihtransfers, während dreier Jahre alle sechs Monate zu einem anderen Club. «Später bei Vaduz wurde ich einmal sogar für bloss eine Woche zu Tuggen transferiert», erinnert er sich. Damit soll nun Schluss sein: «Ich möchte jetzt gerne konstant, mehrere Jahre beim gleichen Verein bleiben.» In Thun kann er sich das vorstellen, als neue Nummer 1 sowieso.

Thuns Torhüter Andreas Hirzel während des Testspiels gegen Kriens, hier Robin Busset (l.).
Thuns Torhüter Andreas Hirzel während des Testspiels gegen Kriens, hier Robin Busset (l.).
Foto: Peter Schneider/Keystone