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Der Abstieg ist besiegeltStunde null beim FC Thun

Trotz eines 4:3-Siegs gegen den FC Vaduz im Rückspiel der Barrage, steigt der FC Thun in die Challenge League ab. Es ist die erste Relegation für die Berner Oberländer seit 12 Jahren.

Pure Enttäuschung. Die Thuner Simone Rapp, Ridge Munsy und Hiran Achmed (von links) nach dem 4:3-Sieg gegen den FC Vaduz, der gleichwohl den Abstieg bedeutet.
Pure Enttäuschung. Die Thuner Simone Rapp, Ridge Munsy und Hiran Achmed (von links) nach dem 4:3-Sieg gegen den FC Vaduz, der gleichwohl den Abstieg bedeutet.
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Exakt um 20.08 Uhr war der ­Thuner Abstieg in die Challenge ­League besiegelt. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff sanken die Spieler der Berner Oberländer zu Boden. Sie vergruben ihre Gesichter hinter den Händen wie Captain Leonardo Bertone oder legten sich wie Stürmer Simone Rapp im Mittelkreis auf den Rücken wie ein hilfloser Käfer und starrten mit leerem Blick in den Abendhimmel.

Goalie Guillaume Faivre blieb minutenlang vor dem Strafraum stehen und konnte weder von Assistent Nelson Ferreira noch von Sportchef Andres Gerber so richtig getröstet werden. Immer wieder schüttelte Faivre den Kopf, murmelte leise etwas vor sich hin, liess sich in die Arme nehmen und trösten.

Guillaume Faivre geschlagen, Nikki Havenaar am Boden: Tunahan Cicek (r.) schiesst das Tor zum 3:2 für Vaduz .
Guillaume Faivre geschlagen, Nikki Havenaar am Boden: Tunahan Cicek (r.) schiesst das Tor zum 3:2 für Vaduz .
Claudio de Capitani (Freshfocus)

«Die Enttäuschung, die ich gerade verspüre, ist gar nicht wirklich in Worte zu fassen. Ich empfinde gerade eine unglaubliche Leere in mir», sagte Thuns Mittelfeldspieler Nicolas Hasler, nachdem der erste Schmerz verklungen war und er sich noch bei den Zuschauern für ihren Support bedankt hatte. «Wir haben es in erster Linie im Hinspiel vergeigt, ich weiss auch nicht, ob wir dort zu viel Respekt vor Vaduz hatten. Man hat heute gesehen, dass wir sie gut unter Druck setzen», erzählte Hasler.

Ein früher Dämpfer

Zum ersten Mal seit 2008 verpassten die Thuner den Klassenerhalt, obschon sie das Rückspiel in der Barrage nach einem 2:3-Rückstand in den Schlussminuten tatsächlich noch drehten und letztlich 4:3 gewannen. Doch am Ende fehlte ein Treffer, um nach der 0:2-Niederlage aus dem Hinspiel in Vaduz zumindest noch die Verlängerung zu erzwingen (die Auswärtstorregel war in der Barrage ausser Kraft gesetzt). Das Unheil aus Sicht der Berner Oberländer hatte im Rückspiel indes schon früh seinen Lauf genommen.

Es begann mit der Tatsache, dass sich die Liechtensteiner vom Anpfiff weg bei jedem Abstoss, bei jedem Einwurf und bei jedem Freistoss aufreizend viel Zeit liessen. Dies nervte und erzürnte die Zuschauer und Akteure der Thuner sichtlich. Doch trotz den frühen Vaduzer Provokationen blieb die Mannschaft von Coach Marc Schneider cool, agierte zunächst äusserst energisch und druckvoll. Der Wille, die Hypothek aus dem ersten Match so schnell wie möglich wettzumachen, war spürbar.

Trotz Sieg und vier Toren muss der FC Thun absteigen. Hier freuen sich Basil Stillhart (r.) und Gregory Karlen (Mitte) am 1:1, dem Eigentor von Vaduz-Torhüter Büchel.
Trotz Sieg und vier Toren muss der FC Thun absteigen. Hier freuen sich Basil Stillhart (r.) und Gregory Karlen (Mitte) am 1:1, dem Eigentor von Vaduz-Torhüter Büchel.
Foto: Peter Schneider (Keystone)

Doch der erste grobe Dämpfer folgte auf dem Fuss: In der 19. Minute buchte Vaduz-Stürmer Mohamed Coulibaly nach einem Fehler von Thun-Goalie Guillaume Faivre die 1:0-Führung und erhöhte nicht nur die Marge für den Gast aus Liechtenstein, sondern traf die Thuner auch moralisch tief ins Mark. Die Einheimischen brauchten einige Zeit, um sich von diesem Schock zu erholen und konnten froh sein, dass Coulibalys vermeintliches Tor zum 0:2 nach einem mustergültigen Konter wegen Abseits aberkannt wurde. Viele Ungenauigkeiten prägten in jener Phase das Thuner Spiel, die sich das Leben ­selber schwer machten.

Hoffnung vor der Pause

Es dauerte bis fünf Minuten vor der Pause, ehe die Hoffnung im Lager der Thuner zurückkehrte. Innenverteidiger Basil Stillhart buchte nach einem Corner per Kopf den 1:1-Ausgleich. Kurz nach der Pause doppelte Leonardo Bertone mit einem Weitschuss zur 2:1-Führung sogar nach (47.). «Nach dem 2:1 von Leo war ich sicher, dass wir das Ding noch drehen werden», sagte Nicolas Hasler. Doch es kam anders: Coulibaly erzielte postwendend den 2:2-Ausgleich (51.) und Sturmpartner Tunahan Cicek legte mit dem 3:2 (71.) den Grundstein für den Vaduzer Aufstieg.

«Dass wir nach unserer ­starken Rückrunde in der Barrage absteigen müssen, tut einfach nur unglaublich weh»

Nicolas Hasler

Wenngleich die Thuner niemals aufgaben und durch zwei späte Treffer durch Munsy (87.) und Simone Rapp tatsächlich noch 4:3 gewannen, kam die Aufholjagd zu spät. Was blieb, war eine grenzenlose Enttäuschung und viel Trauer bei allen Thuner Beteiligten. «Dass wir nach unserer ­starken Rückrunde in der Barrage absteigen müssen, tut einfach nur unglaublich weh», erklärte Mittelfeldspieler Hasler.

Die Dämme brechen: Der FC Vaduz feiert nach dem Spiel den Aufstieg in die Super League.
Die Dämme brechen: Der FC Vaduz feiert nach dem Spiel den Aufstieg in die Super League.
Foto: Peter Schneider (Keystone)
6 Kommentare
    Wittwer Kurt

    Wird jetzt endlich der Trainer gewechselt?