Süss duftet der gelbe Honig

Herbstserie

Eine Stadt- und eine Landimkerin erzählen von ihren Bienen. Wegen des kalten Frühlings produzierten die Tierchen in diesem Jahr kaum Blütenhonig, dafür goldgelben Waldhonig.

Umgeben von Holz und Honigduft: Die Imkerinnen Elisabeth Bigler (links) und Magdalena Fricker im Bienenhaus in Matzenried.

Umgeben von Holz und Honigduft: Die Imkerinnen Elisabeth Bigler (links) und Magdalena Fricker im Bienenhaus in Matzenried.

(Bild: Christian Pfander)

Im Holzbienenhaus riecht es – kein Wunder – nach Honig. Dazu gesellt sich ein Geruch, der in die Nase sticht. «Das ist von der Ameisensäure, die ich den Bienen im Herbst verabreiche», sagt Imkerin Elisabeth Bigler. Sie kam durch ihre Heirat auf den Hof in Matzenried BE vorerst mit der unangenehmen Seite der Bienen in Berührung: als sie bei der Gartenarbeit gestochen wurde. «Mein Schwager war Imker, und ich habe in den Neunzigerjahren die Bienen übernommen. Mittlerweile bin ich vom Bienenvirus infiziert und mit Herzblut Imkerin», sagt die Bäuerin.

Zu Besuch im Bienenhaus ist auch Magdalena Fricker aus Bern. Sie ist im Gegensatz zu Kollegin Bigler noch neu im Geschäft. Seit sechs Jahren hat sie rund 15 mobile Bienenkästen, so genannte Magazine, die auf dem Grundstück der Campagne Mont im Brunnadernquartier stehen. Die studierte Sozialpädagogin hat mit ihrem Mann in der Friederika-Stiftung in Walkringen gearbeitet, wo unter anderem auch Bienenkästen gebaut werden. «Als wir dort wegzogen, fasste ich den Entschluss, selber zu erfahren, wie die Teamarbeit der Bienen aussieht – und wurde Imkerin.»

Bienenfeinde bekämpfen

Elisabeth Bigler ist nicht nur langjährige Imkerin, sondern auch Betriebsprüferin für das Goldsiegelprogramm und Kontrolleurin des Vereins Imkerinnen und Imker Bern und Umgebung. Sie führt durch ihr Bienenhaus. Zeigt Rahmen mit perfekten, gelben Wachswaben, welche die Bienen selber bauen. Jetzt wuseln die Tierchen hinter Glas. Sie bleiben drin wegen der Kälte.

Ihre Feinde, die Varroamilben, halten Bigler und Fricker mit Ameisensäure in Schach, deren Dämpfe die Schädlinge töten. «Aber es sterben nie alle», sagt Elisabeth Bigler. Die Vernichtung der Milben sei ein steter Kampf. Man müsse immer dranbleiben. Genau so ergeht es Magdalena Fricker, die die Imkerinnenarbeit im Freien ausführt, da die Kästen draussen stehen.

Gute Honigernte

Auf dem Tisch stehen Gläser mit Honig, hellgelbem aus Blüten und braungelbem Waldhonig. Bigler hat in diesem Jahr von zehn Wirtschaftsvölkern 350 Kilo gewonnen, bei Fricker waren es 280 Kilo von neun Völkern. Bei den Jungen ist noch nichts zu holen, sie brauchen den Honig selber. Die beiden Frauen sind erfreut über diese Menge. Obschon die viertägige Kälte im Frühling viele Blüten vernichtete, war die Honigernte sehr gut.

Als sie im Juni erstmals schleuderte, staunte Magdalena Fricker: «Der Honig war dunkel, nicht hellgelb, wie es Blütenhonig normalerweise ist.» Offenbar hatten die Fichtenquirlschild­läuse auf den Fichten gut überwintert. Mangels Blüten suchten die Bienen ihre Nahrung auf Bäumen wie Fichten, Linden und Ahornen. Dort gewannen sie aus dem klebrigen Sekret von Läusen Nahrung und produzierten zu Hause in den Waben dunkelgelben Waldhonig (siehe Kasten).

Aus diesem Grund ist heller Blütenhonig heuer rar. Nicht nur die Farbe unterscheidet die beiden Sorten: Im Gegensatz zu Blütenhonig kandiert Waldhonig lange nicht. Er bleibt flüssig.

Neophyten bieten Nahrung

Was die Bienen jetzt noch produzieren, gehört ihnen. Sie brauchen Honig als Nahrung während des Winters. «Nektar finden sie derzeit auf Neophyten wie dem drüsigen Springkraut und der Goldrute, aber auch auf Efeu, der jetzt blüht», sagt Magdalena Fricker. Auch die violett blühende Phacelia, eine Gründüngung auf Äckern, ist eine beliebte Bienenweide.

Ende September beginnt die Winterruhe. Die Bienen schlafen aber nicht, sondern formieren sich zu einer Kugel und wärmen die Königin, indem sie sich ständig langsam vom Inneren nach aussen bewegen und Körperwärme abgeben. Dabei dürfen sie nicht gestört werden. Denn Kälte würde sie starr machen. Die Bienen könnten nicht mehr auf die Wabe krabbeln und würden ­sterben.

Der Wintervorrat an Honig muss reichen, bis Mitte April und bei hoffentlich gutem Flugwetter wieder die erste Frühjahrstracht blüht und für die Bienen erreichbar ist. Ein Volk braucht zwischen 15 und 30 Kilo Futter zum Überwintern. Am gesündesten bleiben sie, wenn sie ihren eigenen Honig fressen. Reicht der Vorrat nicht aus, wird Zuckerwasser gereicht, manchmal gemischt mit goldgelbem Honig, der so duftet, wie es im Holzbienenhaus in Matzenried riecht.


In unserer Herbstserie widmen wir uns jede Woche einer Farbe. Diese Woche ist Gelb an der Reihe.

Berner Zeitung

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