Zum Hauptinhalt springen

Video: Japan warnt vor Panik

Die japanische Regierung stuft das Atomunglück von Fukushima nun offiziell als ebenso schwer wie das Reaktorunglück in Tschernobyl ein. Ministerpräsident Naoto Kan rief das Volk dazu auf, ruhig zu bleiben.

«Wir haben die Einstufung der Schwere (des Unglücks) auf sieben angehoben, weil die Auswirkungen der Strahlung umfassend sind, in der Luft, im Gemüse, in Leitungs- und Meerwasser», sagte Minoru Oogado von der Atomsicherheitsbehörde (Nisa). Die Menge der Radioaktivität, die aus dem Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ausgetreten sei, entspreche etwa zehn Prozent der Menge, die in Tschernobyl freigesetzt worden sei.

Der Anlagenbetreiber Tepco erklärte, es werde noch geprüft, wie viel Radioaktivität insgesamt austreten könne. Werde weiterhin Strahlung freigesetzt, könnte letztlich mehr Radioaktivität in die Umwelt gelangen als in Tschernobyl, sagte Sprecher Junichi Matsumoto. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei jedoch extrem niedrig, sagte später ein anderer Tepco-Sprecher, Naoki Tsunoda. Nisa-Sprecher Nishiyama verwies darauf, dass es, anders als in Tschernobyl, in Fukushima bislang keine Explosionen im Reaktorkern gegeben habe.

Die Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) unterscheidet bei atomaren Unfällen sieben Stufen. Stufe 7 steht dabei für einen «katastrophalen Unfall» wie 1986 in Tschernobyl, wenn ganz offensichtlich Radioaktivität in erheblichem Masse austritt. Atomare Zwischenfälle oder meldepflichtige Ereignisse in Kernkraftwerken müssen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien gemeldet werden.

Wissenschaftler sehen keinen Grund zur Besorgnis

Ein Nisa-Mitarbeiter erklärte, die Menge der ausgetretenen radioaktiven Partikel sei ein Faktor bei der Entscheidung gewesen, die Stufe 7 auszurufen. Dabei seien Daten zum Austritt von Jod-131 und Cäsium-137 überprüft worden, sagte Nisa-Sprecher Hidehiko Nishiyama. Am Montag war die Evakuierungszone rund um das Kraftwerk auf fünf weitere Gemeinden ausgedehnt worden.

Anwohner des Kraftwerks reagierten verärgert auf die Hochstufung. «Das ist sehr schockierend für mich», sagte die Gastronomin Miyuki Ichisawa aus der Ortschaft Iitate, rund 40 Kikometer von Fukushima entfernt. «Jetzt sagte uns die Regierung offiziell, dass dieser Unfall das gleiche Ausmass hat wie Tschernobyl.»

Japanische Wissenschaftler erklärte hingegen, die Revision sei kein Grund zur Besorgnis. Diese stehe nicht in direktem Zusammenhang mit Risiken für die Gesundheit und die Umwelt, sondern basiere lediglich auf der Gesamtmenge der freigesetzten Radioaktivität, sagte der Atomphysiker Hironobu Unesaki von der Universität Kyodo. Die meiste Strahlung sei gleich zu Beginn der Krise ausgetreten, und die Hochstufung bedeute nicht, dass noch immer in hohem Masse Radioaktivität austrete, erklärte der Forscher.

«Jetzt nur keine Panik»

Ministerpräsident Naoto Kan rief die Bevölkerung auf, nicht in Panik zu geraten und sich stattdessen auf die Erholung von der Katastrophe zu konzentrieren. «Die Situation der Atomreaktoren im Kraftwerk Fukushima hat sich jetzt Schritt für Schritt stabilisiert», sagte Kan in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache. «Die Menge der austretenden Radioaktivität ist rückläufig.»

Auf dem Gelände des schwer beschädigten Atomkraftwerks brach heute ein Feuer aus. Betreiber Tepco erklärte, das Feuer in der Nähe von Reaktor 4 sei klein gewesen und rasch gelöscht worden. Es habe keine Auswirkungen auf die Arbeiten zur Kühlung der Reaktoren gehabt.

Keine neuen Schäden bei weiterem Erdbeben

Der Brand ereignete sich den Angaben zufolge in einem Behälter für Batterien, der in einem Gebäude nahe dem Reaktor aufbewahrt wurde. Das Feuer sei am Morgen gegen 06.38 Uhr entdeckt und innerhalb von sieben Minuten gelöscht worden. Es war nicht klar, ob der Brand im Zusammenhang mit einem Erdbeben der Stärke 6,3 stand, das kurz zuvor die Region erschüttert hatte. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht herausgegeben. Berichte über Verletzte oder neue Schäden lagen nicht vor.

SDA/pbe/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch