Hyundai wurde vom Kopierer zum Trendsetter

Die südkoreanische Marke hat ihr Image so nachhaltig verändert wie kaum eine andere. Die Zeiten, als sie als Lieferantin von billigen Plagiaten belächelt wurde, sind längst vorbei.

Der Kona Electric wird am Genfer Autosalon erstmals dem Publikum vorgestellt. Er ist laut Hyundai der erste elektrisch angetriebene B-SUV. Foto: Thomas von Salomon

Der Kona Electric wird am Genfer Autosalon erstmals dem Publikum vorgestellt. Er ist laut Hyundai der erste elektrisch angetriebene B-SUV. Foto: Thomas von Salomon

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Sechseinhalb Jahre ist es her, dass der damalige VW-Boss Martin Winterkorn an der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Lenkrad des neuen Hyundai i30 gefilmt wurde. «Da scheppert nix», lobte der damalige Wolfsburger Spitzenmanager und schüttelte den Kopf, weil seine Zigtausend Ingenieure keine so geräuschlose Lenkradverstellung hinbekommen. «BMW kanns nicht, wir könnens nicht. Warum könnens die?», fragte er in die Kamera. Das Filmchen wurde zum Youtube-Hit, seine Aussagen zum Bonmot.

Winterkorn ist heute Vergangenheit, Hyundai fährt in die Zukunft, und die Zeiten, da man den südkoreanischen Automobilhersteller als «Kopierer» oder dessen Fahrzeuge als «Billigautos» bezeichnet hat, sind längst vorbei. Zwar gehören die Hyundai-Modelle im Vergleich mit der Konkurrenz in den meisten Fällen noch immer zu den preiswerteren Angeboten, aber auf Hightech und Design muss man deswegen nicht verzichten. Ganz im Gegenteil, wie der Auftritt der Südkoreaner beim kommenden Genfer Auto-Salon (8. bis 18. März) eindrücklich beweisen wird: Denn nebst dem bekannten Ioniq, dem weltweit einzigen für drei verschiedene alternative Antriebstechnologien (Hybrid, Plug-in-Hybrid und Elektro) konzipierten Fahrzeug, dreht sich in Genf das neue Brennstoffzellenfahrzeug Nexo ebenso im Rampenlicht wie die Elektroversion des eben erst lancierten Kompakt-SUV Kona.

Bis 2020 15 neue Modelle

«Hyundai beweist damit, dass wir auch eine technologische Vorreiterrolle einnehmen können», freut sich Veljko Belamaric, der Country-Manager von Hyundai Suisse. «Bis zum Jahr 2020 werden wir 15 Modelle mit alternativem Antrieb für den Weltmarkt produzieren.» Darunter auch das neue Brennstoffzellenfahrzeug Nexo, dass die Vorarbeit des iX35 Fuell Cell weiterführen soll. In Anbetracht der Tatsache, dass in der Schweiz derzeit nur gerade zwei Wasserstoff-Tankstellen zur Verfügung stehen, allerdings eine Sisyphusaufgabe. Immerhin: Hyundai bekommt prominente Unterstützung aus Japan, denn Toyota lanciert mit dem Mirai ab April ebenfalls ein Brennstoffzellenfahrzeug in der Schweiz.

Zumindest für die Verkaufszahlen viel wichtiger ist der diese Woche enthüllte Kompakt-SUV Kona Electric – laut den Koreanern «der erste elektrisch angetriebene B-SUV», also SUV-Kleinwagen. Der Neuling, der seine Publikumspremiere am Autosalon in Genf feiern wird, rollt in zwei Leistungsvarianten mit einer maximalen Reichweite von bis zu 470 Kilometern nach dem neuen WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) auf den Markt.

Und der soll den Neuling mit offenen Armen empfangen, denn laut Hyundai kombiniert die neuste Kona-Variante «zwei wichtige Trends in der Automobilbranche: kompaktes SUV-Format und emissionsfreien Elektroantrieb». Obwohl der Preis noch nicht feststeht und der Stromer erst in der zweiten Jahreshälfte an den Start rollt, rechnet Belamaric mit rund 300 Verkäufen bis Ende Jahr.

Beim Design verzichten die Koreaner auf Firlefanz, und der Kona Elecric unterscheidet sich optisch nur durch die geschlossene Frontpartie und eine andere Gestaltung der Felgen vom herkömmlich angetriebenen Modell. Dafür liefert die Elektrovariante überzeugende Leistungswerte: Wahlweise mit 99 kW (135 PS) oder 150 kW (204 PS) Motorleistung unterwegs, geht es auch dank des Drehmoments von maximal 395 Newtonmetern vor allem im Topmodell agil und dynamisch voran. So beschleunigt die stärkere Variante in nur 7,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Das 1-Stufen-Reduktionsgetriebe wird dabei per «shift by wire» nur über Tasten bedient.

Gute Werte bei den Reichweiten

Noch viel wichtiger sind allerdings die Langstreckenqualitäten des Electric: Die Batteriekapazität beträgt in der 150-kW-Version 64 Kilowattstunden, die in Kombination mit dem effizienten Elektroantrieb eine Reichweite von bis zu 470 Kilometern nach WLTP möglich macht. Die Speicherkapazität der Akkus beträgt in der Einstiegsvariante 39,2 kWh – damit lassen sich Reichweiten von bis zu 300 Kilometern am Stück fahren.

In beiden Modellen arbeitet ein Permanentmagnet-Synchronelektromotor, die Speicherung übernehmen im Unterboden platzierte Lithium-Polymer-Akkumulatoren. Laut Hyundai dauert es lediglich 54 Minuten, um die Stromspeicher an einer 100-kW-Schnellladestation zu 80 Prozent aufzuladen. Die Zeit für einen vollständigen Ladezyklus an einer für die heimische Garage geeigneten Wallbox beläuft sich auf rund sechs Stunden in der 99-kW- und gut neuneinhalb Stunden in der 150-kW-Variante. Die Ladeleistung des Onboard-Chargers beträgt in beiden Modellen 7,2 Kilowattstunden. Und im Cockpit übernehmen volldigitale Instrumente für Geschwindigkeit, Energieflussanzeige, Fahrmodus und Batterieladung die Information des Fahrers. Praktisch: Je nach gewähltem Fahrprogramm ändern sich die Farben und Informationen.

Ändern sollen sich auch die Farben bei den Absatzzahlen. Denn 2017 musste Hyundai in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr ein Minus verzeichnen. «Das wird 2018 anders», ist Veljko Belamaric überzeugt. «Denn nebst dem Kona Electric rollen auch ein neuer Santa Fe, der i40, der Tucson, der i20 und der Nexo an den Start.» Die Aussage scheint zu stimmen: Im Januar legten die Koreaner bei den Verkäufen um über 30 Prozent zu.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.02.2018, 17:33 Uhr

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