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Sechs prominente SteueraffärenSteuern optimieren à la Trump – so machen es Schweizer Politiker

US-Präsident Donald Trump zahlt gemäss der «New York Times» kaum Steuern. Auch bei Schweizer Politikern wurde schon bekannt, wie sie ihre Steuerlast optimiert haben.

Elisabeth Kopp

Mussten Nach- und Strafsteuern zahlen: Elisabeth und Hans W. Kopp 2007 im Zürcher Weihnachtszirkus Conelli.
Mussten Nach- und Strafsteuern zahlen: Elisabeth und Hans W. Kopp 2007 im Zürcher Weihnachtszirkus Conelli.
Foto: Tamedia

Der «SonntagsBlick» enthüllte im November 1996, dass das Ehepaar Elisabeth und Hans W. Kopp keine Steuern bezahle. Dies trotz des Ruhegehalts der früheren FDP-Bundesrätin in Höhe von 200’000 Franken und Villen in Zumikon ZH und in Italien.

Kopps Ehemann war in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Seine Anwaltskanzlei lief nicht mehr gut, und er wurde zu hohen Straf- und Nachsteuern verurteilt. Zeitweise hatte das Ehepaar bis zu dreissig Betreibungen in Millionenhöhe im Haus. Auf eine Stellungnahme verzichtete das Paar damals.

Elisabeth Zölch

Ihr Mann zahlte jahrelang keine Steuern auf ihren Lohn: Die damalige Berner Regierungsrätin Elisabeth Zölch.
Ihr Mann zahlte jahrelang keine Steuern auf ihren Lohn: Die damalige Berner Regierungsrätin Elisabeth Zölch.
Foto: Thomas Peter

Die Berner SVP-Regierungsrätin und ihr Mann Franz Zölch zahlten von 2002 bis 2005 keine Steuern, obwohl Elisabeth Zölch rund 250’000 Franken pro Jahre verdiente. Gemäss der «SonntagsZeitung», die den Fall 2008 öffentlich machte, war das Paar dermassen verschuldet, dass es keine Steuern bezahlen musste.

Sie habe die Buchhaltung ihrem Mann überlassen und darum mit ihrem Geld die Schulden ihres Ex-Mannes mitgetragen, sagte Zölch, die sich 2005 von ihrem Mann scheiden liess. Danach zahlte sie wieder ordentlich Steuern.

Pierre Maudet

Zog Parteibeiträge, die er selber nicht zahlte, von den Steuern ab: Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet.
Zog Parteibeiträge, die er selber nicht zahlte, von den Steuern ab: Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet.
Foto: Steeve Iuncker-Gomez

Er war der Star der Genfer FDP, doch 2018 geriet der Staatsrat und erfolglose Bundesratskandidat Pierre Maudet in einen Strudel aus möglicher Günstlingswirtschaft um eine Reise nach Abu Dhabi und persönliche Steueroptimierung. Maudet zog die Mandatsbeiträge an seine Partei von den Steuern ab. Allerdings waren sie von einem Unterstützungskomitee in seinem Namen entrichtet worden.

Im Sommer wurde bekannt, dass Pierre Maudet eine Busse unter 5000 Franken bekommen hat. Die Busse betraf die direkten Bundessteuern. Sein Anwalt dementierte, dass Maudet Steuerhinterziehung betrieben hatte.

Margret Kiener Nellen

Einkauf in die Pensionskasse als Steueroptimierung: Die ehemalige Nationalrätin Margret Kiener Nellen.
Einkauf in die Pensionskasse als Steueroptimierung: Die ehemalige Nationalrätin Margret Kiener Nellen.
Foto: Andreas Blatter

Margret Kiener Nellen war als SP-Nationalrätin eine unerschrockene Kämpferin gegen Steueroptimierung, bis sie 2014 selber ins Visier der Behörden geriet. Die Anwältin und zwölffache Millionärin hatte 2011 dank einem Einkauf ihres Mannes in die Pensionskasse von 400’000 Franken ihr steuerbares Einkommen auf null Franken gedrückt und deshalb keine Steuern bezahlt.

Für Kiener Nellen war das alles eine Kampagne ihrer Gegner. Hätte sie wirklich Steuern optimieren wollen, so sagte sie noch vor einem Jahr, hätte ihr Mann die Einzahlung auf mehrere Jahre verteilt.

Gegendarstellung
In diesem Artikel wird ausgeführt, ich hätte 2011 «keine Steuern» bezahlt. Das ist falsch. Richtig ist, dass das Ehepaar Kiener Nellen/Nellen 2011 zwar keine Einkommenssteuern, aber über CHF 29'400 Vermögens- und Kirchensteuern bezahlt hat. Falsch ist ebenfalls, dass ich «2014 selber ins Visier der Behörden geriet». Wegen der Null-Taxation bei der Einkommensteuer für 2011 beantragte ich im Gegenteil selbst, dass meine Nationalratsentschädigung und der weitere Erwerb 2011 besteuert wird, was jedoch aufgrund der fehlenden Individualbesteuerung abgewiesen wurde.

Margret Kiener Nellen, Rechtsanwältin, ehem. Nationalrätin

Andreas Herczog

Zahlte jahrelang keine Steuern: Der frühere Nationalrat Andreas Herczog.
Zahlte jahrelang keine Steuern: Der frühere Nationalrat Andreas Herczog.
Foto: Tamedia

Der Zürcher SP-Nationalrat Andreas Herczog war in den Neunzigerjahren eine wichtige Person der Schweizer SP. Er kämpfte für den öffentlichen Verkehr und mehr soziale Gerechtigkeit. Doch der Architekt wusste auch, wie man Steuern optimiert. Gemäss der Zeitschrift «Beobachter», die Herczogs Steuerausweise zitierte, versteuerte der Architekt und Raumplaner 1993 bis 1995 kein Einkommen. Sogar seine Entschädigung als Nationalrat von damals 65’000 Franken löste sich in der Steuerrechnung in Luft auf.

Jean-Claude Rosset

Einnahmen von 200’000 Franken nicht deklariert: Jean-Claude Rosset, der ehemalige Polizeidirektor von Lausanne.
Einnahmen von 200’000 Franken nicht deklariert: Jean-Claude Rosset, der ehemalige Polizeidirektor von Lausanne.
Foto: Philippe Maeder

Im Kanton Waadt deckten Steuerfahnder in den Neunzigerjahren eine Praxis auf, die wohl auch in anderen Kantonen üblich war. Am Ende des Geschäftsjahrs gewähren Firmen im Baugewerbe ihren Kunden auf den Umsätzen einen nachträglichen Rabatt. Viele derart Begünstigte haben den Rückvergütungscheck nicht als Einkommen deklariert.

So auch der liberale Stadtrat und Polizeidirektor von Lausanne, Jean-Claude Rosset. Der Stadtpolitiker trat zurück und gab zu, er habe innerhalb von fünf Jahren 200’000 Franken hinterzogen. Insgesamt wurden in der Waadt 24 Millionen Franken am Fiskus vorbeigeschmuggelt.

39 Kommentare
    Tim Thaler

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Solange die Steueroptimierung legal ist, ist sie für mich absolut in Ordnung. Unter Optimierung fällt z.B. gestaffelter Bezug von PK-Kapital oder 3a-Geldern oder das Füllen von Vorsorgelücken, aber auch das Einzahlen von 3a-Geldern, das über Jahre gestaffelte Renovieren von Liegenschaften etc. — Man sollte sich nur über illegale, kriminelle Tricks aufregen.