SBB behalten das Intercity-Monopol

Auch künftig werden allein die SBB die Intercity-Züge zwischen den grossen Zentren fahren. Das Bundesamt für Verkehr hält aber der BLS und der SOB die Tür für weniger bedeutende Fernverkehrslinien offen.

Im Wettstreit mit den SBB bleiben BLS und SOB nur bei den Interregiozügen im Rennen.

Im Wettstreit mit den SBB bleiben BLS und SOB nur bei den Interregiozügen im Rennen.

(Bild: Keystone)

Julian Witschi

Im Bahnland Schweiz ist die im Dezember fällige Erneuerung der Konzession für den Fernverkehr ein brisantes Thema. Es werde viel geschrieben und emotional diskutiert, deswegen wolle er die Situation nun besser erläutern, sagte Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamtes für Verkehr (BAV), am Freitag an einem Mediengespräch in Ittigen.

Einst hatte es gut ausgesehen, dass sich die SBB als bisherige Monopolistin bei Intercity- und Interregiozügen mit den ebenfalls interessierten Bahnen BLS und SOB einigen. Die BLS möchte wieder – wie sie es noch bis 2004 konnte – einige Fernverkehrslinien via Bern betreiben, die SOB Strecken in der Ostschweiz und am Gotthard.

Peter Füglistaler. Bild: Keystone

«Wir waren sehr nahe an einer einvernehmlichen Lösung», sagte Füglistaler. Doch am 15. Februar platzten die Verhandlungen. Nach Informationen dieser ­Zeitung wischte SBB-Chef ­Andreas Meyer persönlich die unterschriftsreife Vereinbarung vom Tisch. Da half auch nicht, dass Füglistaler den SBB «ein ­Zückerchen» hinwarf, indem er die Konzession um fünfzehn Jahre statt wie üblich um zehn Jahre verlängert hätte.

Externer Berater

Seit dem Eklat läuft ein normales Konzessionsverfahren. Die Bahnen können bis zum 9. September Gesuche eingeben. Es gibt keine Versteigerung. Sondern das BAV prüft bei der Vergabe vorab die Qualität und die Wirtschaftlichkeit des Angebots sowie Aspekte des Umweltschutzes, der Arbeitsbedingungen und der Behindertengerechtigkeit.

Diese gesetzliche Vorgabe klingt nun im konkreten Streitfall auch dem BAV zu schwammig. Zudem ist die Rolle des Bundesamtes heikel, weil dem Bund die SBB vollständig gehören und die BLS sowie die SOB (nur) zu einem Teil. Das BAV zieht daher externe Experten bei, um konkrete Vergabekriterien zu erstellen. Den Auftrag erhält voraussichtlich die Schweizer Planungsgruppe Rapp.

Zuerst musste das BAV aber selber den Fernverkehr überhaupt einmal «sauber definieren», wie Füglistaler sagte. Vieles sei historisch gewachsen. Nur so lässt sich zum Beispiel erklären, dass die SBB-Linie Bern–Biel zum Fernverkehr gehört, demgegenüber die BLS-Linie Bern–Neuenburg nicht.

Premiumnetz bleibt bei SBB

Das Bundesamt hat daher eine sogenannte Wegleitung zu Grundsätzen erarbeitet, woran sich die Bahnen orientieren können. Kern ist die Aufteilung des Fernverkehrs in ein Premium- und ein Basisnetz mit unterschiedlichen Ansprüchen bei Rollmaterial, Zugbegleitung und Verpflegung (wir berichteten).

Das Premiumnetz verbindet die metropolitanen Zentren direkt. Darunter fallen also etwa die bisherigen Intercity-Doppelstockzüge von Genf nach St. Gallen, die zwischen Bern und Zürich nicht halten. Das Basisnetz verbindet mittelgrosse Städte mit den metropolitanen Zentren und den Landesflughäfen. Dazu könnte ab Dezember ein BLS-Interregio von Interlaken-Ost nach Zürich Flughafen gehören, der zum Beispiel in Olten und ­Aarau einen Halt macht.

Das Premiumnetz sei gemäss Wegleitung durch eine einzelne Bahngesellschaft zu betreiben, sagte Füglistaler. «Damit möchten wir den Netzgedanken hochhalten und eben gerade kein Rosinenpicken bei besonders rentablen Strecken», betonte der BAV-Direktor. Wer das Premiumnetz betreiben wird, scheint für Füglistaler klar: «Wir dürfen dem Konzessionsverfahren zwar nicht vorgreifen, aber realistischerweise dürften die SBB sehr, sehr, sehr gute Chancen haben.»

Die BLS und die SOB könnten aber die SBB auf Basisnetzlinien ausstechen. Entscheidend ist für das BAV, dass die Kunden profitieren, dies bei möglichst tiefen Systemkosten.

Kein Billett-Preiskampf

Das heisst aber nicht, dass die Kunden künftig mit der einen Bahngesellschaft günstiger fahren können als mit der anderen. Zur Konzession gehört nämlich, dass die Tarifstruktur des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz eingehalten wird. Eine Reise von A nach B kostet also bei allen gleich viel. Der vom BAV lancierte Ideenwettbewerb lohne sich dennoch, sagte Füglistaler: «Es wird einen besseren Fernverkehr mit mehr Angeboten geben.»

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