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Tauziehen um neue Regeln für Grossbanken

Die Bankenaufsicht gibt den zwei Grossbanken den Tarif durch. Die Credit Suisse murrt. Die UBS beisst auf die Zähne. Hinter den Kulissen wird hart gefeilscht.

Ferienstimmung kommt in keiner der beiden Grossbanken auf. Denn was vor wenigen Tagen von der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) eingegangen ist, ist ziemlich dicke Post. Die Aufsichtsbehörde präsentiert der UBS und der Credit Suisse die Rechnung für die eingefahrenen Milliardenverluste – in Form von strengeren Eigenkapitalbestimmungen.

Während sich Vertreter der weniger gebeutelten Credit Suisse in ersten Reaktionen lauthals empörten, herrscht auf UBS-Seite auffallende Stille. Dafür gibt es Gründe. Mit dem 40-Milliarden-Abschreiber, dem demnächst wohl weitere 6 folgen dürften, steht die UBS am kürzeren Hebel als die CS mit ihren bisher 10 Milliarden. Da würde es schlecht ankommen, den Regulator öffentlich in Frage zu stellen.

Hinter den Kulissen feilscht aber auch die UBS um die neuen Regeln. Sie wählt den diskreten Weg – das Gespräch unter vier Augen. Präsident Peter Kurer traf sich am Donnerstag über Mittag im Restaurant Orsini hinter dem Paradeplatz mit Philipp Hildebrand, im Direktorium der Nationalbank verantwortlich für die Finanzstabilität. Was immer die beiden miteinander zu besprechen hatten – das neue Regelwerk war bestimmt ein Thema.

Offiziell mimen beide Banken Verständnis für die angedrohten Massnahmen. Sie seien die Letzten, die den Sinn einer Stabilisierung des Systems verneinten, heisst es bei der UBS. Und bei der CS: «Die eingegangenen Vorschläge werden wir eingehend prüfen und mit den Behörden im Detail diskutieren. Grundsätzlich befürworten wir Verbesserungen des Kapital- und Liquiditätsmanagements.»

Unterstützt von der Nationalbank, will die Bankenkommission die beiden Grossbanken zwingen, substanziell mehr Eigenkapital anzuhäufen. Für das Verhältnis von Fremd- und Eigenkapital (Leverage Ratio) soll eine Obergrenze definiert werden. Damit sollen Verluste in Krisensituationen besser abgefedert werden können.

Im Grundsatz steigen beide Banken auf die Vorschläge ein. UBS-Sprecherin Larissa Alghisi sagt: «Ein Leverage Ratio stellt sicher, dass Bilanzsumme und Kapital proportional wachsen.» Die Credit Suisse signalisiert aber klar Vorbehalte: «Solche Massnahmen müssen auf das tatsächliche Problem abzielen und dürfen die Schweizer Banken und unseren Finanzplatz gegenüber der ausländischen Konkurrenz nicht benachteiligen, was aber nach unserem Dafürhalten bei Leverage Ratio und Kapitalpuffer der Fall ist.»

CS will nicht für UBS büssen

Der Vorwurf der Benachteiligung komme bei jedem regulatorischen Eingriff, hält dem EBK-Sprecher Alain Bichsel entgegen. «Die Massnahmen tragen wesentlich zur Stabilität des Finanzplatzes bei. Das ist ein Wettbewerbsvorteil für die Schweizer Grossbanken.»

Ein Punkt scheint die CS-Leute noch mehr zu ärgern. Das Gefühl, für das UBS-Debakel geradestehen zu müssen. Für Bichsel ist das zwar nachvollziehbar. Er betont aber, dass die EBK-Regeln keine Strafaktion seien. Es seien zukunftsgerichtete Massnahmen. Auch wenn die CS heute besser dastehe, sei ihr Verlustpotenzial aufgrund ihrer Tätigkeit im Investment Banking bei einer künftigen Krise genauso gegeben wie bei der UBS.

Es sei naheliegend, sagt ein Banker, der Verständnis für die Credit Suisse zeigt, dass man nach Krisen die Modelle verbessern wolle. Die besten Modelle seien aber nur so gut wie die Manager, welche die Entscheide fällten.

Im Grundsatz wird die Bankenkommission nicht zurückkrebsen. Sie will die Eigenmittelvorschriften verschärfen. Über das Ausmass und den Zeitplan der Umsetzung wird jetzt verhandelt. Im vierten Quartal wird gemäss Bichsel entschieden. Gegen die Verfügung der EBK kann beim Bundesverwaltungsgericht Einsprache erhoben werden.

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