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Preisverleihung«Succession» räumt bei den Emmys ab

Das Drama um die kaputte Familie eines Medienmoguls erhielt sieben Auszeichnungen. Noch erfolgreicher war die Comedyserie «Schitt’s Creek».

Und dann klingelte im Hintergrund das Telefon: Drehbuchautor Jesse Armstrong nimmt die Auszeichnung aus dem Hotelzimmer entgegen.
Und dann klingelte im Hintergrund das Telefon: Drehbuchautor Jesse Armstrong nimmt die Auszeichnung aus dem Hotelzimmer entgegen.
Foto: Keystone

Am Ende sassen sie doch fast alle im schicken Abendkleid da – nur eben meistens daheim statt im Staples Center in Los Angeles. Und von dort übten viele Stars bei den wegen der Corona-Pandemie weitgehend virtuellen Emmy Awards sechs Wochen vor den US-Wahlen viel Kritik an Präsident Donald Trump. Die drei grossen Abräumer am Sonntagabend waren das Drama «Succession» um die kaputte Familie eines Medienmoguls, die freundliche Toleranz-Comedy «Schitt’s Creek» und die auf einem realen Massaker an Schwarzen im US-Süden beruhende Comicverfilmung «Watchmen».

In der Königskategorie des Abends entschied sich Produzent und Drehbuchautor Jesse Armstrong für eine ungewöhnliche Rede. Er wolle einigen «Nichtdank» aussprechen, sagte er bei der Bekanntgabe des Preises für die beste Dramaserie an «Succession». Ein «Nichtdank» gehe an das Virus und an Donald Trump und Boris Johnson für deren «lausige und unkoordinierte Antwort» darauf, sagte er. Ein «Nichtdank» gehe auch an alle Nationalisten auf der Welt und «an alle Medienmogule, die sie an der Macht halten», erklärte der Brite.

Seine opulent ausgestattete Serie handelt vom alternden Patriarchen Logan Roy und wie dessen Kinder um die Nachfolge in seinem Medienkonzern kämpfen. Sie wurde mit sieben Preisen ausgezeichnet, darunter auch Emmys für Jeremy Strong als bester Hauptdarsteller und Andrij Parekh als bester Regisseur. Dass während der Verleihung des Hauptpreises kurz im Hintergrund das Telefon klingelte, blieb eine der wenigen Pannen – «Zimmerservice, vermutlich», witzelte Armstrong.

Ansonsten war deutlich häufiger der US-Präsident das Thema vieler Gags und ernster Anspielungen. Zu Beginn sprach Moderator Jimmy Kimmel zunächst vor applaudierenden Stars, gab dann aber preis, dass dies Aufnahmen der Vorjahre waren und er nahezu allein auf der Bühne im Staples Center stehen werde. «Natürlich haben wir kein Publikum», sagte der Komiker. «Das hier ist keine MAGA-Rally», ergänzte Kimmel als Seitenhieb auf die «Make America Great Again»-Wahlkampfreden, die US-Präsident Donald Trump trotz Infektionsrisikos während der Corona-Pandemie vor Tausenden Anhängern hält.

Danach ging Kimmel hinter die Bühne in einen Raum voller Monitore mit Schalten zu rund 100 Nominierten. Mit der Vergabe des ersten Preises begann dann der Siegeszug von «Schitt’s Creek» in den Comedy-Kategorien – mehr als 70 Minuten dauerte es, bis überhaupt irgendeine andere Sendung einen Preis erhielt. Bis dahin gewann in allen sieben wichtigen Sparten die warmherzige Serie über die extravagante Familie Rose, die nach Problemen mit den Steuerbehörden in ein kleines Dorf zieht, das der Vater einst als Spass dem Sohn geschenkt hatte.

«Im Kern handelt unsere Serie davon, welche Veränderungen Liebe und Akzeptanz auslösen», sagte Daniel Levy, der Preise als Regisseur, Autor und Nebendarsteller erhielt. «Und das ist etwas, das wir heute mehr als je zuvor brauchen», ergänzte er, bevor er die Zuschauer engagiert aufrief, am 3. November wählen zu gehen. Ausser ihm wurden auch Catherine O’Hara und Eugene Levy für ihre Hauptrollen und Annie Murphy für die beste weibliche Nebenrolle ausgezeichnet. Inklusive der Preise für die beste Comedyserie, sowie für bereits an den Vorabenden vergebenen Preisen für Casting und Kostüme kam «Schitt’s Creek» auf neun Awards.

Bei den Emmys für Fernsehfilme und Miniserien war «Watchmen» mit insgesamt elf Preisen der grosse Abräumer. In ihren Reden erinnerten die Macher an ein dunkles Kapitel der US-Geschichte, das der Serie zugrunde liegt: Beim Massaker von Tulsa waren laut mancher Schätzungen im Jahr 1921 bis zu 300 Schwarze umgebracht worden. «Dieses Land vernachlässigt seine eigene Geschichte oft zum eigenen Nachteil», sagten die Drehbuchautoren Damon Lindelof und Cord Jefferson.

Die Deutsche Maria Schrader kann sich über eine Auszeichnung freuen: Sie bekam die Auszeichnung als beste Regisseurin für die vierteilige Serie «Unorthodox» beim Streaminganbieter Netflix. Sie erzählt darin die Geschichte der ultra-orthodoxen Jüdin Esther, die vor ihrem Ehemann aus New York nach Berlin flüchtet. «Ich bin sprachlos», sagte die auch als Schauspielerin bekannte 54-jährige Schrader in einer Live-Schaltung, umgeben von einigen Mitgliedern des Teams.

SDA